Darum gehts
- Fest installierte Klimaanlagen brauchen in der Schweiz eine Baubewilligung
- Privathaushalte bekommen meist keine Bewilligung
- Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach kann die Chancen erhöhen
Temperaturen von fast 40 Grad und in der Nacht kühlt es kaum mehr ab: In den meisten Privathausalten dürfte seit der Hitzewelle im Juni schon einmal jemand darüber nachgedacht haben, zu Hause eine Klimaanlage zu installieren. Doch ganz so einfach ist das nicht.
Zumindest, wenn man auf ein fest installiertes Gerät setzt. Das bedeutet: Ein Teil der Anlage wird aussen an der Hauswand angebracht. Dafür braucht es in der Schweiz eine Baubewilligung. Nicht nur, weil sie an der Fassade angebracht wird, auch wegen der Lärmemission.
Die Behandlungsfrist ist je nach Kanton unterschiedlich. Im Kanton Zürich beträgt sie zwei Monate, kann aber auch länger ausfallen. Die Kosten für die Baubewilligung werden von den Gemeinden festgelegt. Sie können mehrere Hundert Franken betragen.
So klappts mit der Bewilligung
«Für Privathaushalte stehen die Chancen, eine Bewilligung zu erhalten, in der Regel schlecht», sagt Fachexperte Stefan Mennel (49). Er doziert an der Hochschule Luzern zu thermischen Netzen und Energieeffizienz in Gebäuden. «Die Kantone hatten da bisher sehr strikte Vorschriften», sagt Mennel weiter. Allerdings hätten sich die Richtlinien mit den steigenden Temperaturen etwas gelockert.
Neu bewilligen einige Kantone eine Klimaanlage auch für Privathaushalte – unter gewissen Bedingungen: Das Eigenheim muss den Energiebedarf via Photovoltaikanlage selber decken oder erneuerbar zukaufen. «Wenn der Strom für das Klimagerät von der eigenen PV-Anlage kommt, werden die Kantone in Zukunft grosszügiger bewilligen», sagt Mennel.
Das Problem: Klimageräte sind Stromfresser. Während einer Hitzewelle wie Ende Juni braucht ein Klimagerät für die Kühlung eines Raums mit Sonneneinstrahlung während zehn Tagen ungefähr so viel Strom wie ein Kühlschrank in einem Jahr. Nicht nur der Strom ist teuer: Das Gerät selbst kostet inklusive Installation zwischen 5000 und 12'000 Franken.
Der mobile Stromfresser
Wer kein fixes Gerät installieren darf, kann auf eine mobile Variante ausweichen. Dafür bedarf es keiner Bewilligung. Und keiner Installation durch einen Experten. Im Vergleich zur fixen Anlage kostet ein solches Gerät weniger: Die Preise variieren je nach Modell zwischen 500 und 1500 Franken. Allerdings kommt man damit nicht unbedingt günstiger. «Mobile Geräte sind weniger effizient und dadurch auch schlechter für die Umwelt», sagt Mennel. Der Stromverbrauch ist höher.
Bei mobilen Anlagen muss ein Schlauch durch ein Fenster nach draussen geführt werden. Das heisst: Durch das offene Fenster wird die warme Luft nicht nur abgeführt, sie kommt auch laufend wieder zurück.
Laut dem Experten gibt es zwei Tricks, um Räume während Hitzetagen ohne Klimaanlage so kühl wie möglich zu halten. «Nachtauskühlung und Verschattung!» Soll heissen: Tagsüber die Storen herunterfahren, um Sonneneinstrahlung zu verhindern. Und nachts alle Fenster öffnen, damit die kühle Luft zirkulieren kann.