Darum gehts
- Adel Abdel-Latif flieht vor iranischen Bomben nach Thailand
- 5400 Schweizer leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ihre Rückkehr führt oft zu Verlusten
- 2025 zogen 9800 Millionäre in die Emirate, viele suchen jetzt Alternativen
Der Schweizer Auswanderer Adel Abdel-Latif (54) hat Dubai verlassen. Mit seinen Kindern flog der Expat jetzt nach Thailand, um sich und seine Familie vor iranischen Bomben und Raketen in Sicherheit zu bringen. «Nur 200 Meter trennten mich in Dubai von plötzlichen Detonationen», schrieb Abdel-Latif, der seit sieben Jahren in der Wüstenstadt lebt und vor 30 Jahren als Mister Schweiz bekannt wurde, am Freitag auf der Karriereplattform Linkedin. Thailand habe er gewählt, «um diese unvorhersehbare Phase unbeschadet zu überstehen».
So wie dem Radiologie-Facharzt und Unternehmer geht es vielen internationalen Expats, also Ausgewanderten, die in die Glitzermetropolen am Persischen Golf gezogen sind. Viele haben Dubai, Abu Dhabi oder Doha mittlerweile verlassen, sind in ihre Heimat zurückgekehrt oder suchen in anderen, sichereren Ländern Zuflucht. Laut offiziellen Statistiken des Bundes leben rund 5400 Schweizer in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wie viele davon zurückgekehrt sind, kann das zuständige Departement in Bern nicht sagen.
Für viele Ausgewanderte wird eine Rückkehr teuer. Sie haben ein Leben vor Ort aufgebaut, ihre Kinder eingeschult und Immobilien erworben. Wer nun zurückkehrt, muss sein Eigenheim verkaufen – was in der aktuellen Situation kaum möglich ist. Anfang Jahr warnte die Grossbank UBS in einer Marktanalyse vor einer Preisblase am Golf – nun ist der Markt komplett eingebrochen. Auf einschlägigen Immo-Portalen werden Zehntausende Immobilien angeboten. Wer aus finanziellen Gründen gezwungen ist, zu verkaufen, riskiert erhebliche Verluste.
Eine Rückkehr ist auch aus steuerlichen Gründen kostspielig. Mit ihrer Nullsteuerpolitik haben die Scheichs von Dubai viele Schweizer und andere Expats angelockt. Wer seinen Wohnsitz in die Schweiz zurückverlegt, wird «ab dem ersten Tag wieder ordentlich steuerpflichtig», erklärt ein Sprecher der Finanzdirektion des Kantons Zürich. Immerhin: Nachsteuern seien nicht vorgesehen, sagt der Sprecher.
Grossbritannien bittet Rückkehrer zur Kasse
In anderen Ländern ist das für die Rückkehrenden schwieriger. In Grossbritannien etwa greift die sogenannte Capital Gains Tax, eine Nachsteuer für Steuerflüchtlinge. Einkommen und Vermögensgewinne, die zuvor ausserhalb des heimischen Steuersystems lagen, können plötzlich steuerpflichtig werden. Betroffen sind Rückkehrer, die weniger als fünf Jahre im Ausland gelebt haben. Wer die Emirate verlässt, legt daher oft einen Zwischenstopp in einem anderen Steuerparadies ein, um seine Vermögenswerte zwischenzuparken.
Dubai hat sich in den letzten Jahren zum Magneten für Superreiche entwickelt. Das Zürcher Beratungsunternehmen Henley & Partners ist spezialisiert auf die Vermittlung von Niederlassungsbewilligungen und Staatsbürgerschaften in Steueroasen. Allein 2025 seien 9800 Millionäre in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgewandert – mehr als in jedes andere Land. Zur aktuellen Lage habe Henley & Partners keine exakten Zahlen, sagt eine Sprecherin. «Wir stellten einen moderaten Anstieg an Anfragen von Ausländern fest, die im Nahen Osten wohnhaft sind.» Reiche Familien seien kurzfristig weggezogen und hätten sich den «Zugang zu weiteren Rechtsordnungen» gesichert, also Aufenthaltsbewilligungen für andere Länder.
Besonders stark nachgefragt seien europäische Aufenthaltsprogramme, etwa in Portugal, Griechenland und Lettland. Auch Staatsbürgerschaften auf den Karibikinseln Antigua und Barbuda, St. Kitts und Nevis sowie Grenada seien begehrt. Anfragen gebe es zudem für Australasien – also Neuseeland und Australien – sowie für Kleinstaaten im Pazifischen Ozean.
Panikverkäufe von Golf-Immobilien
«Ich werde die Lage in aller Ruhe in den nächsten Wochen und Monaten evaluieren», schreibt Abdel-Latif im Nachrichtenaustausch mit Blick. Er werde mit seinen drei Kindern wahrscheinlich bis zum Sommer in Thailand bleiben – mindestens so lange, bis keine Raketen mehr einschlagen. «Ich gehe davon aus, dass die heisse Phase des Kriegs noch zwei bis vier Wochen andauern wird.» Als alleinerziehender Vater werde er jedoch nicht in ein Land zurückkehren, in dem nach wie vor explodierende Raketen zu hören sind.
Die Emirate ganz zu verlassen, habe er nicht vor, schreibt Adel Abdel-Latif. «Als Alternative kämen natürlich nebst meiner Heimat, der Schweiz, auch Singapur oder eben Thailand in Betracht.» Als Unternehmer und Investor sei er zum Glück nicht an einen spezifischen Ort gebunden. Seine Geschäfte sind jedoch nicht von diesem Krieg tangiert. «Ganz im Gegenteil: Wahrscheinlich werde ich mein Immobilien-Portfolio noch weiter aufstocken, da gerade sehr viele Menschen Panikverkäufe tätigen.»