Darum gehts
- Strandbad Zug nach 13-Mio.-CHF-Umbau am 9. Mai eröffnet
- Kritik an Gastronomie, Infrastruktur und Sichtbehinderung durch Wellenschutz
- Besucherzahlen unbekannt, Kritik an 60-Franken-Gerichten und langen WC-Wartezeiten
Das Strandbad Zug gilt als «teuerste Badi Europas». 13 Millionen Franken hat der Umbau gekostet. Eine Summe, die selbst im reichen Zug hohe Wellen geschlagen hat. «Für dieses Geld könnte man fast ein Hallenbad bauen», sagte etwa der Zuger Gemeinderat Manfred Pircher. Ihm ist besonders ein geplanter Sandstrand sauer aufgestossen: «Warum braucht es das? Nur weil sich einige Badegäste ein mediterranes Flair wünschen?», fragte er kurz vor Baubeginn.
Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet. Das Bad wurde am 9. Mai eröffnet. Doch schon zieht ein neuer Sturm über der Zugersee-Badi auf. Diesmal sind es nicht Politikerinnen und Politiker, die schimpfen. Sondern die Badegäste, wie das Onlineportal Zentralplus berichtet. «Das Strandbad Zug war bisher unsere absolute Lieblingsbadi. Wir sind letzten Sommer vom Zürichsee extra mehrmals pro Woche angereist», schreibt eine Badi-Besucherin auf Google. Sie ist enttäuscht. «Alles, was das Strandbad ausgemacht hat, wurde downgegradet.»
«Lieblose Beton-Anlage»
Sie kritisiert die Küche. «Die Speisekarte wurde auf eine ungesunde 08/15-Badiküche mit Fertigsalat und frittierten Speisen reduziert. Wir haben 60 Franken ausgegeben – und wurden nicht satt.» Das Restaurant habe jeden Charme verloren. Das Kinderbädli sei zwar vergrössert worden. «Es ist jetzt aber leider eine lieblose Beton-Anlage», moniert sie. Besonders nervt sie, dass die Sicht weg ist: «Es wurde ein Wellenschutz installiert, der die schöne Aussicht auf den See und die Berge stört.» Das Fazit des Stammgastes: «Wir werden ab jetzt nur noch ab und zu vorbeikommen und das Mittagessen woanders besorgen.»
Eine andere Besucherin kritisiert in den Google-Rezensionen die Parkplatz-Situation rund ums Strandbad. Und die Toiletten. «Es hat genau zwei Frauen-WC, ich musste 30 Minuten anstehen.» Schattenplätze seien zudem rar. «Wieso habt Ihr nicht einfach Segeltücher oder Pavillons aufgestellt, bis die neu gepflanzten Bäume Schatten geben?» Sie habe sich auf den Kiesweg setzen müssen, weils nur dort schattig war. «Wir sind uns vorgekommen wie in einem engen Hühnerstall. Das war definitiv das erste und letzte Mal.»
«Das Angebot ist eine Katastrophe»
Es gibt auch positive Stimmen. «Die Anlage ist wunderbar geworden, die Ufer-Promenade ist wundervoll gestaltet, der Blick auf Rigi und Pilatus ist traumhaft», lobt ein Wassersportler. Das wars dann aber auch schon mit Lob. Denn: «Die Gastronomie ist nur enttäuschend», findet er. «Das Angebot ist eine Katastrophe. Da ist ein Burger bei McDonald's oder Burger King um Welten besser – und günstiger.» Auch er kritisiert die Sitzplätze an der Sonne, vermisst schützende Sonnenschirme.
Betrieben wird die Badi-Beiz von der Blueline Catering & Events, einer Tochtergesellschaft der EVZ Gastro AG. Sie hat acht Mitbewerber ausgestochen. Und sich noch vor Jahresfrist in einer Mitteilung gefeiert.«Wir konnten mit einem innovativen Konzept überzeugen, das auf regionale Produkte, familienfreundliche Preise und digitale Bestellsysteme setzt», hiess es damals.
Heute bedauert der Caterer gegenüber Blick, «dass wir insbesondere am Pfingstwochenende nicht alle Gäste zufriedenstellen konnten». Man habe den Anspruch, den Besuch im Strandbad Zug auch kulinarisch zu einem positiven Erlebnis zu machen. «Wir nehmen die Kritik ernst und haben schnell und konsequent Verbesserungen umgesetzt. Unser Ziel ist klar: eine verlässliche Qualität, faire Preise und ein reibungsloser Service – auch bei hoher Auslastung.»
Die Stadt Zug entschuldigt sich für die Wartezeiten und «Situationen, die nicht in allen Punkten den Erwartungen entsprochen haben». Nach einem «umfassenden Debriefing» wurden verschiedene Anpassungen beschlossen, heisst es gegenüber Blick. So gibts neu fünf statt bisher drei Verkaufspunkte. Das Angebot wird optimiert, die Preise überprüft und die Portionen werden grösser. Zudem verspricht die Stadt «Verbesserungen im Gästefluss und im Ambiente».