Darum gehts
- Social-Media-Plattformen nutzen Retargeting, um personalisierte Werbung anzuzeigen
- Retargeting basiert auf Tracking-Daten wie Cookies und Pixeln für gezielte Anzeigen
- Experten warnen: Retargeting sammelt Nutzerdaten und erstellt Persönlichkeitsprofile
Wer kennt es nicht? Gerade hat man noch online nach trendigen Tennissocken oder neuen Kopfhörern gesucht. Wenige Minuten später scrollt man auf Instagram, Facebook oder Tiktok, und plötzlich taucht da Werbung für Tennissocken oder Kopfhörer auf. Wie kann das sein?
Social-Media-Plattformen hören uns nicht ab. Das verspricht zumindest Instagram-CEO Adam Mosseri (43) in einem Video auf seiner Plattform. Doch wie gelingt es den Techkonzernen dann, uns dennoch personalisierte Werbung anzuzeigen? Dahinter steckt eine clevere Marketingstrategie. Sogenanntes Retargeting.
Ein digitales Lesezeichen
Ganz einfach erklärt: Ruft man beispielsweise die Website eines Onlineshops für Kleider auf, setzt dieser im Hintergrund eine Notiz im Browser. Wenn man nun später Instagram, Tiktok oder Facebook öffnet, liest die App die im Hintergrund gesetzte Notiz aus und zeigt einem gezielt Anzeigen zu genau der Kleidung an, die man zuvor angesehen hat.
«Retargeting spricht Nutzer erneut an, die bereits mit einer Marke in Kontakt waren oder mit dieser interagiert haben», erklärt E-Commerce-Experte Raphael Marquart. Dieser erste Kontakt kann auf einer Website, in einem Onlineshop oder einer App stattfinden.
Effektiv, aber problematisch
Dass Retargeting einem Produkte anzeigt, die man zuvor bereits gesucht hat, kann als Erinnerung an ein Produkt zwar praktisch sein. Allerdings kann es Nutzer auch beeinflussen und zu einem ungewollten Kauf verleiten. «Werbung für Produkte kann durch Retargeting sehr effektiv sein und eine womöglich bereits getroffene Entscheidung infrage stellen», erklärt Lucien Jucker (34) vom Konsumentenschutz.
Zusätzlich werden beim Retargeting, so Jucker, auch viele Daten der Nutzer erfasst. «Dabei können aufschlussreiche Persönlichkeitsprofile der Nutzer erstellt werden.»
Wie profitieren Firmen von Retargeting?
Für Firmen kann Retargeting so eine gewinnbringende Strategie sein. Entscheidend dabei ist allerdings die Dosierung, erklärt Mike Schwede (49), Experte für Social-Media-Marketing. «Niemand möchte tagelang mit Werbung für ein Produkt bombardiert werden. Gutes Retargeting setzt auf dezentes Nachfassen und belässt es dann auch dabei», so Schwede. Dabei gehe es darum, vorwiegend Menschen mit einem bereits vorhandenen Interesse an einem Produkt noch einmal abzuholen.
Auf Social Media können Firmen durch Retargeting bisher liegengelassenes Potenzial abholen. Dadurch könne ohne viel Aufwand ein beachtlicher Zusatzumsatz generiert werden, erklärt Schwede.
Dabei haben Social-Media-Plattformen laut Marquart gegenüber anderen Apps und Websites einen wichtigen Vorteil: Sie sammeln selbst auch Daten über die Vorlieben ihrer Nutzer. Wodurch sie genau wissen, mit welchen Marken ihre Nutzer bereits interagiert haben.
Schutz durch Werbeblocker
Vollständig schützen kann man sich als Nutzer vor Retargeting nicht, da Geräte bei Verbindungen immer auch technische Informationen über sich preisgeben, sagt Jucker. Durch Browser mit Werbeblockern wie Firefox mit uBlock Origin könnten allerdings die Verbindungen zu digitalen Werbeanbietern verhindert werden, erklärt der Experte. Und weiter: «Zusätzlich können Apple-Nutzer bei Apps wie Instagram dem Tracking widersprechen oder es in den Einstellungen bereits verbieten.»
Wer künftig online nach Tennissocken oder Kopfhörern sucht, sollte sich also bewusst sein, dass jeder Klick im Internet Spuren hinterlässt. Und auch die Social-Media-Plattformen schnell über das Interesse an den neuen Socken Bescheid wissen.