Darum gehts
- Air-Glaciers wirft der Rega «Druckversuche» und Drohungen eines Geschäftsleitungsmitglieds vor
- Die Walliser Luftretter sprechen von «ernsthaften rechtlichen, gegebenenfalls auch strafrechtlichen Fragen»
- Die Rega weist die Anschuldigungen als «haltlos» zurück und nimmt inhaltlich nicht dazu Stellung
Die Rega und ihre Konkurrenz im Wallis – das ist ein heikles Thema. Zwischen der Schweizerischen Rettungsflugwacht und den beiden Unternehmen Air Zermatt und Air-Glaciers sind die Fronten seit Jahren verhärtet. Es geht beim Knatsch um Aufträge für Rettungseinsätze – und damit um viel Geld.
Jetzt erreicht der Knatsch der Luftretter eine neue Eskalationsstufe: Air-Glaciers erhebt schwere Vorwürfe gegen den grossen Konkurrenten, wie der «Walliser Bote» berichtet. Demnach soll die Rega damit gedroht haben, dem Walliser Unternehmen künftig Einsätze zu entziehen. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein Schreiben von Air-Glaciers-Verwaltungsratspräsident Philipp Perren und CEO Bernard Vogel an den Rega-Stiftungsrat.
«Druckversuche» müssen aufhören
Die konkreten Vorwürfe: Die Rega soll von Air-Glaciers verlangt haben, sich im Kanton Luzern künftig über die private Rega-Einsatzzentrale (1414) statt über die kantonale Notrufzentrale 144 aufbieten zu lassen. Andernfalls werde die Rega dafür sorgen, dass Air-Glaciers keine Einsätze mehr erhalte. Zudem soll die Rega mit der Stationierung zusätzlicher Helikopter in den betroffenen Regionen gedroht haben. Ob die Aussagen tatsächlich so gefallen sind, lässt sich nicht unabhängig überprüfen.
Für Perren und Vogel wirft das «ernsthafte rechtliche, gegebenenfalls auch strafrechtliche Fragen» auf, zitiert der «Walliser Bote» aus dem Schreiben. Für eine Organisation wie die Rega, die sich selbst als gemeinnützig verstehe, sei ein solches Vorgehen «höchst bedenklich». Sie fordern den Stiftungsrat im Schreiben dazu auf, den «Druckversuchen» Einhalt zu gebieten.
«Jede Minute kann entscheidend sein»
Will Air-Glaciers nun rechtlich gegen die Rega vorgehen? Dazu will sich das Unternehmen auf Anfrage von Blick nicht äussern. Aber: «Derzeit liegt unser Fokus darauf, die angesprochenen Fragen mit den zuständigen Stellen zu klären und sicherzustellen, dass die Patientinnen und Patienten auch künftig möglichst rasch das geeignete Rettungsmittel erhalten», teilt ein Sprecher mit. Setze die Rega ihre Drohungen um, bestehe das Risiko, dass bei Notfällen nicht mehr der nächstgelegene Rettungsheli zum Einsatz komme. «Dadurch können längere Anflugzeiten entstehen. Im Rettungswesen kann jede Minute entscheidend sein», betont der Sprecher von Air-Glaciers. Und weiter: «Entscheidend ist, dass die Disposition der Rettungsmittel neutral erfolgt.»
Und was sagt die Rega zu den Vorwürfen? Auf Anfrage von Blick spricht die Organisation von «haltlosen Vorwürfen». Zu diesen nehme man keine Stellung. «Das Aufgebot von Luftrettungsmitteln durch die Rega erfolgt konsequent im Interesse der jeweiligen Patientinnen und Patienten sowie unter Berücksichtigung des Gesamtdispositivs», betont ein Sprecher.
Streit hält seit Jahren an
Der aktuelle Schlagabtausch ist nur das jüngste Resultat eines Konflikts, der seit Jahren schwelt. Seinen Ursprung hat der Knatsch in einem Entscheid von Ende 2022: Damals erhielten Air Zermatt und Air-Glaciers, die seit sechs Jahren eng zusammenarbeiten, den Zuschlag für das kantonale Luftrettungsmandat – die ebenfalls angetretene Rega ging leer aus. Das wollte die Rega nicht akzeptieren und legte Beschwerde beim Walliser Staatsrat ein. Seit Mai 2025 liegt das Geschäft beim Kantonsgericht.
Seither sorgt vor allem die Frage für Zündstoff, wer wann welchen Rettungshelikopter aufbietet. Die Rega betreibt zwar seit Ende 2022 eine eigene Helikopter-Basis in Sitten VS, darf von dort offiziell aber nur Einsätze ausserhalb des Wallis anfliegen. Es sei denn, die zuständige kantonale Rettungsorganisation bietet die Rega explizit auf. Erst letzten Frühling kamen sich die Luftrettungsorganisationen deshalb wieder in die Quere: Eine verletzte Genferin musste nach einem Skiunfall in Verbier VS über eine Stunde auf einen Walliser Helikopter warten, obwohl laut Rega ein eigener Heli nur fünf Flugminuten entfernt verfügbar gewesen wäre.