Darum gehts
- Aldi schliesst per Ende Januar und Anfang Februar vier Filialen in der Deutschschweiz
- In der Stadt Bern und im Glattzentrum in Wallisellen ZH sind keine Ersatzfilialen geplant
- In Baden AG sucht der Discounter nach einem neuen Standort
Aldi Schweiz setzt gleich bei mehreren Filialen in der Deutschschweiz den Rotstift an: Per Ende Januar macht der Discounter seine Filialen am Bahnhof Baden AG und in der Stadt Bern beim Zytgloggenturm dicht, wie das «Badener Tagblatt» und die «Berner Zeitung» berichten. Per 2. Februar folgt der Standort im Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen ZH, wie der «Zürcher Unterländer» schreibt. Und im Frühling dann der Laden in Wabern BE. Was ist da los?
Der Discounter macht zu den spezifischen Gründen für die Schliessungen stets keine Angaben. Vonseiten der Medienstelle heisst es jedes Mal, dass sie «das Resultat einer sorgfältigen unternehmensinternen Prüfung» seien. Die Entscheidung basiere «auf einer Vielzahl von Kriterien wie Frequenz, Kundennachfrage, Mietverhältnissen und langfristiger Standortentwicklung».
Die Aargauer Lokalpresse spekuliert derweil, dass der Discounter dem Konkurrenzdruck am Badener Bahnhof nicht standhalten konnte. Neben Aldi sind nämlich auch Lidl, Migros und Coop im Bahnhofsgebäude eingemietet. «Erlag Aldi dem Wettbewerbsdruck?», fragt darum das «Badener Tagblatt». Der Discounter will aber offenbar an der Stadt festhalten. Jedoch habe man bis anhin noch keinen spruchreifen Ersatzstandort gefunden.
Aldi will nicht gross weiter expandieren
Anders sieht es bei den Filialen im Glattzentrum und in Bern aus: Der Konzern gibt an, dass aktuell keine Ersatzfilialen in den betroffenen Regionen geplant seien. Ein Blick auf die landesweiten Aldi-Standorte zeigt: Das Filialnetz in Wallisellen ZH und Bern ist auch deutlich dichter als in Baden.
Mit der Schliessung im Glatt bleiben Besucherinnen und Besuchern nur noch zwei weitere Einkaufsmöglichkeiten im selben Preissegment. Aber was ist dann das Problem? Aldi-Schweiz-Chef Jérôme Meyer (45) liess vergangenen Oktober durchblicken: Gross expandieren will er nicht mehr. Vielmehr sei die Decke bei künftig 260 Filialen erreicht. Und jetzt wird optimiert: «Statt schnell zu wachsen, konzentrieren wir uns auf eine nachhaltige Expansion und Optimierung bestehender Filialen», sagte die Pressestelle damals zu Blick.
Wer übernimmt?
Wer neu am Bahnhof Baden einziehen wird, ist unklar. Ein weiterer Detailhändler wird es wohl nicht sein. In der Stadt Bern wird derweil gemunkelt, dass die deutsche Drogeriekette Rossmann nachrücken könnte. Diese steckt hierzulande mitten in einer grossen Expansionsoffensive. Bern sei für Rossmann grundsätzlich ein sehr attraktiver Markt, so die Aldi-Medienstelle gegenüber der «Berner Zeitung».
Und wie siehts im Glattzentrum aus? Schnappt sich Grossverteiler Coop die leere 830 Quadratmeter grosse Ladenfläche? Eher unwahrscheinlich. Selten teilen sich die zwei grössten Schweizer Detailhändler einen Shoppingtempel. Holt der orange Riese vielleicht seine Tochter Denner mit dazu? Ebenfalls Fehlanzeige. Es gibt nämlich neben der Migros bereits einen Denner im Glattzentrum.
Das Glattzentrum lässt sich nicht in die Karten blicken. «Aktuell können wir noch keine Angaben zu einem möglichen Nachmieter machen. Wir gehen aber davon aus, dass die Fläche in Kürze wieder vermietet sein wird», schreibt das Einkaufszentrum. Die Mietflächen seien nämlich «sehr begehrt». Vielleicht wagt sich ja Lidl in eines der umsatzstärksten Einkaufszentren des Landes.