Darum gehts
- Goldpreis seit Iran-Krieg gefallen, 15 Prozent Verlust seit 28. Februar
- Steigende Zinsen und starker US-Dollar belasten den Goldpreis zusätzlich
- Kilogramm Gold kostet aktuell knapp 111'000 Franken
Der Goldpreis ist auf Talfahrt. Das überrascht auf den ersten Blick: Gold und andere Edelmetalle geniessen den Ruf als sicheren Hafen. Zeichnen sich für den globalen Wirtschaftsdampfer am Horizont Krisenzeiten ab, flüchten viele Anleger mit ihrem Kapital in Edelmetalle, könnte man meinen. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sieht man nun das genaue Gegenteil.
Nicht nur die Aktienkurse haben seit dem 28. Februar einen grossen Taucher hingelegt. Auch Gold hat seit Kriegsausbruch fast 15 Prozent seines Werts eingebüsst. Ein Kilogramm kostet derzeit noch knapp 111'000 Franken.
Inflationsängste bringen Goldpreis zum Schmelzen
Die Luzerner Kantonalbank begründet die Talfahrt beim Edelmetall in der aktuellen Einschätzung zum Marktgeschehen mit den Inflationserwartungen. Der massive Preisanstieg beim Öl befeuert die globalen Inflationsängste. Als Folge sind die Zinsen gestiegen, was Anlagealternativen zum Gold attraktiver macht. Denn: Edelmetalle im Portfolio werfen weder Zinsen noch Dividenden ab. «Steigen die Zinsen stark an, kommt Gold oft unter Druck», erklärt Matthias Geissbühler (50), Anlagechef von Raiffeisen Schweiz.
Ein weiterer Grund ist der kurzfristig wiedererstarkte US-Dollar. Gold wird international in US-Dollar gehandelt. Ein stärkerer Dollar verteuert folglich den Goldkauf, was den Preis drückt. Geissbühler erklärt die Dollar-Aufwertung: «Der Iran-Krieg hat Anleger kurzfristig in sichere Häfen wie den US-Dollar getrieben, der als liquideste Währung in solchen Stressphasen dann besonders gefragt ist.»
Gold mittelfristig doch ein sicherer Hafen?
Auch die starken Reaktionen an den Börsen können den Goldpreis kurzfristig unter Druck setzen. Nämlich dann, wenn bei gehebelten Anlageprodukten Kapital nachgeschossen werden muss, damit die Position vom Finanzinstitut nicht aufgelöst wird. «Die Anleger fangen an, alles zu verkaufen, was im Plus liegt. Das führt zu forcierten Goldverkäufen», so Geissbühler.
Kommt es weiterhin zu derart sprunghaften Kurseinbrüchen an den Börsen, könnte auch der Goldkurs weiter nach unten korrigieren. Doch die genannten Gründe wirken vor allem kurzfristig. «Falls der Krieg länger dauert und die Inflation steigt, werden Anlagen, die einen gewissen Inflationsschutz wie Gold bieten, wieder stärker nachgefragt», sagt Geissbühler.
Die Notenbanken würden dann eigentlich mit Zinserhöhungen liebäugeln. Doch der Spielraum dafür ist beschränkt, da die Wirtschaft in vielen Ländern bereits leidet. Mittelfristig dürfte der Goldkurs wieder zum sicheren Hafen werden.