Darum gehts
- Brent-Öl stieg seit Kriegsbeginn um 55 Prozent
- Spot-Preise für physisches Rohöl sind viel stärker angestiegen
- Eingriffe der US-Regierung drücken auf die Termingeschäfte
Wie gebannt schaut die Welt auf den Rohölpreis. Doch auf welchen Preis soll man eigentlich genau schauen? Als Standard hat sich der Preis für sogenanntes Brent-Öl etabliert. Seit Ausbruch des Kriegs verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) von 70 auf 109 US-Dollar – diese Woche kratzte der Preis gar an der Marke von 120 Dollar.
Doch der Brent-Rohölpreis sagt nur die halbe Wahrheit aus. Es handelt sich um einen sogenannten Future-Preis an einer Terminbörse – also um einen Preis für ein Handelsgeschäft, das in der Zukunft stattfindet. Das Problem ist: Die Future-Preise spiegeln die Lieferengpässe durch die praktisch geschlossene Strasse von Hormus und die teils zerstörten Anlagen nicht korrekt wider.
Preisexplosion beim Kerosin
Das zeigt sich darin, dass der Tagespreis für Rohöl deutlich höher liegt. Der sogenannte Spot-Preis – den Käufer also «on the spot» zu bezahlen haben – für Rohöl aus dem Oman kostet aktuell 160 Dollar pro Fass. Noch extremer ist die Entwicklung beim Kerosin: Europäisches Flugbenzin (European Jet Fuel) kostet aktuell über 210 Dollar. Ebenfalls deutlich stärker angezogen hat der Preis für Schweizer Heizöl: Diese Woche kosteten 100 Liter 150 Franken. Zieht man die Steuern und Abgaben ab, beträgt die Preissteigerung um die 85 Prozent. Beim Brent-Öl sind es «nur» 55 Prozent.
Was ist der Grund, dass Future- und Spot-Märkte so ungewöhnlich weit auseinanderliegen? Die US-Regierung versucht mit allen Mitteln, die Preise niedrig zu halten. Unter anderem tut sie das durch Eingriffe wie etwa durch die Freigabe von Notvorräten. Das ist Kosmetik, um die Wähler im Hinblick auf die Zwischenwahlen milde zu stimmen. Tatsächlich ist die Weltwirtschaft von einem deutlich stärkeren Preisschub betroffen, als es die Terminkontrakte vermuten lassen.