Der nervige PET-Deckel ist nicht der Grund
Junge trinken lieber aus der Dose – Trendforscherin erklärt, warum

Die Getränkedose ist wieder in aller Munde. Der grosse Hype unter den Jungen lässt jüngst auch Rivella zur Aludose zurückkehren. Doch was sind die Gründe für das Comeback, und wie sieht es mit der Ökobilanz aus?
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Bei der Generation Z ist die Aludose wieder angesagt.
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Rivella jetzt in Dosen: Generation Z liebt das Trendgebinde
  • Aludosen belasten Umwelt bei Süssgetränken 2,5-mal mehr als PET-Flaschen laut Studie
  • Preisaufschlag: Rivella kostet in Dose 25 Prozent mehr als in der Flasche

Die Generation Z greift zur Dose, und wie! So verdrängt ein bunter Mix aus Alubüchsen immer mehr PET-Flaschen aus den Supermarktregalen. Ihr Inhalt: Energy Drinks, Mate, Icetea – und sogar San-Pellegrino-Mineralwasser. Als jüngstes Beispiel reiht sich nun auch Dosen-Rivella im Kühlregal ein. «Die Dose ist bei den Jungen im Trend und soll unsere Marke verjüngen», heisst es beim Getränkehersteller aus Rothrist AG auf Anfrage. Die 0,3-Liter-Dose sei praktisch und passe so perfekt zu den Bedürfnissen der Jungen.

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Aber was ist der Grund für die grosse Beliebtheit? Liegt es etwa an den nervigen, festhängenden Deckeln, die die EU für PET-Flaschen vorschreibt?

Offenbar nicht. «Hersteller profitieren von einer grösseren Brandingfläche bei der Verpackung, während das Getränk an sich kaum sichtbar ist und somit auch nicht sonderlich attraktiv aussehen muss», erklärt Christine Schäfer (36), Trendforscherin am Gottfried Duttweiler Institut. Daneben sieht sie auch emotionale Argumente: Die spürbarere Kälte und das Zischen beim Öffnen der Dosen komme bei den Kunden als «multisensorisches Erlebnis» an. Zuletzt seien die Dosen gemäss Schäfer aufgrund ihrer kleineren Portionengrösse auch für den schnellen Konsum unterwegs geeignet.

Getränkehersteller mit höherer Marge

Die kleinere Grösse macht die Dose für die Getränkeindustrie auch finanziell attraktiv. Der Preis pro Liter liegt bei der Dose meist höher als bei der PET-Flasche. Das zeigt auch das Beispiel Rivella: Wer im Kühlregal zur Dose statt zur Flasche greift, zahlt umgerechnet einen Aufpreis von fast 25 Prozent für das Erfrischungsgetränk. Beim Mineralwasser von San Pellegrino ist der Dosenaufschlag besonders gross. Die gleiche Menge Wasser ist um 43 Prozent teurer als aus der PET-Flasche.

Aus ökologischer Sicht ist der Trend keine gute Nachricht. Laut einer Studie der Firma Carbotech, die das Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegeben hat, schneidet die Aludose bei Mineralwasser und Süssgetränken ökologisch deutlich schlechter ab als die PET-Flasche. Pro Liter hat sie gemäss der Studie eine 2,5-Mal so hohe Umweltbelastung. Das liegt vor allem daran, dass Energy Drinks, Mate und Co. häufig in kleinen Grössen von 0,25 bis 0,33 Litern verkauft werden. Das erhöht den Verpackungsanteil und macht die Klimabilanz pro Getränk schlechter.

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Produktion im Ausland

Hinzu kommt, dass viele Getränkehersteller ihre Dosen im Ausland produzieren und befüllen und dann das fertige Getränk in die Schweiz importieren. Das liegt vor allem daran, dass wegen der geringen Marge in sehr grosser Stückzahl produziert werden muss, damit sich die heimische Herstellung finanziell lohnt. Auch Rivella setzt deshalb auf einen Produzenten aus Deutschland, während Coca Cola die Dosen unter anderem in Italien abfüllt.

Die Dose zu verteufeln, wäre jedoch falsch. Das betont Viviane Pfister (35), Co-Geschäftsleiterin des Vereins Swiss Recycle. Die Frage nach der besten Ökobilanz könne man nicht pauschal beantworten. Wie gut das Material im Ökotest abschneide, hänge von Faktoren wie Füllmenge, Art des Getränks oder Transport ab. Und sowieso: Ob PET-Flasche oder Aludose, «entscheidend ist vielmehr der Inhalt», so Pfister. Dieser mache durchschnittlich 87 Prozent der Ökobilanz aus. Auf die Verpackung fallen hingegen nur 13 Prozent.

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