Darum gehts
- Inferno in Crans-Montana: 40 Tote, 116 Verletzte, Kritik an Behörden
- Immobilienpreise könnten sinken, Eigentümer fürchten Imageschaden und Wertverlust
- Nach Katastrophen in London und Österreich gerieten die Immobilienpreise tatsächlich unter Druck
Nach dem Inferno in Crans-Montana VS mit 40 Todesopfern und 116 meist Schwerverletzten stehen die Behörden stark in der Kritik. Der Staatsanwaltschaft wird vorgeworfen, mit dem Fall überfordert zu sein. Der Gemeinde wird eine lasche Kontrollpraxis beim Brandschutz angelastet. Gemeindepräsident Nicolas Féraud (55) sorgte mit Aussagen, mit denen er die Gemeinde von Anfang an aus der Verantwortung nehmen wollte, für grosses Unverständnis. Im Walliser Tourismusort befürchtet man deshalb einen dauerhaften Imageschaden und wirtschaftliche Konsequenzen.
«Viele Eigentümer machen sich Sorgen, dass schlampig geführte Ermittlungen den Ruf von Crans-Montana weiter schädigen – und das, gemäss ihnen, zu einem Wertverlust führen könnte», sagt Cédric Berger, Präsident des Verbands der Chalet- und Ferienwohnungsbesitzer in Crans-Montana gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Eine Sorge, die beim Besuch vor Ort mehrfach zu hören gewesen sei.
Luxus-Chalets mit ausländischen Eigentümern
Die Immobilienpreise in Crans-Montana sind seit 2020 deutlich angestiegen. Die Gemeinde mit ihren gut 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist eine beliebte Ganzjahresdestination. Auf dem Gemeindegebiet finden sich über 10’000 Ferienwohnungen und Luxuschalets; in den 1960er- bis 1980er-Jahren hat das Plateau einen gewaltigen Bauboom erlebt.
In Crans-Montana stehen auch zahlreiche Luxus-Chalets, die mehrere Millionen Franken, teilweise zweistellige Millionenbeträge wert sind. Bei diesen Objekten ist der Markt auf die ausländische Käuferschaft angewiesen. Und Crans-Montana war bis anhin bei Gutbetuchten aus Frankreich und Italien sehr beliebt.
Ferienwohnungen verloren schon einmal an Wert
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Es ist noch nicht so lange her, dass die Eigentümer auf dem Plateau die Erfahrung machen mussten, dass die Immobilienpreise nicht wie ein Naturgesetz immer weiter ansteigen. Von 2014 bis 2019 sind die Preise für Ferienwohnungen in Crans-Montana in vielen Fällen gesunken. Der Grund: Vor Inkrafttreten des Zweitwohnungsgesetzes kam es zu einer Bewilligungsflut für Ferienwohnungen, was in den Folgejahren zu einem deutlichen Überangebot führte. So standen 2018 rund 1400 Ferienwohnungen zum Verkauf.
Ein Frühindikator für eine grosse Menge an Immobilien, die auf den Markt kommen, ist das Online-Bewertungstool des Vergleichsportals Comparis. Planen viele Eigentümer in einem Ort einen Verkauf, wollen sie wissen, wie viel ihre Immobilie aktuell wert ist. Wie Comparis gegenüber dem «Tages-Anzeiger» Auskunft gibt, ist derzeit noch keine steigende Nachfrage nach Immobilienbewertungen in Crans-Montana feststellbar.
Katastrophen mit Auswirkungen auf den Immobilienmarkt
Katastrophen mit hohen Opferzahlen können durchaus negative Folgen für den lokalen Immobilienmarkt haben. Nach der Brandkatastrophe in der Gletscherbahn in Kaprun (A) mit 155 Todesopfern im Jahr 2000 gerieten die Preise für Gewerbeimmobilien und Ferienwohnungen unter Druck.
Besonders deutlich waren die Folgen 2017 in London zu spüren: Nachdem in einem Hochhausbrand 72 Menschen starben, wurden Gebäude mit einer ähnlichen Bauweise praktisch über Nacht unverkäuflich.
Kurz- bis mittelfristig wirkt dabei ein psychologischer Effekt: So meiden Käufer Orte, die mit einer grossen Tragödie in Verbindung stehen. Nach Katastrophen können aber auch Bauvorschriften massiv verschärft werden. Müssen anschliessend bestehende Bauten nachgerüstet werden, wirkt sich das negativ auf die Preise aus.