Darum gehts
- Goldair AAS Assistance schuldet Angestellten angeblich über 2 Millionen Franken
- Bis zu 150 Mitarbeitende sind betroffen, die Einzelforderungen betragen teils 50'000 Franken.
- Jetzt muss es schnell gehen: Die Forderungen verjähren nach fünf Jahren.
Arbeitskampf ohne Ende: Es geht um zwei Millionen Franken Lohnzahlungen. Mit bezahlten Pausen und Feriengeldern soll es das Joint Venture Goldair AAS Assistance nicht immer so genau genommen haben, wie die Gewerkschaft VPOD Luftverkehr mitteilt. Über 2 Millionen Franken an Lohnzahlungen hat die Firma den Mitarbeitenden vorenthalten, so der Vorwurf. Die Zahl basiert auf «konservativen Schätzungen» für die Jahre 2020 bis 2024.
Die Gewerkschaft verklagt nun die Firma Goldair AAS Assistance – und zwar gleich mehrfach. «Es geht zum Teil um Forderungen von bis 50'000 Franken pro Person», sagt Stefan Brülisauer (37) von VPOD gegenüber Blick. Laut ihm handelt sich nicht um Einzelfälle – bis zu 150 Leute sind betroffen.
Das Unternehmen hat den Angestellten angeblich keine bezahlten Pausen gewährt. Dabei sind Pausen von 30 Minuten bei einem Arbeitstag von acht Stunden Pflicht. Ausserdem soll die Firma seinen Stundenlöhnern die Ferienentschädigung teilweise nicht bezahlt haben. Und sie zahlte angeblich zu wenig Lohn: Die Mindestlöhne wurden mehrfach unterschritten, teilt die Gewerkschaft mit.
Warnstreik am Flughafen
Dabei sorgte die Firma schon einmal für Schlagzeilen, genauer gesagt der Schweizer Bodenabfertiger Airline Assistance Switzerland (AAS). Er führte das Joint Venture Goldair AAS Assistance gemeinsam mit der griechischen Firma Goldair.
2025 wagten die ehemaligen Angestellten von AAS den Aufstand. Sie starteten einen Warnstreik am Flughafen Zürich. Aber wie kam es dazu?
Von 2020 bis 2024 kümmerte sich die Angestellten des Joint Venture Goldair AAS Assistance um Passagiere mit eingeschränkter Mobilität. Dass die Mitarbeitenden mit den Arbeitsbedingungen nicht zufrieden waren, wusste der Flughafen Zürich gemäss der Gewerkschaft. 2025 griff er dann durch: Seither kümmert sich der Flughafen selbst um Passagiere im Rollstuhl.
Eskaliert ist die Situation, als Goldair AAS Assistance ab 2025 die Bodenabfertigung am Flughafen Zürich übernehmen sollte. Zwischen der Airline Assistance Switzerland (AAS) und der griechische Firma Goldair gab es Meinungsverschiedenheiten, die Zusammenarbeit für die Bodenabfertigung platzte. Das Joint Venture stand vor dem Aus. «Deshalb hat die AAS im August das Konsultationsverfahren eingeleitet und möchte das Geschäft am Flughafen Zürich nun aufgeben», sagte Brülisauer damals auf Nachfrage von Blick.
Doch AAS wollte die Angestellten ohne Sozialplan auf die Strasse stellen. Nach langem Hin und Her entschied sich die Gewerkschaft für den letzten Ausweg: einen Warnstreik. Nach dem «bitternotwendigen» Kampf gab die Firma nach: Sie versprach Entschädigungen von bis zu 50'000 Franken. Zum Konkurs kommt es nicht.
Zahlungen nur dank Intervention
Die Entschädigungen hat die Firma AAS den ehemaligen Angestellten mittlerweile bezahlt. «Doch wir mussten zum Teil mehrfach intervenieren», kritisiert Brülisauer nun. Es stellt sich die Frage: Wie viel Geld ist überhaupt noch da? Das Joint Venture hat noch eine Lizenz am Flughafen Zürich, aber keine Kunden. Auf eine Anfrage von Blick hat die Firma AAS bisher nicht reagiert.
Jetzt muss es schnell gehen: Denn die Forderungen verjähren nach fünf Jahren. Die Firma spiele auf Zeit, so Brülisauer. Auf Arbeitspläne, die die Gewerkschaft als Grundlage für die Klage braucht, wartet sie zum Teil Monate. Doch die Hoffnung der Angestellten bleibt: Sie wollen endlich das ihnen zustehende Geld erhalten.