Der Abbau im Migros-Universum geht weiter: Jetzt trifft es den Westschweizer Essenslieferdienst Smood, eine 100-Prozent-Tochter der Migros Genf. Smood rechnet derzeit damit, «seine Geschäftstätigkeit möglicherweise einstellen» zu müssen, erklärt das Unternehmen in einer Mitteilung. Die Grund: finanzielle Schwierigkeiten.
Dazu schreibt Smood: «Eine Rückkehr zur Rentabilität ist nicht in Sicht.» Heisst: Der Lieferdienst sieht keine Zukunft mehr. Es stehen über 400 Jobs auf dem Spiel. Das Unternehmen beschäftigt schweizweit 427 Angestellte.
Derzeit befindet sich Smood in einem offiziellen Konsultationsverfahren. Plant man hierzulande nämlich eine Massenentlassung, braucht es dieses per Gesetz. Es wird laut Smood voraussichtlich 20 Tage dauern. In dieser Zeit dürfen verschiedene Parteien Einwände einbringen und Vorschläge machen, wie allenfalls Entlassungen verhindert werden können.
Nach Abschluss des Verfahrens folgt dann der definitive Entscheid, ob der Lieferdienst seinen Betrieb einstellt. Bis dahin werde Smood «alle vertraglichen Verpflichtungen» gegenüber Angestellten und Kunden einhalten, betont die Migros-Tochter im Schreiben.
«Die Migros muss ihre soziale Verantwortung wahrnehmen»
Am Konsultationsverfahren beteiligt sich auch die Arbeitnehmerorganisation Syndicom. Auf Blick-Anfrage erklärt Urs Zbinden, Zentralsekretär der Gewerkschaft: «Werden Entlassungen bestätigt, werden wir einen möglichst vorteilhaften Sozialplan fordern – mit substanziellen Abfindungen, Massnahmen für Umschulungen sowie einem Härtefallfonds.» Als Eigentümerin von Smood müsse die Migros ihre soziale Verantwortung gegenüber den Angestellten wahrnehmen und interne oder externe Alternativen zur Entlassung anbieten.
Zbinden erklärt weiter, dass die Chancen auf eine Rettung und Weiterführung des Betriebs während einem Konsultationsverfahren tendenziell sehr niedrig sind. «Das haben wir bei Fällen wie der Post-Tochter notime oder der Gastro-Gruppe Familie Wiesner Gastronomie gesehen», so Zbinden zu Blick.
Smood sorgte wegen Lohndumping für Schlagzeilen
Das Prinzip von Smood gleicht jenem von Konkurrenten wie Uber Eats oder Eat.ch: Smood liefert Lebensmittel aus der Migros zum normalen Ladenpreis innert wenigen Minuten nach Hause. Dafür arbeitet Smood mit mehreren Migros-Genossenschaften – darunter Waadt, Genf, dem Wallis und Tessin – zusammen. Im Frühjahr 2021 ging auch die Migros-Genossenschaft Zürich eine Partnerschaft mit dem Kurier ein, beendete diese aber nach wenigen Monaten wieder. Zu den genauen Gründen äusserte sich die Migros Zürich nicht.
Im selben Jahr sorgte Smood auch wegen happiger Vorwürfe seitens Angestellten für Aufsehen. So hätten sich immer mehr Mitglieder bei der Gewerkschaft Unia über falsche und undurchsichtige Abrechnungen sowie zu tiefe Spesenentschädigungen beschwert, berichtete damals die «Wochenzeitung». Lieferanten hätten Nettolöhne von 3000 Franken für eine 50-Stunden-Woche erhalten. Im November 2021 eskalierte der Knatsch: In Yverdon VD legten Smood-Kurierfahrer die Arbeit nieder. Sie forderten bessere Löhne und fairere Spesen. Rasch breitet sich der Streik auf elf Städte in der Westschweiz aus.