Mega-Rabatte bei Ausverkauf
Zürcher Orchideen-König am Ende – doch es gibt eine Rettung

Die Meyer Orchideen AG in Wangen-Brüttisellen ZH hat die Produktion eingestellt. Der Onkel von Inhaber Hanspeter Meyer führt den Familienbetrieb als Zukunftsgärtnerei weiter. Aktuell läuft der Abverkauf der letzten Pflanzen – zu Rabattpreisen.
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Die Meyer Orchideen AG hat die Produktion der edlen Pflanzen eingestellt.
Foto: Jean-Claude Raemy

Darum gehts

  • Schweizer Orchideenproduktion Meyer AG schliesst, startet ab sofort Zukunftsgärtnerei
  • Rabatte bis 90 Prozent, Orchideen ab 2.50 Franken erhältlich
  • Familienbetrieb bleibt klimaneutral, Grundstück umfasst 25’000 Quadratmeter
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Michael HotzRedaktor Wirtschaft

Das Lebenswerk von Hanspeter Meyer (59) kommt zu einem Ende: Die grösste Orchideenproduktion der Schweiz mit Sitz in Wangen-Brüttisellen ZH stellt ihren Betrieb ein. Deshalb verkauft die Meyer Orchideen AG ihre edlen Pflanzen nun zum Billigpreis. Alles muss weg. Beim Ausverkauf kostet der übriggebliebene Lagerbestand noch maximal den halben Preis. Es gibt auch Rabatte von 60 bis 90 Prozent. Orchideen sind ab 2.50 Franken zu haben. Die meisten Pflanzen sind günstiger als 10 Franken. «Wir wollen möglichst vielen unserer Kundinnen und Kunden noch eine Freude bereiten», sagt Meyer zu Blick.

Das Aus gab der Schweizer Orchideen-König bereits im Sommer 2025 bekannt. Der Grund: die ausländische Konkurrenz mit ihren Tiefpreisen. «Niederländische Händler produzieren Orchideen zu Preisen, bei denen wir nicht mithalten wollen», sagte Meyer damals zu Blick. Orchideen für 5 Franken seien «viel zu billig», schon bei herkömmlichen Orchideen überstiegen allein seine Produktionskosten die 10-Franken-Marke, bei manchen mehrjährigen Sorten lägen sie noch viel höher. Dazu profitierten die niederländischen Massenproduzenten von Subventionen, während sein Unternehmen keinerlei Fördergelder erhalte. «Ich kann und will das finanzielle Risiko nicht mehr tragen.»

Orchideenproduktion wird zu Zukunftsgärtnerei

Damit endet die gut 60-jährige Geschichte des Familienbetriebs als Orchideenproduzent. In Gewächshäusern mit einer Fläche von 14’000 Quadratmetern bot Meyer seit 2002 in zweiter Generation Hunderte Orchideensorten an, dazu Grünpflanzen und Zubehör.

Meyer legte über die Jahre grossen Wert auf Nachhaltigkeit und Innovation: Seit 2011 ist das Unternehmen klimaneutral, deckt seinen Wasserbedarf mit Regenwasser, den Strombedarf mit einer Photovoltaikanlage und heizt mit Holzschnitzeln und einer Grundwasser-Wärmepumpe. 1962 hatte sein Vater auf dem Hof des Grossvaters mit der Zucht und dem Verkauf von Zierpflanzen begonnen. 

Und doch geht es mit der Meyer Orchideen AG weiter. Über zwei Jahre hat Meyer einen Käufer für sein Unternehmen gesucht. Und ist nun fündig geworden. Sein Onkel Andreas Meyer (88) hat die Gärtnerei per 1. Januar 2026 übernommen. Auch Neffe Hanspeter Meyer, dessen Frau Sabine und Vater Peter bleiben an Bord. Zusammen wandeln die Meyers den Familienbetrieb nun zum sogenannten Futura-Park um.

Es soll eine Zukunftsgärtnerei werden, die innovative, grüne Ideen rund um Pflanzen fördert. «Wir wollen mit Forschungsanstalten wie der ETH und Start-ups zusammenarbeiten. Diese können für eigene Projekte zu Pflanzen und Nachhaltigkeit Flächen bei uns mieten», erklärt Hanspeter Meyer. Dafür gibt es genügend Platz: Das gesamte Grundstück mit 15 Gewächshäusern, Lager, Wasserspeicher und mehr erstreckt sich über 25’000 Quadratmeter. 

Vier Mitarbeitende können bleiben

Zudem ist eine Art Auffangstation für Pflanzen geplant. «Pflanzen sind oft ein Wegwerfprodukt», so Meyer. Das soll sich im Futura-Park nun ändern. Anstatt dass Menschen ihre Pflanzen entsorgen, können sie diese bei den Meyers vorbeibringen. So schenken sie den Pflanzen ein weiteres Leben. 

Der Familienbetrieb kann vier der früher 18 Mitarbeitenden weiterbeschäftigen. Die anderen früheren Angestellten haben laut Hanspeter Meyer mittlerweile einen Job gefunden. Für ihn selbst ist die Übernahme des Unternehmens durch seinen Onkel ein Glücksfall. Und für diesen ein weiteres Abenteuer – im gesetzten Alter von 88. «Er ist ein Kämpfer für Menschenrechte und Nachhaltigkeit und dazu mit Herz und Seele Unternehmer», so der Orchideen-König.

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