Etikettenschwindel: Abgelaufene Ware als frisch verkauft
Fleisch-Bschiss beim Abholmarkt TopCC

Ein Lebensmittelinspektor schlägt Alarm, die Staatsanwaltschaft eröffnet ein Verfahren: Bei TopCC in Muri BE ist ein Fleisch-Bschiss aufgeflogen. Wirklich nur ein Einzelfall, wie der Geschäftsführer der Abholmärkte behauptet, die zur Ostschweizer Spar-Gruppe gehören?
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Im Brennpunkt: TopCC-Abholmarkt in Muri, Bern.
Foto: Leserfoto

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • TopCC-Mitarbeitende manipulierten Fleischetiketten im Abholmarkt Muri BE, Ermittlungen laufen
  • Lebensmittelkontrolle entdeckte Verstösse bei abgelaufenen Produkten, Strafverfahren eingeleitet
  • Tausende Kunden ahnten nichts, über 400 Mitarbeitende am 4. Juni durch TopCC informiert
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Ulrich RotzingerWirtschaftschef

«Beim Fleisch stimmen Qualität, Herkunft und der Preis», wirbt TopCC, ein Unternehmen der Spar-Gruppe aus St. Gallen. «Preisvorteile von 35 Prozent und mehr» im Vergleich zum Detailhandel. Überhaupt nicht top ist aber, was TopCC-Angestellte im Abholmarkt in Muri BE abgezogen haben.

Die Tricksereien in der Metzgereiabteilung beschäftigen seit Wochen die kantonale Lebensmittelkontrolle. Sogar die Staatsanwaltschaft des Kantons ist involviert. Pikant: Tausende Kundinnen und Kunden hatten von den Vorgängen in ihrem Abholmarkt keine Ahnung!

Recherchen von Blick bringen ans Licht: Im Zeitraum April bis Mai sind die kantonalen Lebensmittelinspektoren ausgerückt und haben das Angebot der Metzgereiabteilung des TopCC Muri im Laden und Lager unter die Lupe genommen. Woher der Hinweis kam, ist unklar. 

Bei bestimmten Produkten – mehrheitlich Charcuterie- und Tiefkühlartikel – haben die Beamten Verstösse gegen das geltende Lebensmittelgesetz festgestellt. Offenbar waren diese gravierend. Die Behörde hat eine Strafanzeige gemacht, ein Verfahren wurde eröffnet.

Falsch ausgezeichnet und auf Etiketten geschwindelt

Im Kern geht es um mutwillig falsch deklarierte Fleisch- und Wurstwaren. Angestellte haben gemäss Recherchen und Informationen von TopCC-Insidern Originaldatierungen auf Produkten überklebt und durch eine neue Auszeichnungsetikette ersetzt. Das bestätigten auch «Kassensturz»-Testkäufe in Muri, über die in einem Beitrag der SRF-Konsumsendung aktuell berichtet wird. 

Offenbar handelte es sich in den meisten Fällen um bereits abgelaufene Produkte, die hätten vernichtet werden müssen. Aber mit diesem Trick als frische oder noch haltbare Waren verkauft wurden. Häufig zu Aktionspreisen, für den Laien war der Bschiss nicht erkennbar. 

Ob auch bei der Herkunft der Produkte – billiges ausländisches als teures Schweizer Fleisch gelabelt – getrickst wurde, ist Gegenstand laufender Ermittlungen. Die kantonale Lebensmittelkontrolle wollte auf Anfrage von Blick dazu keine Fragen beantworten. Die im Lebensmittelgesetz (Art. 56) verankerte Schweigepflicht sei der Grund.

TopCC hält fest: Die betroffenen Artikel wurden von der Geschäftsleitung inzwischen gesperrt und entsorgt. 

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Internes Schreiben der TopCC-Geschäftsleitung bestätigt

Internes Schreiben an alle TopCC-Mitarbeitenden: Am 4. Juni informiert die Geschäftsleitung über Fleisch-Tricksereien im Abholmarkt in Muri BE.

Dass der Deklarationsbschiss keine Lappalie war, unterstreicht ein internes Schreiben des Geschäftsleiters der TopCC AG, das Blick vorliegt. Dieses fanden die über 400 Mitarbeitenden aller elf Schweizer Abholmärkte am 4. Juni in ihrem Postfach. Betreff des Schreibens: «Vorfall in der Metzgereiabteilung TopCC Muri bei Bern». Darin ist von einer «internen, unangekündigten Kontrolle» die Rede, die «diesen Sachverhalt bestätigt». 

TopCC-Abholmarkt in Muri BE.
Leserfoto
Engros-Märkte Top CC gehören zu Spar

Nach neun Jahren unter südafrikanischer Kontrolle ist Spar Schweiz seit September 2025 im Besitz der Tannenwald Holding. Zur Schweizer Investorengruppe gehören damit auch die Ladenformate Eurospar, Spar-Express, Spar-Mini, Maxi und die elf Gastro-Abholmärkte Top CC. Das CC steht für Cash & Carry, das die Abholmärkte seit 1967 mit ihren heute 400 Mitarbeitenden betreiben. Jeder der Engros-Märkte – Slogan: «Einer für alles, offen für alle» – verfügt über ein Sortiment von 30'000 Artikeln sowie eine bediente Metzgerei. Im Abholmarkt posten können alle. Nur eine Einkaufskarte ist nötig, dann haben Privathaushalte die gleiche Auswahl wie Spitzenköche, Restaurants, Vereine, Kinderkrippen oder Kebab-Buden-Betreiber.

TopCC-Abholmarkt in Muri BE.
Leserfoto

Nach neun Jahren unter südafrikanischer Kontrolle ist Spar Schweiz seit September 2025 im Besitz der Tannenwald Holding. Zur Schweizer Investorengruppe gehören damit auch die Ladenformate Eurospar, Spar-Express, Spar-Mini, Maxi und die elf Gastro-Abholmärkte Top CC. Das CC steht für Cash & Carry, das die Abholmärkte seit 1967 mit ihren heute 400 Mitarbeitenden betreiben. Jeder der Engros-Märkte – Slogan: «Einer für alles, offen für alle» – verfügt über ein Sortiment von 30'000 Artikeln sowie eine bediente Metzgerei. Im Abholmarkt posten können alle. Nur eine Einkaufskarte ist nötig, dann haben Privathaushalte die gleiche Auswahl wie Spitzenköche, Restaurants, Vereine, Kinderkrippen oder Kebab-Buden-Betreiber.

Weiter heisst es, dass nicht nur die betroffenen, sondern «sämtliche übrigen TopCC-Metzgereien» daraufhin unangekündigt zweimal kontrolliert wurden. Zu beanstanden gab es gemäss eigenen Angaben bislang nichts. «Es handelt sich um einen isolierten Einzelfall am Standort Muri. Andere Märkte sind nicht betroffen. Ein systematisches Fehlverhalten besteht nicht», so der Geschäftsführer in dem internen Schreiben an die Mitarbeitenden.

Zudem habe man zusätzliche Schulungen zu den gesetzlichen und internen Vorgaben durchgeführt. Dies bekräftigte auch ein Sprecher von TopCC auf Nachfrage. Zudem werde der Fall nun auch extern untersucht.

Strafanzeigen gemacht von Behörde und Abholmarkt

Blick weiss dank einer internen Quelle von mindestens zwei verantwortlichen Rayonleitern in Muri, die fristlos entlassen wurden. Darunter offenbar der Chefmetzger. TopCC hat bei der zuständigen Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige betreffend der Vorgänge eingereicht. «Aufgrund des laufenden Verfahrens können wir deshalb zu einzelnen konkreten Fragen keine weiteren Auskünfte geben», heisst es bei TopCC.

Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland bestätigt eine «Anzeige gegen zwei benannte sowie eventuell weitere, unbekannte Personen wegen Verdachts auf Widerhandlungen gegen das Lebensmittelgesetz», die Anfang Juni 2026 eingegangen sei und ein Vorverfahren ausgelöst habe. 

Auf Jobportalen läuft unterdessen seit 1. Juni die Suche nach neuen Fleischfachleuten für den TopCC-Standort Muri.

Fleisch-Bschiss wirklich nur in Muri?

Handelt es sich tatsächlich um einen «isolierten Einzelfall», wie der TopCC-Geschäftsführer in dem Mitarbeiterschreiben behauptet? 

Eine mit dem Vorfall vertraute Person widerspricht: «Den Entlassenen brachten die Taten keine Vorteile, weder finanziell noch anderweitig».

Der TopCC-Insider lässt vielmehr durchblicken, dass es sich bei den Entlassenen um sogenannte Bauernopfer handle. Der Falschdeklarationsbefehl komme von der Standortleitung, zumindest habe diese Mitwisserschaft. «Damit der Markt zahlentechnisch gut dasteht», so die Quelle. Sie wirft der Geschäftsleitung vor: Auch bei anderen Produkten werde so getrickst wie beim Fleisch. Und nicht nur das: Vor einiger Zeit wurde bereits ein Rayonleiter Fleisch eines anderen Standorts in Rothrist AG ebenfalls fristlos entlassen. 

«Wir nehmen den Fall sehr ernst», so der TopCC-Sprecher. Die Entlassung in Rothrist habe damit nichts zu tun. Andere Märkte seien nicht betroffen. Die eigene Prüfung habe keine Hinweise auf «systematische Verletzungen» innerhalb von TopCC ergeben. «Wir haben keine internen oder externen Hinweise darauf, dass ausländisches Fleisch falsch deklariert wurde. Wir würden eine solche falsche Deklaration auf keinen Fall akzeptieren.»

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