Darum gehts
- Immer mehr Restaurants schliessen in der Schweiz wegen finanzieller Probleme.
- Das Traditions-Restaurant «Hirschen» in Linthal GL wird als Haus verkauft.
- Kaufpreis: 595'000 Franken, 167 Quadratmeter Wohnfläche, Baujahr 1850.
Das Beizensterben ist allgegenwärtig. Viele Gastronomen mussten in den letzten Jahren die Segel streichen. Die Gründe dafür sind vielfältig: ausbleibende Gäste, hohe Mieten und eine schwierige Suche nach Nachfolgern. Immer mehr Beizer sehen sich deshalb gezwungen, ihr Restaurant zu schliessen.
Das hat vor allem für kleinere Gemeinden Konsequenzen. Nicht selten verlieren sie ihre einzige Beiz. So geschehen in Zumikon ZH: Wegen Umbauarbeiten am Dorfplatz muss die Pizzeria Italia 2000, die letzte Dorfbeiz der noblen Goldküstengemeinde, im Frühjahr 2027 dichtmachen. Ein anderes Beispiel: Das Rössli in Worb BE. Die Rechnungen stapelten sich – bis der Wirt schliesslich die Schlüssel abgeben musste.
Zweiter Frühling für Dorfbeiz
Ein Schicksal, das auch den Hirschen im Zentrum der Gemeinde Linthal GL ereilt hat. Das Traditionsrestaurant gleich neben dem Dorfladen Volg ging vor Jahren zu. Jetzt erlebt die Liegenschaft einen zweiten Frühling – als Eigenheim. Denn die Beiz ist nun als Einfamilienhaus auf dem Markt. Der Preis: 595'000 Franken. Von aussen erinnert das Haus immer noch an eine Dorfbeiz. Über dem Eingang hängt sogar noch das Wirtshausschild.
Doch drinnen soll jetzt eine Familie ihr neues Zuhause finden. Ein Badezimmer, mehrere Toiletten und einen ausbaubaren Dachstock bietet das urchige Haus aus dem 19. Jahrhundert. Das Prunkstück ist aber die alte Gaststube. Wo die Gäste früher gutbürgerliche Schweizer Küche genossen und sich zum Jassen trafen, liegt jetzt das Wohnzimmer. Und da der Hirschen mal ein Restaurant war, gibt es auch eine grosse Küche.
Das Haus mit Baujahr 1850 hat 5 Zimmer, 167 Quadratmeter Wohnfläche und ist laut der Ausschreibung renoviert und direkt bezugsbereit. «Das Haus ist in einem sehr guten Zustand», betont auch Gioia Kamm-Jäggi von Immobilien Linthal gegenüber Blick.
Oder man wirtet weiter
Um mehr Interessenten anzusprechen, wird die alte Dorfbeiz heute als Einfamilienhaus beworben. Die Ausschreibung wendet sich dabei vor allem an junge Familien, die erschwinglichen Wohnraum suchen und die Nähe zur Natur schätzen. Doch mit der neuen S-Bahn ist man laut Kamm-Jäggi auch relativ schnell in Zürich. Rund 90 Minuten dauert die Fahrt von Linthal in die Limmatstadt.
Doch auch eine Wiedergeburt als Beiz ist nicht ausgeschlossen. Die nötige Infrastruktur stehe dafür weiterhin zur Verfügung. «Gaststube, Küche, Buffet mit Ausschank und Terrasse sind vollständig vorhanden. Und auch die Wirtewohnung darüber ist bezugsbereit», sagt Kamm-Jäggi. Und fügt an: «Auch einem Pachtvertrag steht niemand im Wege».