Darum gehts
- Wohnattraktivitätsindikator der UBS untersucht über 2000 Gemeinden auf ihre Wohnattraktivität für Familien
- Mittelgrosse Städte schlagen in neun von zehn Regionen die Grosszentren, auch dank tieferer Lebenshaltungskosten
- Ländliche Gemeinden schneiden häufig schwächer ab
Bei der Wohnungssuche zählt längst nicht nur der Mietzins. Der künftige Wohnort muss verschiedene Kriterien erfüllen: Gibt es eine Schule oder Kita für die Kleinen? Wie hoch ist der Steuerfuss? Bin ich gut an den ÖV angebunden? Die UBS ist nun der Frage nachgegangen, welche Gemeinden besonders attraktiv sind. Die Ergebnisse hat die Schweizer Grossbank in der zweiten Ausgabe des Wohnattraktivitätsindikators festgehalten.
Für die Studie hat die UBS Gemeinden und Städte innerhalb von zehn Regionen verglichen. Als Basis für die Berechnungen dient eine Familie mit zwei Kindern und einem Bruttojahreseinkommen von 150'000 Franken. Die UBS hat mehr als 2000 Gemeinden in drei Hauptkategorien bewertet: Infrastruktur und Erreichbarkeit, Freizeit und Lebensqualität sowie Kosten. Letztere setzen sich in der Analyse aus Miete, Steuern und Krankenkassenprämien zusammen.
Kleine Städte schlagen die Grossen
Beim Freizeitangebot schaue man unter anderem auf Gastronomie, Sport und Kultur sowie Seen, Grün- und Naturflächen, erklärt UBS-Ökonom und Studienautor Thomas Rieder (44). In die Lebensqualität fliessen auch negative Faktoren wie Fluglärm, Industrieflächen, Leerstandsquote oder Kriminalitätsrate ein. Eine strukturell hohe Leerstandsquote trotz tiefer Mieten könne etwa darauf hindeuten, dass einer Gemeinde Attraktivität fehle, sagt Rieder.
Ein Blick auf die drei attraktivsten Wohnorte in den jeweiligen Regionen zeigt: Wer gut wohnen will, muss keineswegs in eine Grossstadt ziehen – im Gegenteil. In neun von zehn Regionen belegt eine mittelgrosse Stadt den Spitzenplatz. Einzig Basel schafft es als Grosszentrum an die Spitze seiner Region.
Der grosse Trumpf: tiefere Kosten
Woran liegt das? «Mittelgrosse Zentren können zwar bei internationaler Spitzengastronomie, grossen Universitäten oder Konzerthäusern nicht mit Zürich, Genf oder Bern mithalten», erklärt Rieder. Für den Alltag einer Familie bieten sie laut Analyse aber dennoch eine sehr gute Infrastruktur und ein breites Freizeitangebot. Und: Sie sind zum Teil massiv günstiger.
In Freiburg liegen die Lebenshaltungskosten aus Miete, Steuern und Krankenkassenprämien rund 15 Prozent unter jenen von Bern. Solothurn ist gegenüber Zürich sogar 34 Prozent günstiger, Aarau 28 Prozent.
Wie happig der Zürich-Aufschlag ist, zeigt eine weitere Zahl: Bereits in Gemeinden mit 10 bis 15 Minuten ÖV-Fahrzeit nach Zürich gibt eine Durchschnittsfamilie gemäss UBS jährlich rund 11'500 Franken weniger für Miete, Steuern und Krankenkasse aus. Ab 45 Minuten Entfernung wächst die Differenz auf mehr als 20'000 Franken.
Was auf dem Land oft fehlt
Das Ranking zeigt auch Gemeinden, deren Wohnattraktivität unter dem Durchschnitt ihrer jeweiligen Region liegt. Häufig sind das ländlichere Ortschaften, in der Region Zürich-Aarau-Schaffhausen etwa Schwaderloch AG, Leibstadt AG oder Full-Reuenthal AG im Norden des Aargaus, aber auch Weiach ZH, Glattfelden ZH oder Bülach ZH im Zürcher Unterland.
In der Zentralschweiz schneiden Realp UR, Hospental UR oder Romoos LU vergleichsweise schwach ab. In Bern-Freiburg trifft das auf Gsteig BE, Lauenen BE, Saxeten BE und zahlreiche kleinere Gemeinden östlich der Stadt Bern zu. «Das heisst nicht, dass es sich dort grundsätzlich schlecht lebt», betont Rieder. Periphere Gemeinden punkten oft mit viel Grün und günstigeren Mieten, haben dafür aber eine schwächere Infrastruktur und Erreichbarkeit. Unter dem Strich reicht das Plus aber oft nicht, um die Nachteile aufzuwiegen.