Liegenschaften sind seit über einem Jahr auf dem Markt
Die Geistersiedlung in Sins AG steht immer noch halb leer

1,5 Jahre nach Verkaufsbeginn steht die Hälfte der Neubauten in Sins AG noch immer leer. Jetzt sind zwei Häuser erneut ausgeschrieben, eine zweite Immobilienfirma mischt nun mit. Was steckt dahinter?
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Die Überbauung Tschampani wurde im Spätsommer 2021 fertiggestellt. Der Auftrag kostete 14,75 Millionen Franken.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

  • Seit 2021 steht ein Teil der zehn Neubauhäuser in Sins AG immer noch leer
  • Sechs Häuser sind derzeit noch unverkauft
  • Kontaktversuche zum Bauherrn laufen stets ins Leere
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Eigenheime in der Schweiz sind heiss begehrt – und werden ein immer rareres Gut. Die Anzahl leerstehender Wohnungen und Häuser sinkt seit fünf Jahren ununterbrochen. Umso mehr irritiert, wenn eine ganze Neubau-Siedlung jahrelang unbewohnt bleibt. So geschehen in Sins im Kanton Aargau: hoch über dem kleinen Dorf wurden im Spätsommer 2021 insgesamt zehn Einfamilienhäuser fertig gebaut. Über drei Jahre lang standen die Liegenschaften komplett leer – die Überbauung Tschampani verkam zur Geistersiedlung. 

Mittlerweile ist in drei der Häuser Leben eingezogen, wie Recherchen von Blick zeigen. Ein weiteres wurde kürzlich verkauft. In den übrigen sechs herrscht aber weiterhin gähnende Leere. Was ist da los?

Häuser stehen seit 2024 zum Verkauf

Im Sommer 2024 kam Bewegung in den Fall der mysteriösen Neubausiedlung: Der Luxusimmobilienmakler Wüst und Wüst mit Sitz in Küsnacht ZH wurde mit dem Verkauf der Häuser beauftragt. Auf Anfrage von Blick bestätigt dies das Unternehmen. Und fügt hinzu: Sechs der Häuser seien bereits verkauft worden – vier sind nach wie vor zu haben. 

Klingt eigentlich nach einer guten Bilanz. Nur: Drei der sechs veräusserten Liegenschaften wurden wiederum an einen Investor verkauft, der eine weitere Immobilienfirma in zweiter Instanz mit dem Verkauf beauftragte. Ein Objekt sei vergangene Woche verkauft worden, erklärt die zuständige Immofirma Valkovsky Immobilienmanagement GmbH mit Sitz in Zug. Die beiden anderen hat das Unternehmen kürzlich auf einschlägigen Immobilienportalen wie Immoscout oder Homegate ausgeschrieben. Bricht man dies herunter, zeigt sich: Sechs der Geisterhäuser stehen noch immer leer!

Stolze Preise für die Region

Diese scheinen Ladenhüter zu sein, sind sie doch seit anderthalb Jahren auf dem Markt. Warum es bislang nicht zu einem Verkauf kam, darüber will sich Wüst und Wüst gegenüber Blick nicht äussern.

Vielleicht liegt es an den für die Region stolzen Preisen: Zwischen 1,7 und 2,3 Millionen Franken kosten die Eigenheime mit 3,5 bis 7,5 Zimmern bei Wüst und Wüst, wie aus den Verkaufsprospekten hervorgeht. Die Siedlung befindet sich an der äussersten Grenze der kleinen Gemeinde im Aargau. Und wer nach Zürich pendelt, braucht mit dem ÖV über eine Stunde. Luzern und Zug erreichen Bewohner in 45 Minuten. Auch bei Valkovsky kosten die zwei inserierten Bauten aktuell zwischen 2,05 und 2,15 Millionen Franken. 

Bei einem weiteren Haus wird ein Verkauf nun konkreter, wie die zuständige Immobilienmaklerin Alena Valkovsky gegenüber Blick sagt: «Für eine weitere Liegenschaft gibt es bereits einen Interessenten.» Die Einfamilienhäuser mit einem Preisnachlass schmackhafter zu machen, sei deshalb auch nie eine Option gewesen.

Vom Bauherr fehlt jede Spur

Baumängel liegen nach Angaben der beiden Immobilienunternehmen auch keine vor. Die mehrjährige Vernachlässigung hat also scheinbar keine Schäden angerichtet.

Warum die Liegenschaften so lange nicht zum Verkauf ausgeschrieben wurden, bleibt bis heute ein Rätsel. Klar ist: Der Bauherr mit Sitz in Zug, dessen Name Blick bekannt ist, ist untergetaucht. Seit der Fertigstellung der Neubauten fehlt von ihm jede Spur. Bis heute laufen Telefonate ins Leere. 

Auch Valkovsky, die sich seit Mai 2025 um den Verkauf der drei Häuser kümmert, habe nie persönlich mit ihm Kontakt gehabt. So oder so dürfte es alle Beteiligten freuen, dass nun endlich ein wenig mehr Leben in die Überbauung einkehrt.

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