Darum gehts
- Streik am Flughafen Zürich: Die AAS-Angestellte wollen einen fairen Sozialplan
- Die Zusammenarbeit mit Goldair ist geplatzt – nun droht das Aus am Flughafen Zürich
- 220 AAS-Angestellte in Zürich sind betroffen
Heute wird am Flughafen Zürich gestreikt. Die 220 Angestellten des Bodenabfertigers Airline Assistance Switzerland (AAS) haben die Nase voll: Seit Wochen soll AAS-Geschäftsführer Dieter Streuli (49) diese im Dunkeln lassen über die Einstellung des Betriebs in Zürich-Kloten. Ein Konsultationsverfahren läuft seit Anfang August – damit steht auch eine Massenentlassung im Raum.
Kampflos wollen die AAS-Beschäftigten nicht untergehen, darum planen sie, heute um 14 Uhr ihre Arbeit niederzulegen, wie Blick erfahren hat. Bei Streuli nicht auf Gehör gestossen sei im Vorfeld ein Sozialplan, den die Mitarbeitenden mit der Gewerkschaft VPOD Luftverkehr ausgearbeitet hätten.
Ausbaden müssen die Eskalation bei AAS nun Fluggäste von Airlines wie Chair, Eurowings und Air Serbia, die mit dem Bodendienstleister AAS zusammenarbeiten.
Vom Streik betroffen sind gemäss VPOD insgesamt 17 Abflüge ab heute, 14 Uhr:
- sechs Flüge von Eurowings
- drei Flüge von Chair
- zwei Flüge von Air Serbia
- zwei oder ein Flug der GP Aviation
- ein Flug von Pegasus
- ein Flug von LOT Polish Airlines
- ein Flug der Air Cairo
- ein Flug der Air Montenegro
Es ist der erste Streik am Flughafen Zürich seit Jahren. Dieser teilt mit, es könne zu Verspätungen und Flugausfällen kommen. Die Passagiere werden jeweils direkt von ihrer Airline informiert. Neben den Abflügen fertigt AAS auch noch 19 Ankunfts-Flüge ab – inwiefern diese betroffen sind, ist nicht bekannt. «Massnahmen, die den Flugbetrieb negativ beeinflussen, können wir nicht gutheissen. Wir distanzieren uns deshalb von solchen Aktionen», so eine Sprecherin.
Geplatzte Zusammenarbeit und Querfinanzierung
Wie konnte es so weit kommen? Grund für das Konsultationsverfahren soll der Wegfall eines «bedeutenden Kunden» sein. Doch gemäss den Angestellten steckt einiges mehr dahinter.
Gemeinsam mit der griechischen Firma Goldair sollte sich die AAS am Flughafen Zürich um die Bodenabfertigung kümmern. Doch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Firmen ist geplatzt. «Deshalb hat die AAS im August das Konsultationsverfahren eingeleitet und möchte das Geschäft am Flughafen Zürich nun aufgeben», sagt Stefan Brülisauer (37) von VPOD auf Nachfrage von Blick.
Bis Ende 2024 haben sich die Firmen bereits zusammen als Goldair-AAS um Passagiere mit eingeschränkter Mobilität gekümmert. Diesen Service bietet der Flughafen Zürich mittlerweile selber an.
Dort soll es bereits erste Probleme gegeben haben: «Dieter Streuli hat offen zugegeben, dass die AAS sich über das Geschäft von Goldair-AAS querfinanziert hat», so Brülisauer. Es hat sich dabei um ein reguläres privatrechtliches Geschäft gehandelt, hält Geschäftsführer Streuli dagegen.
Zurück weist der Bodenabfertiger die Vorwürfe, dass das Konsultationsverfahren sehr intransparent abläuft und AAS der Kommunikationspflicht «bei weitem» nicht nachkomme. «Wir sind sämtlichen Verpflichtungen im Rahmen des Konsultationsverfahrens nachgekommen», sagt Streuli. Aktuell prüfe man die zahlreichen Vorschläge der Mitarbeitenden und werde anschliessend kommunizieren.
Er betont auf Rückfrage von Blick, dass ein Sozialplan bei dieser Anzahl Angestellten nicht Pflicht ist. Trotzdem versuche man, die «Anzahl der Kündigungen so tief wie möglich zu halten», so Streuli.
Wie steht die Firma finanziell wirklich da?
Widersprüche orten die Mitarbeitenden und Gewerkschaft bei Aussagen der Geschäftsleitung zu den Finanzen. AAS habe stets betont, dass es keine finanziellen Probleme gäbe, heisst es.
Ein Blick ins Betreibungsregister zeigt aber: Es gibt über 25 Einträge von Steuerämtern und Kantonen, aber auch von einem Malergeschäft oder dem Transportunternehmen DHL. Die Beträge reichen dabei von wenigen Hundert Franken bis in den sechsstelligen Bereich. Auch eine Konkursandrohung steht im Raum. Die Löhne wurden gemäss Streuli für diesen Monat bereits überwiesen – mehr möchte der Chef nicht zur Liquidität sagen.
Keinen anderen Ausweg
Die AAS kümmert sich auch an mehreren deutschen Flughäfen, in Wien und in Mallorca um die Bodenabfertigung. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 3000 Angestellte. Vom Konsultationsverfahren betroffen ist nur den Standort am Flughafen Zürich mit 220 Angestellten. Seit Januar ist Streuli Geschäftsführer der AXS-Gruppe, zu der neben AAS noch fünf weitere Unternehmen aus der Luftfahrtbranche zählen. Im Schweizer Handelsregister findet man die Gruppe jedoch nicht.
Die aktuelle Situation scheint festgefahren. Der Streik kurz vor dem Wochenende betrifft wohl Tausende Passagiere. «Wir kämpfen gerade um unseren Job und Würde», so Mitarbeitende der AAS zu Blick. Sie entschuldigen sich dafür, dass nun die Passagiere unter dem Streik leiden. Doch sie sehen keinen anderen Ausweg mehr.