Darum gehts
- Brandy Melville in Zürich schliesst Umkleidekabinen
- Kundinnen bemängeln fehlende Anprobemöglichkeit bei Einheitsgrössen, nur Gutscheine statt Rückerstattung
- Keine gesetzlichen Ansprüche auf Umtausch in der Schweiz laut Konsumentenschutz
Der Modeladen Brandy Melville ist bei vielen Teenagern und jungen Frauen sehr beliebt. Derzeit sorgt die italienische Fast-Fashion-Marke aber für Ärger bei Schweizer Kundinnen. Denn das Unternehmen hat in Zürich seine Umkleidekabinen geschlossen, wie das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» zuerst berichtet hat.
Bilder eines Blick-Lesereporters zeigen: In der Zürcher Filiale am Rennweg weist ein Zettel auf die geschlossenen Umkleidekabinen hin. «Um die Qualität unserer Waren zu gewährleisten, ist das Anprobieren von Kleidung nicht erlaubt», heisst es darauf.
Für die Teenies ist das mühsam. Wer ein Kleidungsstück toll findet, muss hoffen, dass es passt. Auch das schnelle Anprobieren im Laden ist nicht erlaubt, wie aus Google-Kommentaren hervorgeht. Dabei wäre das bei Brandy-Melville-Stücken besonders wichtig. Denn die Marke verkauft Kleider nur in Einheitsgrössen. Bei Kundinnen kommt die neue Regel schlecht an.
Unzählige Kommentare auf Google bemängeln die fehlenden Umkleidekabinen. «Für mich als Mutter war diese ganze Situation äusserst unangenehm und verstörend. Die Atmosphäre hat sich dadurch sehr falsch und unangebracht angefühlt», motzt eine Frau in ihrem Kommentar. Und weiter: «Ich bin ehrlich gesagt unglaublich wütend und enttäuscht. Ich habe mich noch nie wegen eines Geschäfts so stark aufgeregt.» Ihre Töchter seien nun sehr traurig.
Probleme mit Kaugummis
Was die Massnahme noch absurder macht: Kundinnen können gekaufte Artikel zwar retournieren. Es gibt jedoch nur einen Gutschein des Ladens und kein Geld zurück. Auffällig: Bestellen Teenies beim Modeladen online, können sie die Waren innerhalb von zwei Wochen auf eigene Kosten zurücksenden. Nur hilft das Schweizer Kundinnen wenig: Brandy Melville liefert derzeit nicht in die Schweiz.
Die genauen Gründe für das Vorgehen bleiben unklar. Der Teenie-Modeladen reagiert nicht auf Anfragen. Der Kundendienst meldet, man sei nur für Onlinebestellungen verantwortlich. Eine Angestellte in der Zürcher Filiale erklärte gegenüber dem SRF-Magazin, die Schliessung habe mit zahlreichen Diebstählen zu tun.
Einen möglichen Hintergrund liefern Vorkommnisse in den USA. In den dortigen Läden baute Brandy Melville die Kabinen bereits im Juni aus. Mitarbeitende betonten damals Probleme mit Kaugummiresten. Kundinnen sollen die nicht ganz schliessenden Vorhänge mit Kaugummi an der Wand fixiert haben. In Zürich soll das ebenfalls vorgekommen sein, wie 20 Minuten bei einem Besuch im Juni feststellte, als die Kabinen noch in Betrieb waren.
Was sagt der Konsumentenschutz?
Die neue Regel sorgt auch beim Konsumentenschutz für Unverständnis. «Das Risiko unzufriedener Kundinnen ist hier gross», sagt Livia Kunz, Leiterin Recht beim Konsumentenschutz, gegenüber Blick. «Das ist aber insbesondere auch das Risiko von Brandy Melville.» In der Schweiz gibt es ausserdem keinen gesetzlichen Anspruch auf Umtausch. «Konsumenten sind gänzlich auf die Kulanz der Anbieter angewiesen.» Dass aber Teenies nicht anprobieren dürfen und nur einen Gutschein zurückerhalten, «verschärft die Kundenunfreundlichkeit», heisst es beim Konsumentenschutz.
Rechtlich gesehen kann man dem Modeladen nichts vorwerfen. «Bis zum Bezahlen ist die Kleidung Eigentum der Firma. Darum darf das Geschäft das Anprobieren verwehren», sagt Livia Kunz.