Mitstreiter und Gegner von Silvan Wildhaber
Der neue Mann an der Spitze von Economiesuisse ist gut vernetzt

Seit diesem Freitag ist Silvan Wildhaber der neue Präsident von Economiesuisse. Er hat sich schon früh ein vielschichtiges Netzwerk in Wirtschaft und Politik aufgebaut.
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Silvan Wildhaber ist seit diesem Freitag Präsident von Economiesuisse.
Foto: Kilian J. Kessler

Darum gehts

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von Anne-Barbara Luft
Bilanz

Silvan Wildhaber hat am Freitag das Präsidium des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse übernommen. Die Wahl des 48-jährigen Chefs der St. Galler Textilfirma Filtex galt im Vorfeld als Überraschung und markiert einen klaren Systemwechsel im Schweizer Wirtschaftsestablishment. Die Organisation, gegründet im September 2000 aus der Fusion des traditionsreichen Schweizerischen Handels- und Industrievereins mit der Wirtschaftsförderung, sollte der Schweizer Wirtschaft ein zentrales politisches Sprachrohr geben.

Über die Jahrzehnte entwickelte sich der Verband dann primär zum Club der Grosskonzerne. Seit dem Rücktritt des Textilunternehmers Ueli Forster im Jahr 2007 folgten an der Verbandsspitze ausnahmslos reine Konzernmanager: Gerold Bührer, Rudolf Wehrli, Heinz Karrer und zuletzt Syngenta-Chefjurist Christoph Mäder.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

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Nun übernimmt nach langer Zeit wieder ein KMU-Patron das Zepter. Nach dem Schwinden des politischen Gewichts in Bundesbern soll der FDP-Politiker den Verband neu ausrichten. Als Exportunternehmer steht Wildhaber vor der Herkulesaufgabe, die Interessen von Konzernen wie UBS oder Roche mit denen des Mittelstands zu vereinen und bei den Bilateralen III klare Kante zu zeigen.

Die Freisinnigen

Im freisinnigen Netzwerk ist Silvan Wildhaber tief verankert. Seit 2024 präsidiert er den Supporterclub «Freunde der FDP», in dem das Sponsoring und die strategische Vernetzung der Partei gebündelt werden. Zu seinen Mitstreitern in diesem Gremium gehört Vorstandsmitglied Franziska Tschudi Sauber – gemeinsam ziehen sie an einem Strang, wenn es um die Anliegen der Schweizer Exportindustrie geht.

Auf nationaler Ebene tauscht sich Wildhaber regelmässig mit FDP-Politikern aus: Der Aargauer Ständerat Thierry Burkart ist ein Ansprechpartner in Bundesbern, während der frühere Zürcher Ständerat Ruedi Noser als erfahrener Unternehmer-Politiker ein geschätzter Wegbegleiter ist. Auch mit dem Zürcher FDP-Nationalrat und unternehmerischen Mitstreiter Andri Silberschmidt ist der Textilpatron verbunden.

FDP-Netzwerk (v. l.): Thierry Burkart, Ruedi Noser, Franziska Tschudi, Susanne Vincenz-Stauffacher.
Foto: Keystone, Stephan Knecht, Joseph Khakshouri

In der Ostschweiz bildet Wildhaber mit der St. Galler FDP-Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher und der Thurgauer Nationalrätin und IHK-Präsidentin Kris Vietze ein starkes regionales Bündnis. Aber sein politisches Netzwerk reicht über die eigenen Parteigrenzen hinaus: So steht Wildhaber etwa im Dialog mit dem St. Galler Mitte-Ständerat Benedikt Würth. Bei wichtigen Standortdossiers verfolgen sie eine gemeinsame Linie.

Die Mitstreiter

Der abgetretene Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder spurte den Generationenwechsel vor und ebnete Wildhaber den Weg an die Verbandsspitze. Zusammen mit der langjährigen Direktorin von Economiesuisse, Monika Rühl, bildet er ab September das Führungsduo des Dachverbands. Zeitgleich mit Wildhaber wurde der Genfer Biotech-Gründer Nicolas Durand zum neuen Vizepräsidenten gewählt. Er bildet für den Präsidenten die Brücke in die Romandie.

Zu Wildhabers engen Verbandsgefährten zählt Carl Illi, der ehemalige Präsident von Swiss Textiles. Beide zogen an einem Strang bei den Themen Freihandel und Exportstandort. Zu den Unterstützern von Wildhabers Agenda an die Verbandsspitze gehört Martin Hirzel, Präsident von Swissmem, dem mitgliederstärksten und einflussreichsten Unterverband von Economiesuisse.

Mitstreiter (v. l.): Monika Rühl, Christoph Mäder, Valentin Vogt.
Foto: Peter Schneider, Philippe Rossier, Zamir Loshi

Wildhaber trat 2021 als Vertreter von Swiss Textiles in den Vorstand des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) ein. In dieser Phase lernte er Valentin Vogt, bis Sommer 2023 über zwölf Jahre Präsident des SAV, auf oberster Verbandsebene kennen und sammelte Erfahrung in den Verhandlungen der Sozialpartner. Genau wie Wildhaber zählt Caroline Forster zu den prägenden Köpfen der Schweizer Textilbranche. Beide sind wichtige Player im Branchenverband Swiss Textiles.

Die Familie

Silvan Wildhaber entstammt mütterlicherseits der St. Galler Textildynastie Anderegg. Seine Mutter Gabrielle Wildhaber, geborene Anderegg, und seine Schwester Michelle Wildhaber vertreten die Inhaberfamilie im Verwaltungsrat der Dachgesellschaft Emil Anderegg AG. Jahrzehntelang prägte Peter Gerald Anderegg als Verwaltungsratspräsident das 1919 gegründete Traditionsunternehmen, ehe er das Präsidium 2022 an Wildhaber übergab. Wildhaber ist mit Helene Hora verheiratet, die in Zürich als Schulleiterin amtet. Das Ehepaar lebt mit den zwei Söhnen im Kreis 6.

Ehefrau: Helene Hora.
Foto: PD

Die Gegenspieler

In der Europa-Politik und am Verhandlungstisch mit den Sozialpartnern stehen Wildhaber erfahrene Schwergewichte gegenüber. Über die Bilateralen III stritt er mit der SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, und er bezog Stellung gegen deren Bezeichnung des Vertragswerks als «Unterwerfungsvertrag».

Gegenspieler (v. l.): Pierre-Yves Maillard, Magdalena Martullo-Blocher, Giorgio Behr.
Foto: Keystone

Er debattierte in dieser Frage auch mit dem Unternehmer Giorgio Behr und «Nebelspalter»-Verleger Markus Somm. Gegen SVP-Chef Marcel Dettling und dessen 10-Millionen-Initiative vertrat er vehement die Interessen der Exportwirtschaft. Bei Lohnschutz und Arbeitszeit bleibt SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard als Gegenspieler gebucht.

Die Karriere

Silvan Wildhaber studierte an der Universität St. Gallen (HSG) Betriebswirtschaft und absolvierte ein Auslandssemester an der Universität Göteborg. Seine damaligen Kommilitonen, der Unternehmer und Politiker Simon Michel und der CEO der Swiss American Chamber of Commerce, Rahul Sahgal, zählen zu seinem Inner Circle.

Bis heute pflegt er den Kontakt zu vielen HSG-Alumni und Kollegen aus der Studentenverbindung Altzofingia, darunter der Kulturmanager Thomas D. Meier, der EY-Partner Michael Cadisch, die Unternehmerin Jessica Farda sowie Stephan Zwahlen, CEO der Zürcher Privatbank Maerki Baumann. Die Professoren, die ihn besonders förderten, waren Rolf Dubs und Peter Gomez. An der Offiziersschule, als Wildhaber den Grad des Oberleutnants erlangte, war Armeechef Benedikt Roos sein Klassenlehrer.

Karriere-Begleiter (v. l.): Simon Michel, Rahul Sahgal, Benedikt Roos, Stephan Zwahlen.
Foto: Keystone, Laurent Gillieron, Valeriano di Domenico

Wildhaber begann seine Karriere bei der Credit Suisse. Dort traf er den heutigen CEO der Bellevue Group, Veit de Maddalena, mit dem er immer noch den Austausch pflegt. Schon wenige Jahre später stieg er als Mitglied der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats in das Familien-KMU Filtex ein, seit 2012 ist er dort CEO. 2022 startete Wildhaber seine politische Karriere als Gemeinderat im Zürcher Kreis 6.

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