Darum gehts
- Caspar Coppetti von On behauptet, 80 Stunden pro Woche zu arbeiten
- Arbeitspsychologin warnt: Solche Aussagen setzen Mitarbeitende unter Druck
- Schweizer arbeiten durchschnittlich 35 Stunden wöchentlich, fünf Stunden mehr als Deutsche
Schweizerinnen und Schweizer arbeiten durchschnittlich 35 Stunden pro Woche. Das sind fünf Stunden mehr als unsere deutschen Nachbarn und etwas weniger als die Amerikaner. In einer anderen Dimension bewegt sich On-Gründer und Verwaltungsratspräsident Caspar Coppetti (49). Zumindest, wenn man seiner eigenen Aussage über sein persönliches Arbeitspensum glaubt.
Gemeinsam mit Co-Gründer David Allemann (55) hatte er im März zusätzlich zu seinem Verwaltungsratsmandat auch noch die Nachfolge von Martin Hoffmann (47) als Co-Geschäftsführer übernommen. In einem Beitrag von SRF Börse auf die zusätzlichen Aufgaben angesprochen, antwortet Coppetti schmunzelnd: «Die Woche hat 80 Stunden, das wissen wir alle.» Ein Satz, der für Stirnrunzeln sorgt. Kann – und soll – man wirklich so viel arbeiten?
Aussage setzt Mitarbeitende unter Druck
Bei Arbeitspsychologin Hildegard Nibel (65) sorgt die Aussage für Kopfschütteln. «Caspar Coppetti sendet damit ein Signal an die ganze Firma.» Denn damit sage der On-Gründer implizit, dass er dieselbe Erwartungshaltung an die gesamte Belegschaft habe. «Diese Aussage setzt seine Mitarbeitenden unter Druck», ist Nibel überzeugt. Das mache diese am Ende weniger innovativ, kreativ und kooperativ. «Bei einem Unternehmen, das sich damit brüstet, besonders innovativ zu sein, ist das nicht zielführend.»
Ganz grundsätzlich seien solche Arbeitszeiten nicht produktiv. «Die Forschung zeigt, dass ein Mensch maximal sechs Stunden am Tag konzentriert arbeiten kann», erklärt Nibel. Hinzu komme: «Leute, die sehr viel arbeiten, haben ein höheres Risiko für psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder schlechten Schlaf.» Ausserdem steige das Risiko für Depressionen, so die Arbeitspsychologin. Sie kritisiert, dass Coppetti damit ein schädliches Ideal vermittle.
«Humorvolle Überspitzung»
Bei On relativiert man die Aussagen des eigenen Chefs. Das Ganze sei vielmehr mit einem Augenzwinkern zu verstehen. «Es handelt sich um eine humorvolle und überspitzte Bemerkung im Kontext eines dynamischen Gesprächs», sagt eine On-Sprecherin zu Blick. Auch wenn darin ein Körnchen Wahrheit liege: «Die Führung eines Unternehmens wie On erfordert von der gesamten Geschäftsleitung ein ausserordentlich hohes Engagement.» Dies lasse sich nicht immer in klassischen 40-Stunden-Wochen messen, so die Sprecherin.
Der Sportartikelhersteller betont, dass Erholung über alle Hierarchiestufen hinweg wichtig sei. «Unsere Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten und die Anzahl Ferientage flexibel zu bestimmen». Das komme laut On bei den Mitarbeitenden an: «In jährlichen anonymen Umfragen äussert sich die überwältigende Mehrheit äusserst zufrieden mit der Work-Life-Balance».
Klar ist: Den neuen, alten Chefs wird die Arbeit nicht ausgehen. Das starke Wachstum in den USA, Diskussionen um die Verwendung des Schweizerkreuzes oder auch mal Beschwerden über quietschende Schuhe erfordern ihre Aufmerksamkeit.