Darum gehts
Viele Reiselustige sind momentan verunsichert. Der Krieg im Iran und die angespannte Lage in der Golfregion bringen den internationalen Reiseverkehr durcheinander.
Besonders betroffen ist die Golfregion als globales Drehkreuz. Flughäfen in Doha, Dubai oder Abu Dhabi sind zentrale Umsteigepunkte für Verbindungen zwischen Europa und Asien, Afrika oder Ozeanien. Fallen diese Routen teilweise aus, hat das weltweite Folgen.
Zwar bieten Airlines wie Etihad oder Emirates weiterhin Flüge in die Region an – die Europäische Luftfahrtbehörde rät jedoch davon ab, den Luftraum der Golfstaaten anzufliegen.
Schweizer Reiseanbieter wie Tui Suisse, Globetrotter und die Dertour-Gruppe, zu der unter anderen Kuoni oder Hotelplan gehören, berichten übereinstimmend von einem deutlich erhöhten Informationsbedarf. «Mehr Kundinnen und Kunden achten verstärkt auf Beratung und Sicherheit», heisst es etwa bei Tui.
Umbuchungen und Engpässe
Reisen in Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar oder Oman sind bei Tui derzeit bis Mitte April abgesagt. Betroffene können ihre Reise kostenlos umbuchen oder stornieren. Auch Dertour hat Anreisen in die Region bis Mitte April vorübergehend gestoppt.
Für die Branche bedeutet das vor allem eines: viel Zusatzaufwand. Entweder verschieben Reisende ihre Ferien, oder die Reisebüros müssen für betroffene Kundinnen und Kunden alternative Verbindungen suchen. «Es wird zunehmend schwierig, für bestehende Buchungen Alternativen zu vernünftigen Preisen zu finden», heisst es vonseiten Globetrotters.
Preise ziehen an
Die Folgen des Kriegs spüren Reisende direkt im Portemonnaie. Preise für besonders beliebte Destinationen und Reisezeiten wie die Sommerferien sind bereits jetzt entsprechend hoch.
Denn mit dem Wegfall wichtiger Umsteigeverbindungen entstehen Engpässe. Besonders auf der Langstrecke nach Asien oder zu Destinationen im Indischen Ozean sind Flüge knapp und teuer. Globetrotter erwartet zudem «höhere Flugticketpreise weltweit aufgrund gestiegener Kerosinpreise».
Gewinner im Westen
Während der Nahe Osten gemieden wird, boomen andere Destinationen. Besonders gefragt sind derzeit Ziele im westlichen Mittelmeerraum wie Spanien, Italien oder Frankreich sowie die Kanaren und Balearen.
Auf der Langstrecke weichen viele Reisende in die Karibik aus, etwa in die Dominikanische Republik oder nach Mexiko. Dertour beobachtet eine «klare Verschiebung in Richtung Westen».
Ein zusätzlicher Trend seien laut Dertour und Globetrotter sogenannte «Coolcations», also Reiseziele im Norden Europas. Auch das südliche Afrika verzeichne steigendes Interesse.
Branche unter Druck
Der Schweizer Reiseverband spricht von spürbaren Auswirkungen auf die Branche: Wegen annullierter Buchungen würden Umsätze und Einnahmen wegbrechen, während zusätzliche Arbeit anfällt. «Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht zu unterschätzen», so der Verband. Zwar sei die Branche grundsätzlich gut vorbereitet, dennoch sei die Situation herausfordernd.
Auch die Schweizer Tourismusbranche ist von den Folgen des Kriegs betroffen. Genaue Zahlen gibt es nicht, laut Schweiz Tourismus kommt es aber vereinzelt zu Stornierungen, insbesondere aus Asien und der Golfregion. Dabei würde genau jetzt im Frühling eine wichtige Reisesaison für Reisen nach Europa und in die Schweiz beginnen.
Grund sind die eingeschränkten Flugverbindungen, aber auch «generelle Gefühle der Unsicherheit», sowohl in Asien als auch in den USA. Schweiz Tourismus rechnet daher damit, dass viele Neubuchungen ausbleiben werden.
Gleichzeitig spielt der Schweiz ihr Image in die Karten: «Die Schweiz punktet weltweit als sicheres und vertrauenswürdiges Reiseland.»
Unsichere Aussichten
Wie stark die Branche betroffen sein wird, hängt vor allem von der Dauer des Konflikts ab.
Zieht sich die Krise hin, droht laut Schweiz Tourismus eine Sommersaison mit kurzfristigen Buchungen, wenig Planungssicherheit und möglichen Besucherrückgängen.