Darum gehts
- Seit 3. September gilt ein Importverbot für brasilianisches Rind- und Pouletfleisch in der Schweiz
- Grund: Es kommen Antibiotika zum Einsatz, die hierzulande nicht erlaubt sind
- Die Schweiz importiert etwa 40 Prozent des Poulets aus dem Ausland
Poulet-Nuggets mit Fleisch aus Brasilien? Das gibt es in der Schweiz nicht mehr. Seit dem 3. September gilt in der EU ein Importverbot für Rind- und Pouletfleisch aus Brasilien. Das Verbot gilt auch für die Schweiz, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gegenüber SRF bestätigt. Die Schweiz setzte bisher vor allem auf Poulet aus dem südamerikanischen Land.
Insgesamt importieren Produzenten hierzulande rund 40 Prozent des Geflügels aus dem Ausland, wie Zahlen der Branchenorganisation Proviande zeigen. Ein Drittel dieser Importe stammt dabei aus Brasilien. Die Situation sei jedoch bewältigbar, wie SRF weiter schreibt. Mit einem Fleischengpass rechnet Proviande also nicht. Rindfleisch wird dagegen kaum aus Brasilien importiert.
Aber warum das plötzliche Verbot des Billig-Poulets? Das Problem liegt beim Einsatz von Antibiotika: In der EU und auch in der Schweiz darf Nutztieren das Medikament nicht zur Leistungssteigerung verabreicht werden. Anders ist das in Brasilien, wo Grossbetriebe auf Massentierhaltung setzen. Da das Land keine Garantien vorlegen kann, zieht die EU – und mit ihr auch die Schweiz – nun Konsequenzen.
Aber was bedeutet das für die hiesigen Detailhändler und Discounter?
So reagiert der Detailhandel
Bei der Migros hat das Importverbot keine spürbaren Auswirkungen, wie der Detailhandelsriese auf Anfrage mitteilt. «Beim Geflügel sind lediglich wenige Convenience-Produkte wie beispielsweise Poulet-Nuggets betroffen», erklärt ein Sprecher. Hier stellt die Migros auf Ware aus der EU um. Das Frischfleischsortiment stammt dagegen fast ausschliesslich aus der Schweiz. Beim Discounter Denner sind insgesamt fünf Artikel betroffen.
Die Migros und deren Tochter sehen indessen von Preiserhöhungen ab. «Aufgrund des geringen Umfangs der betroffenen Produkte gehen wir nicht von relevanten Auswirkungen auf die Preise aus», so der Sprecher weiter.
Ähnlich klingt es beim Konkurrenten Coop: Preiserhöhungen erwartet der Detailhändler nicht. Poulet aus Brasilien kam bisher unter anderem bei Charcuterie wie der geräucherten Pouletbrust oder bei den «Poulet Curry Balls» zum Einsatz. Rindfleisch aus Brasilien bot Coop auch bisher nicht an.
Aldi führt gar kein Geflügel- und Rindfleisch aus Brasilien im Sortiment. Deshalb hat das Verbot für den Discounter keine Auswirkung. Konkurrent Lidl braucht für eine Rückmeldung länger Zeit. Gemäss der Branchenorganisation Proviande können Preiserhöhungen jedoch nicht ausgeschlossen werden.