ABB teurer als UBS
KI-Euphorie lässt Industrie-Aktien explodieren

Der KI-Boom treibt den Börsenwert mancher Schweizer Unternehmen in schwindelerregende Höhen: ABB, VAT oder Huber+Suhner profitieren von einem nie da gewesenen Investitionsschub für Rechenzentren.
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Die ABB-Aktie ist dank des KI-Booms im Höhenflug.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Der Börsenwert des Schweizer Techkonzerns Huber+Suhner ist in diesem Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen, nachdem sich die Kurse 2025 verdoppelt hatten. Der Industrieriese ABB legte um 33 Prozent zu. Und der Halbleiter-Ausrüster VAT Group gewann über 40 Prozent. Auch bei anderen Technologieaktien wie Inficon oder Accelleron zeigt die Kurve steil nach oben.

«Die Anleger reissen sich die Aktien aus den Händen», sagt ein erfahrener Trader. Ihn erinnert die Hausse an die Dotcom-Blase zu Beginn des Jahrtausends. Wie spektakulär manche dieser Kursgewinne sind, zeigte sich diese Woche, als die euphorische Einschätzung eines UBS-Analysten die Titel von Huber+Suhner um 18 Prozent in die Höhe schiessen liess.

Treiber dieser Entwicklung sind enorme Summen, die in die künstliche Intelligenz gebuttert werden – in Europa, China und den USA. Allein die grossen US-Techkonzerne haben angekündigt, rund 725 Milliarden Dollar in ihre KI-Strategien zu investieren. Das entspricht etwa dem 50-fachen Volumen des Neat-Projekts. Solche Investitionsprogramme hat die Welt seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

Vergleich mit dem Eisenbahnzeitalter

Der Vergleich mit dem Schienenverkehr ist gar nicht so abwegig. Bereits zu Beginn des Eisenbahnzeitalters wurden gigantische Mittel in eine Infrastruktur gesteckt, die damals die ganze Welt umwälzte. Das Verblüffende daran: Auch heute profitieren wieder Firmen von dem Boom, die schon vor über 100 Jahren am Aufbau der Bahninfrastruktur beteiligt waren.

Huber+Suhner entstand vor 56 Jahren durch den Zusammenschluss der gleichnamigen Unternehmen, doch deren Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Ihre Produkte spielten eine wichtige Rolle bei der Elektrifizierung des Schweizer Eisenbahnnetzes. Das Gleiche gilt für ABB, beziehungsweise die Vorgängerfirma Brown, Boveri & Cie., die entscheidend zur Elektrifizierung der Schweiz beitrug.

Heute rüstet ABB Rechenzentren mit verschiedenen Produkten aus, etwa mit unterbrechungsfreien Stromversorgungsanlagen, Transformatoren oder Stromverteilern, während Huber+Suhner unter anderem Kabelsysteme liefert. Auch VAT gilt als indirekter Gewinner des KI-Booms. Das Rheintaler Techunternehmen liefert Vakuumventile für Halbleiterfabriken, die Chips für Nvidia, AMD oder Samsung herstellen.

Unmittelbarer Grund für die rasante Kursrallye sind massiv angeschwollene Auftragsvolumina, deren Entwicklung sich zu Beginn des Jahres nochmals beschleunigt hat. Bei VAT erhöhten sich die Bestelleingänge im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 47 Prozent. Bei Huber+Suhner und ABB kletterten die Auftragseingänge ebenfalls zweistellig.

ABB mehr wert als die UBS

Der KI-Boom bringt auch die Rangordnung an der Schweizer Börse durcheinander. ABB wird heute mit 150 Milliarden Franken gehandelt – und liegt damit noch vor der UBS (105 Milliarden) auf dem vierten Platz, hinter Roche, Novartis und Nestlé. Die grosse Frage ist, wie nachhaltig das sein wird. Die «physische KI» verspricht noch eine Weile ein sicheres Geschäft – bei ABB rechnet man bis 2030 mit guten Geschäften.

Weniger klar ist, welche Unternehmen zu den Gewinnern von KI-Anwendungen gehören werden – ob Anthropic, OpenAI oder andere. Ein Profiteur scheint der Google-Mutterkonzern Alphabet zu sein. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz im Cloud-Geschäft dort um 64 Prozent auf 20 Milliarden Dollar, getrieben durch Aboeinnahmen der hauseigenen KI Gemini.

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