Glarnerin Anja R. (42) hat nicht mal mehr Geld für die Beerdigung ihres Liebsten
«Kampf um Rente und Rechte war zu viel für ihn»

Das Leben von Miguel Marfil war am Ende ein einziger Kampf. Nicht nur gesundheitlich, sondern auch wegen Behörden-Schlendrian. Seine Lebenspartnerin begleitete ihn in der schweren Zeit. Jetzt steht sie vor einem Berg von Rechnungen und weiss nicht weiter.
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Miguel Marfil mit einem Therapiehund in der Rehaklinik. Danach ging es mit ihm rapide bergab. Er verstarb am 11. März 2026.
Foto: Zvg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Anja R. hat ihren Lebenspartner nach langer Leidenszeit verloren
  • Miguel Marfil kämpfte ein Jahrzehnt um Rente und Rechte
  • Anja R. fehlt nun sogar das Geld für eine würdevolle Beerdigung
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Nacht für Nacht plagen Anja R.* (42) Albträume. Immer wieder durchlebt sie die Szene, als das Pflegeheimpersonal ihr mitteilt: «Anja, Miguel ist vor zehn Minuten gestorben.» R. schläft neben ihrem Lebenspartner im Pflegeheim auf einem Klappbett, als er seinen letzten Atemzug tut.

Gestorben ist Miguel Àngel Marfil (†49) am 11. März 2026 in einem Pflegeheim im St. Galler Rheintal. Das letzte Jahrzehnt seines Lebens war ein einziger Kampf. Gegen seine heftigen Rückenschmerzen und um eine IV-Rente. Ein endloses Prozedere von Abklärungen, unerfüllten Hoffnungen, befristeten Renten. Der Blick hat über die Leidensgeschichte des Spaniers, der seit seiner Geburt in der Schweiz gelebt hat, Ende 2024 berichtet

Kein Geld für Beerdigung

Die Glarnerin R. hat sich seit fast einem Jahr ausschliesslich um die Pflege ihres Lebenspartners und Behördengänge gekümmert. Dass ihr selbst das Geld ausging, verdrängte sie offenbar. Sie habe nun nicht mal mehr die finanziellen Ressourcen, um die Kosten der Beerdigung zu stemmen, klagt sie im Gespräch mit Blick. «Ich möchte für Miguel eine würdige Verabschiedung veranstalten, wie er sich das gewünscht hätte», so R.

Sie startete eine Sammlung auf gofundme.com, die Hälfte des benötigten Geldes hat sie inzwischen beisammen. Marfil hinterlässt seine Eltern und einen Sohn aus einer früheren Beziehung. Aber auch ihnen fehlt das Geld für die Beerdigung. 

R. machen vor allem die letzten zwölf Monate zu schaffen, in denen das Leben von Marfil eine letzte, dramatische Wende nahm. Anfang Februar 2025 bricht Marfil zusammen und landet auf der Intensivstation. «Der ganze Kampf um seine Rente und Rechte waren zu viel für ihn», erzählt R.

Die Ambulanz bringt ihn an diesem Tag nicht nach St. Gallen, wo die Ärzte seine Krankengeschichte gekannt hätten, sondern nach Zürich. Nach drei Tagen fällt Marfil ins Koma, wacht erst zweieinhalb Wochen später wieder auf. 

Noch einmal zurückgekämpft

Ein letzter Lichtblick: Ihr Lebenspartner kommt in eine Rehaklinik nach Basel, wo er weitere Fortschritte macht, sich noch einmal ins Leben zurückkämpft. Im Oktober 2025 wird endlich die IV-Rente gutgeheissen. Acht Jahre habe Miguel auf diese IV-Rente warten müssen, bis dem Antrag schliesslich stattgegeben wurde, schüttelt R. den Kopf.

Am Schluss fehlte es nur noch an einem Spitalbett in der gemeinsamen Wohnung in Glarus, das Marfil das Aufstehen erleichtert hätte. Doch die Lieferung des Spezialbettes verzögerte sich, statt in die Wohnung ging es für ihn nach Reha-Ende in ein Pflegeheim. Rapide verschlechterte sich sein Zustand. Um Therapien für ihren Lebenspartner habe R. sich selber kümmern müssen. Im Frühling 2026 verliess Marfil der Lebenswille.

Offene Rechnungen

Viele Behörden hätten Marfil mit seinem Leiden alleine gelassen – hörten auch nach seinem Tod nicht auf, R. zu bedrängen, so R. Das Pflegeheim schickt die Rechnungen per Mail auch an seine Lebenspartnerin. «Von der Verwaltung hiess es, hoffentlich verstirbt der Patient nicht plötzlich und wir bleiben auf unseren Kosten sitzen», erzählt R. ein Erlebnis aus den letzten Wochen im Leben von Marfil. 

Die offenen Rechnungen für Krankentransporte und das Pflegeheim belaufen sich auf über 55'000 Franken. R. hat Angst, dass sie dieses Geld bezahlen muss, obwohl sie das Erbe ausgeschlagen hat.

Immerhin: Diese Angst ist unberechtigt, wie Corinne Strebel (51), Leiterin des Beobachter-Beratungszentrums, auf Blick-Anfrage versichert. «Jede Person haftet für ihre eigenen Schulden – das gilt für unverheiratete Paare genauso wie grundsätzlich für verheiratete.» 

Doch R. bleibt die Sorge, den Angehörigen und ihrem Liebsten keine würdevolle Verabschiedung bieten zu können. 

*Name geändert 

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