Heute begehrt, morgen wertlos?
In diesen zehn Kantonen verlieren Immobilien besonders stark an Wert

Eine neue Studie zeigt, dass der Immobilienmarkt in 10 Kantonen besonders stark abkühlen wird. Haupttreiber sind laut Moneypark das tiefe Bevölkerungswachstum und wenig Zuwanderung. «Ich erwarte durchaus auch dramatische Preisreduktionen», sagt ein Experte.
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In zehn Kantonen dürfte die Alterung der Bevölkerung und eine rückläufige Nachfrage die Preise für Wohneigentum besonders stark drücken.
Foto: KEYSTONE/URS FLUEELER

Diese neue Immo-Studie hat politische Sprengkraft: Selbst beim Erreichen einer 10-Millionen-Schweiz wird die Nachfrage nach Wohnraum in bestimmten Schweizer Kantonen künftig stark rückläufig sein. Das prognostizieren Immobilienexperten des Vergleichsportals Moneypark in einer neuen Analyse. 

Bei den aktuellen Entwicklungen auf dem Schweizer Immobilienmarkt ist das kaum vorstellbar. Wohnraum ist hierzulande heiss begehrt – und wird immer rarer: Die Anzahl leerstehender Wohnungen und Häuser sinkt seit fünf Jahren ununterbrochen. Dies bestätigt auch Moneypark: «Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren landesweit von einem robusten Bevölkerungswachstum – primär getrieben durch die Zuwanderung – und einer damit verbundenen hohen Nachfrage nach Wohneigentum profitiert» heisst es weiter. 

Demografischer Wandel wird für diese «Verlierer-Kantone» zum Problem

Doch die sinkende Geburtenrate und die fortschreitende Alterung der Gesellschaft wird auch der Immomarkt in den nächsten Jahren zu spüren bekommen, sind sich die Experten einig. Der demografische Wandel dürfte für bestimmte Regionen punkto Wohnraum zum Problem werden, ja sogar Immobilienwerte bedrohen, so die Experten.

Besonders deutlich zeige sich das bei zehn «Verlierer-Kantonen», so die Studie. In diesen gibt es die «grössten demografischen Risiken». Gleichzeitig vereinen die Kantone 23 Prozent, also rund ein Viertel, des gesamten Hypothekarvolumens der Schweiz auf sich.

Diese Kantone sind besonders betroffen

Zu den Verlierern zählen das Tessin, Bern, Neuenburg, Jura, Appenzell Ausserrhoden, Nidwalden, Obwalden, Graubünden, Glarus und Schaffhausen. In diesen Kantonen zeige sich bereits heute eine stagnierende oder sogar rückläufige Wohnraumnachfrage, die sich in Zukunft weiter verschärfen dürfte. 

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Der Kern des Problems liegt in der Altersstruktur: Das Bevölkerungswachstum in den Gebieten findet laut Studie fast ausschliesslich in der Gruppe der über 65-Jährigen statt. «Diese Bevölkerungsgruppe zieht nur selten um und fragt kaum neuen Wohnraum nach», erklärt Moneypark-Chef Lukas Vogt. Gleichzeitig schrumpfe die Zahl der Menschen im erwerbstätigen Alter. 

Somit sinke auch die Zahl potenzieller Käufer und Mieter, was die Transaktionszahlen drücke und die Preisentwicklung bremse. In mehreren Kantonen – etwa im Tessin, in Graubünden oder im Jura – sei diese Entwicklung bereits heute sichtbar. Die Nachfrage nach Wohneigentum sei schwach, die Verkaufsdauer steige und Preisabschläge würden häufiger werden. 

In diesen Kantonen wird die Nachfrage boomen

Besonders für Eigentümer in den Verlierer-Kantonen sind das keine guten Neuigkeiten: «Ich erwarte durchaus auch dramatische Preisreduktionen», sagt Hendrik Budliger, CEO vom Schweizer Kompetenzzentrum für Demografie. Und auch Moneypark warnt: «Immobilieneigentümer sollten sich gut überlegen, ob ein Verkauf auch bei veränderter demografischer Ausgangslage noch realistisch scheint.»

In anderen Schweizer Regionen zeigen die Pfeile derweil genau in die entgegengesetzte Richtung: «Zwei Drittel des Hypothekarvolumens liegen in den elf Kantonen, die 86 Prozent des zukünftigen Bevölkerungswachstums der Schweiz ausmachen werden», heisst es bei Moneypark. Diese Kantone – Zürich, Waadt, Luzern, Genf, Thurgau, Aargau, St. Gallen, Wallis, Freiburg, Zug und Basel-Stadt – dürften auch künftig eine steigende Wohnraumnachfrage erwarten. 

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