Darum gehts
- US-Präsident Donald Trump kündigt Öffnung der Strasse von Hormus für Freitag an
- Brent-Rohölpreis fällt unter 80 Dollar, Tanken bleibt dennoch teuer
- KOF prognostiziert wegen hoher Energiepreise 0,8 Prozent BIP-Wachstum für die Schweiz im Jahr 2026
In der Nacht auf Montag forderte US-Präsident Donald Trump (80) unmissverständlich: «Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fliessen.» Er tat dies bei seiner Verkündung, dass die Strasse von Hormus bald wieder öffnen soll. Dafür autorisierte Trump die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade bei der so wichtigen Wasserstrasse, durch die rund 20 Prozent der globalen Öl-Fördermenge passieren.
Die Märkte haben bereits auf die angekündigte Öffnung reagiert. So fiel der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent wieder unter 80 Dollar. Auf dem Höhepunkt des Iran-Kriegs war er zeitweise auf bis zu 126 Dollar geklettert. Zu Jahresbeginn kostete ein Fass noch rund 60 bis 65 Dollar.
Wird Tanken jetzt günstiger?
Für Autofahrerinnen und Autofahrer klingt das nach einer guten Nachricht. Doch die Hoffnung auf deutlich tiefere Spritpreise könnte verfrüht sein.
So hat die Ankündigung des möglichen Kriegsendes zwischen den USA und dem Iran bislang nur zu einer kleinen Entlastung an der Zapfsäule geführt. «Die Benzinpreise sind in den vergangenen Tagen leicht gesunken», teilt Marco Wölfli, Mediensprecher beim Touring Club Schweiz (TCS) auf Anfrage von Blick mit. «Wobei die Tankstellen nicht alle gleich schnell reagiert haben», ergänzt er. Je nach Region kostet ein Liter Bleifrei 95 am Mittwoch zwischen 1.73 und 1.98 Franken, Diesel mehr als 2 Franken. Zum Vergleich: Schaut man sich vom TCS erhobene Daten an, lag der durchschnittliche Benzinpreis für Bleifrei 95 Anfang Februar noch bei 1.61 Franken pro Liter, der Dieselpreis pro Liter am Kriegsbeginn vom 28. Februar gar bei 1.75 Franken.
«Schnelle Senkung nicht zu erwarten»
«Je nach geopolitischer Entwicklung ist es gut möglich, dass die Treibstoffpreise weiter sinken», so Wölfli. Wer jedoch auf einen raschen Preissturz hofft, könnte enttäuscht werden.
Denn: «Der Druck auf den Rohölpreis kommt bei den Produktpreisen in Rotterdam zeitverzögert an, weil auch die Verfügbarkeit von Raffinerien, von denen sich mehrere ebenfalls im Persischen Golf befinden, eine Rolle spielt. Eine schnelle Senkung ist deshalb eher nicht zu erwarten», nennt Wölfli einen entscheidenden Faktor. Aus Rohöl muss zuerst in den Raffinerien Treibstoff hergestellt werden. Erst wenn genügend Treibstoff produziert und nach Europa geliefert wird, sinken auch die Preise an der Zapfsäule – und das dauert noch.
Folgen weit über die Zapfsäule hinaus
Auch mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Lage dürfte die Unsicherheit an den Märkten trotz einer Öffnung der Strasse von Hormus vorerst bestehen bleiben. Entscheidend wird sein, ob die Entspannung im Nahen Osten von Dauer ist. Neue Spannungen könnten die Energiepreise erneut in die Höhe treiben und die globale Wirtschaft treffen – mit Folgen weit über die Zapfsäule hinaus: für Unternehmen wie für Konsumenten.
Dass die Auswirkungen des Konflikts auch die Schweiz betreffen, zeigt die aktuelle Prognose des KOF-Instituts. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die höheren Energiepreise die Schweizer Wirtschaft noch länger belasten werden. Für 2026 erwarten sie nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent. In ihrer letzten Prognose waren sie noch von 1 Prozent ausgegangen.