Anke W. wartet nach Skiunfall eine Stunde auf Hilfe – Rega-Chef kritisiert Walliser Luftrettung
«Unser Heli hätte die Patientin innert fünf Flugminuten erreichen können»

Ein Skiunfall in Verbier VS wird für Anke W. (66) zum Albtraum: Über eine Stunde im Schnee, trotz verfügbarer Rega-Crew. Der Fall entfacht den Streit um die Luftrettung im Wallis neu.
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Anfang März 2026: Anke W. stürzte in Verbier. Bis der Helikopter kam, dauert es über eine Stunde.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Skifahrerin Anke W. (66) wartete über eine Stunde auf Rettung in Verbier
  • Rega-Helikopter hätte Unfallstelle in fünf Minuten erreichen können, blieb ungenutzt
  • Schon länger besteht im Wallis ein Streit rund um die Luftrettung
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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

Zwei Stunden nach dem Unfall auf der Skipiste landete Anke W.* (66) im Spital in Sitten VS. Dass sie über eine Stunde im Schnee auf den Rettungshelikopter warten musste, beschrieb sie im Blick als den «schlimmsten Albtraum»

«Die Walliser zeigten sich von der schlechtesten Seite», sagt die Genferin über die langwierige Rettung und unerfreuliche Spitalbehandlung. Blick-Recherchen zeigen: Anke W. hätte nicht so lange warten müssen. Ein Rega-Helikopter hätte in fünf Minuten bei ihr sein können. 

Von vorne: Am 3. März 2026 stürzte Anke W. in Verbier VS beim Skifahren. Sie brach sich das Becken, konnte nicht mehr ins Tal fahren. Ihr Mann Rainer W. (60) alarmierte um 13.12 Uhr zuerst die Einsatzzentrale der Rega. Weil diese im Wallis der Kantonalen Rettungsorganisation (KWRO) untergeordnet ist, leite sie den Alarm weiter. 

Die Walliser übernahmen den Einsatz, boten Pistenretter auf. An der Unfallstelle forderte dieser den Helikopter an. Aufgrund einer Reanimation musste dieser jedoch umdisponiert werden. Ein zweiter Helikopter landete über eine Stunde nach dem Alarm bei Anke W.

Rega-Crew wäre bereit gewesen

Nun zeigt sich: Ein Rega-Helikopter war damals in der Luft, stand aber nicht im Einsatz. Rega-Helikopter-Chef Philipp Simmen erklärt: «Die Rega-Crew hätte zum Alarmzeitpunkt, ohne zu landen, direkt weiter zum Einsatzort fliegen und die Patientin innert 5 Flugminuten erreichen können.» 

Das hätte auch die Walliser KWRO wissen müssen, sagt Simmen. «Im Einsatzleitsystem war dieser Rettungshelikopter auch für andere Einsatzorganisationen als ‹grün› sichtbar und damit einsatzbereit», so der Leiter Helikopter-Einsatz. 

Die KWRO entschied sich nicht für den Helikopter und bot den Pistenretter auf. «Aufgrund des geschilderten Krankheitsbildes wird ein solcher Einsatz als nicht dringlich eingestuft», sagt KWRO-Direktor Fredy-Michel Roten. Er bestätigt, dass die Rettungsorganisation den Status der Rega-Helikopter sieht. Die Walliser schlossen aufgrund der Verletzung jedoch ein sofortiges Helikopter-Aufgebot aus.

Streit ist vor Gericht noch hängig

Mit diesem Unfall und dem Vorgehen der Walliser Rettungsorganisation sieht sich die Rega in ihrem Vorgehen bestätigt: Seit Jahren kämpft die Rettungsflugwacht um ein Stück des Rettungskuchens im Wallis. Ihre Forderung: Sie will die Schweizer Luftrettung zentral koordinieren.

Denn obwohl die Rega seit 2022 eine Helikopter-Basis in Sitten betreibt, darf sie von dort offiziell nur Einsätze ausserhalb des Wallis anfliegen. Es sei denn, die KWRO bietet die Rega auf, was sie 3 bis 4 Mal pro Woche tut. 

Das kantonale Gesetz über die Organisation des Rettungswesens besagt, dass auf Walliser Kantonsgebiet nur die lokale Notrufzentrale Einsätze koordinieren darf. Damit soll die Vergabe der Einsätze im Kanton bleiben.

Ende 2022 vergab die KWRO die Aufgabe der Luftrettung an zwei lokal ansässige Helikopterunternehmen – Air Zermatt und Air-Glaciers. Die Rega akzeptierte den Entscheid nicht und reichte Beschwerde ein. Die Walliser Regierung wies sie ab, worauf die Rega ihren Unmut ans Bundesgericht weiterzog. Dort ist der Entscheid noch hängig. 

Im Fall von Anke W.s Beckenbruch hätte sich die Rega von Beginn anders als die KWRO entschieden und einen Helikopter aufgeboten. «Eine Beckenverletzung ist potenziell lebensbedrohlich, weil sie zu massiven inneren Blutungen führen kann», sagt Philipp Simmen. Er kritisiert das Walliser Rettungsdispositiv wegen «kommerzieller Interessen», bei denen es nicht um den Patienten gehe.

* Name bekannt 

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