Hersteller sind besorgt
Einweg-Päckli-Verbot der EU trifft auch Schweizer Firmen

Ab 2030 sind EU-weit Plastikverpackungen von Einzelportionen untersagt. Der Schoggiproduzent Swissone und das Saucen-Startup Chipeño fürchten Auswirkungen. Und sehen sich deshalb vor neue Herausforderungen gestellt.
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Eine verschärfte EU-Bestimmung will Ketchup-Sachets wie diese verbannen – zumindest beim Konsum vor Ort.
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Darum gehts

  • Die EU verbietet ab 2030 Einweg-Plastikportionen
  • Die Schweiz plant keine konkreten Verpackungsverbote, prüft jedoch eine umfassendere Verordnung
  • Das Start-up Chipeño ist wegen der geplanten Expansion in EU-Länder davon betroffen
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Die EU verschärft ihre Bestimmungen für Einwegverpackungen aus Kunststoff: Ab 2030 sind nicht mehr nur Plastikbesteck oder -Röhrli bei Gastro-Betrieben verboten, sondern auch kleine Einwegportionen wie Ketchup-Sachets oder Kafirähmli – zumindest beim Konsum vor Ort. Beim Take-away, im Drive-in oder bei Salaten aus dem Supermarkt sind Einzelportionen weiterhin erlaubt.

Die Schweiz will die neue EU-Verordnung – wie jene aus 2019 – nicht übernehmen, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) gegenüber dem «Tages-Anzeiger» ausführte. Trotzdem wolle man sich «an der Zielsetzung der EU orientieren». Die derzeitige Verordnung über Getränkeverpackungen (VGV) – die seit 2000 in Kraft ist und Verpackungen aus Glas, PET oder Aluminium reguliert – soll demnach revidiert und zu einer «umfassenderen Verpackungsverordnung weiterentwickelt» werden. Diese würde sich dann nicht mehr nur auf Getränke, sondern auf Verpackungen generell ausweiten. 

Chocolatier macht sich Sorgen

Am Firmensitz des Schweizer Schoggiproduzenten Swissone in Muri bei Bern lässt dies aufhorchen. Denn in der EU werden beim Inkrafttreten des Verbots auch die kleinen Schöggeli, die häufig zum Kaffee serviert werden, verbannt – sofern sie in Plastik eingewickelt sind. Swissone hat ebenfalls solche Einzelportionen im Angebot. Der Betrieb vertreibt die sogenannten Swissone-Singles an Hotels, Kantinen und Restaurants in der ganzen Schweiz. 

Entsprechend ist Swissone-Chef Vernon Stuber (65) besorgt: «Sollte die Schweiz EU-ähnliche Bestimmungen übernehmen, wären wir auf jeden Fall betroffen», sagt er gegenüber Blick. Die Sparte der «Singles» werde zunehmend wichtiger, weshalb die Firma kräftig in die entsprechenden Verpackungsanlagen investiere. Stuber muss jetzt darauf hoffen, dass das Bafu an seinem Plan festhält, explizite Verbote bestimmter Verpackungsformate von der EU nicht zu übernehmen. 

Vom geplanten EU-Verbot direkt betroffen ist hingegen das Start-up Chipeño. Das junge Unternehmen aus Horw LU stellt «eine rauchige Chipotle-Mayo» her. Die Schweizer Sauce gibt es mittlerweile in zahlreichen Restaurants und Take-aways – darunter im Brezelkönig. Auch in kleinen Einweg-Sachets. Und diese will der Saucenhersteller bald auch im Ausland verkaufen.

«Würde mich lieber mit anderen Problemen beschäftigen»

«Wenn wir uns als Start-up im Markt behaupten wollen, müssen wir ans Wachstum denken», erklärt Gründer Samuel Graf (34) gegenüber Blick. Das Luzerner Unternehmen steckt darum mitten in den Expansionsplänen nach Deutschland. 

«Die neuen Bestimmungen werfen bei uns viele Fragen auf», so Graf. «Und stellen uns definitiv vor neue Herausforderungen.» Zwar betont er, dass das Verbot angesichts der Umwelt sicherlich sinnvoll sei, wenn dies die EU beschliesse. «Da wollen wir uns anpassen», sagt der Firmengründer. «Und das nicht erst, wenn es unbedingt nötig ist.»

Für Graf bedeutet das alles einen nervigen Mehraufwand: «Ich bin zwar Unternehmer geworden, um mich mit Problemen und ihren Lösungen zu beschäftigen – aber wenn ich wählen könnte, würde ich mich ehrlicherweise lieber mit anderen Problemen beschäftigen.»

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