Kommentar zum Prozess gegen Pierin Vincenz
Warum ein Freispruch ein fatales Signal wäre

Bleibt das Verhalten von Pierin Vincenz und Beat Stocker strafrechtlich folgenlos, wäre das ein fatales Signal, meint Blick-Redaktor Beat Schmid.
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Pierin Vincenz trifft auf Journalisten vor dem Zürcher Obergericht.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Pierin Vincenz und Beat Stocker stehen wegen Interessenkonflikten vor Gericht
  • Verteidigung behauptet keine finanziellen Schäden für Aduno durch Firmentransaktionen
  • Aduno gehört Kantonalbanken, Raiffeisen, Migros Bank und weiteren Regionalbanken
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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Um ihre Beteiligungen zu verschleiern, nutzten sie eine Investmentfirma und setzten einen Anwalt als einziges Organ ein. Warum agierten sie verdeckt? Weil Pierin Vincenz bei Aduno Verwaltungsratspräsident und Beat Stocker operativer Chef war – und sie daher in einem klassischen Interessenkonflikt standen.

Um dieses Setup dreht sich letztlich alles im Prozess. Die Verteidigung behauptet, die Firmentransaktionen hätten Aduno finanziell nicht geschädigt, weil die Bezahlfirma für die Unternehmen keinen überrissenen Preis bezahlt habe. Vincenz hätte lediglich «aus Gründen der Good Corporate Governance seine Beteiligung an der Firma Commtrain gegenüber dem Verwaltungsrat von Aduno offenlegen sollen», sagte Anwalt Lorenz Erni in seinem Plädoyer.

Mit diesen Worten versucht der bekannte Strafverteidiger, die Verantwortung seines Mandanten kleinzureden. Um zu verstehen, worum es hier geht: Aduno ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das Kantonalbanken, Raiffeisen, Migros Bank sowie weiteren Regionalbanken gehört. Die Kantonalbanken wiederum sind mehrheitlich oder vollständig im Besitz der öffentlichen Hand, Raiffeisen und die Migros Bank gehören Hunderttausenden Genossenschaftern.

Vincenz und Stocker stellten als oberste Verantwortliche von Aduno ihre persönlichen finanziellen Interessen über diejenigen ihrer Eigner. Das ist nicht einfach ein Verstoss gegen die Regeln guter Unternehmensführung. Es ist ein Vertrauensbruch. Wenn ein solches Verhalten strafrechtlich folgenlos bleibt, wäre das ein fatales Signal. Nicht nur für Aduno und seine Eigentümer, sondern für die Schweizer Wirtschaft insgesamt.

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