Darum gehts
- Galaxus und Digitec löschen 380'000 Bewertungen wegen verschärfter Richtlinien
- Nur verifizierte Käufer dürfen künftig Produkte bewerten, Manipulation wird verhindert
- Vier Prozent aller Rezensionen betroffen, darunter viele zu Nischenprodukten
Wer auf den Plattformen von Galaxus und Digitec nach Produkten sucht, wird künftig weniger Bewertungen sehen. Der Onlinehändler aus dem Migros-Universum verschärft seine Regeln – und löscht rund 380'000 bestehende Rezensionen, wie es in einer Mitteilung heisst. Neu dürfen nur noch Kundinnen und Kunden Produkte bewerten, die diese tatsächlich über Galaxus oder Digitec gekauft und erhalten haben.
Auslöser für den Schritt war unter anderem ein Fall rund um das Schweizer Einbruchschutzsystem Kevin.3. Recherchen der Galaxus-Redaktion hatten ergeben, dass mehrere Top-Bewertungen und Kommentare von Mitarbeitenden des Herstellers Mitipi oder Personen aus dessen Umfeld stammten. Während verifizierte Käufer das Gerät im Durchschnitt mit drei Sternen bewerteten, vergaben sämtliche Nutzer ohne nachgewiesenen Kauf die Höchstnote von fünf Sternen.
Besonders Nischen-Produkte betroffen
Bislang konnten auf Galaxus und Digitec alle registrierten Nutzer Bewertungen abgeben. Zwar wurde angezeigt, ob jemand das Produkt tatsächlich gekauft hatte. Für die Gesamtbewertung spielte das jedoch keine Rolle. Auch Rezensionen ohne Kaufnachweis flossen in die Sternebewertung ein. «Besonders bei Nischenprodukten und solchen, die frisch auf den Markt kamen, hatte das potenziell einen grossen Einfluss auf den Kaufentscheid sowie aufs Vertrauen ins Rating», sagt Thimo Schuster, der bei Galaxus für die Änderung verantwortlich ist.
Laut dem Unternehmen nutzten einzelne Hersteller die offene Praxis aus, um ihre Produkte besser erscheinen zu lassen. In anderen Fällen seien Produkte von Konkurrenten mutmasslich schlecht bewertet worden. Solche Aktivitäten verstiessen zwar bereits bisher gegen die Community-Regeln, seien aber oft schwer nachzuweisen gewesen. Mit der Umstellung entfernt Galaxus nun sämtliche bisherigen Bewertungen ohne Kaufnachweis. Betroffen sind laut Angaben der Migros-Tochter knapp vier Prozent aller Rezensionen auf den beiden Plattformen.
«Der Informationsverlust ist minimal»
Der Onlinehändler nennt noch einen weiteren Grund für die Änderung. Immer wieder würden Kunden ihren Ärger über Lieferprobleme oder verspätete Vorbestellungen in den Produktbewertungen ausdrücken. Die Bewertungen spiegelten dann nicht die Qualität des Produkts wider, sondern den Frust über die Abwicklung.
Die Löschung von Hunderttausenden Bewertungen dürfte für Diskussionen sorgen. Schliesslich verlieren auch Nutzer ihre Stimme, die ein Produkt geschenkt erhalten oder bei einem anderen Händler gekauft haben. Galaxus hält den Schritt dennoch für notwendig. «Der Informationsverlust ist minimal, der Schutz vor Manipulation erheblich», sagt Schuster.