Darum gehts
- Im Züricher Kreis 4 entstehen 47 Wohnungen über Denner-Filiale nach Umbau
- Gebäude aus den 1960ern wird saniert, Denner-Filiale bleibt trotz Schliessung erhalten
- Schweizweit Trend: 260 Wohnungen ersetzen Büros in Zürcher Quadro Towers bis 2028
Bezahlbarer Wohnraum ist knapp – besonders in der Stadt Zürich. Hier steht laut offiziellen Zahlen nur jede tausendste Wohnung leer. Mieter suchen oft monatelang nach einer Wohnung. Ein mögliches Rezept gegen die Wohnungsnot: Büros in Wohnraum umwandeln. Genau das passiert jetzt direkt an der Ausgehmeile im Chreis Cheib, dem berüchtigten Zürcher Kreis 4.
Über der Denner-Filiale am Emilie-Lieberherr-Platz sind heute kleine Büros und Gewerbler zu Hause. Architekten, Fahrschulen, Softwareunternehmen und Stiftungen teilen sich die Räumlichkeiten im fünfstöckigen Gebäude an der Zürcher Langstrasse. Doch in etwas mehr als einem Jahr müssen sie ihre Kisten packen und sich nach einem neuen Zuhause umschauen. Das Gebäude aus den 1960er-Jahren ist in einem schlechten Zustand und wird vollständig saniert. Statt Büros kommen neu 47 Wohnungen ins Haus. Der «Tages-Anzeiger» berichtete zuerst.
Denner baut Filiale um
Die Immobilie gehört einem Swisscanto-Immobilienfonds der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Wie teuer die Wohnungen nach dem Umbau sein werden, ist noch nicht klar. Die Besitzer informieren darüber erst, sobald die Wohnungen ausgeschrieben sind, heisst es.
Doch nicht alle Parteien müssen ausziehen. Die Denner-Filiale im Erdgeschoss darf ihren Standort behalten. Durch ihre Lage mitten im berüchtigten Chreis Cheib hat die Filiale Kult-Status erreicht. Studenten, Randständige und Partygänger kaufen hier ein. «Unsere dortigen Mitarbeitenden sind beinahe Seelsorger», sagt ein Denner-Sprecher zu Blick. Für den Discounter sei es wichtig, dass man hier nahe bei den Leuten ist. «In der Stadt Zürich gibt es kaum einen stärker frequentierten Ort», so der Sprecher weiter. Die Sanierungsarbeiten will Denner nutzen, um seine Filiale zu modernisieren. Dafür rechnet das Unternehmen mit einer mehrwöchigen Schliessung des Geschäfts.
Wohnungen statt Büros
Wohnraum auf ehemaligen Gewerbeflächen zu schaffen, liegt im Trend. Durch Homeoffice und Teilzeitarbeit sind Büroflächen vielerorts nicht effizient genutzt. Immer häufiger prüfen Immobilienbesitzer deshalb, ob sie ihre Liegenschaft umgestalten können. Und es gibt prominente Beispiele: Dort, wo früher 1000 Angestellte der Credit Suisse in den Quadro Towers in Zürich-Oerlikon arbeiteten, sollen bis 2028 insgesamt 260 Wohnungen entstehen. Auch in Basel gibt es ähnliche Projekte: Im alten Bürogebäude des Amts für Umwelt und Energie im Basler Hafenquartier entstehen 28 neue Wohnungen.
Doch nicht jedes Bürogebäude lässt sich so einfach umrüsten. Der Umbau ist oft teuer und aufwendig. Neben neuen Küchen, Bädern und Toiletten müssen im Gebäude auch neue Mauern hochgezogen werden.