Bolt-CEO entlässt komplette Personalabteilung
«Sie haben Probleme geschaffen, die gar nicht existieren»

Bolt-CEO Ryan Breslow sorgt erneut für Schlagzeilen. Der Jungunternehmer hat die gesamte HR-Abteilung seines Start-ups entlassen. Während einige den Schritt verstehen, werfen ihm Kritiker eine Marketingaktion vor.
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Unternehmer Ryan Breslow sorgt mit ungewöhnlichem Schritt für Schlagzeilen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bolt Financial stürzt von CHF 8,6 Mrd. auf 235 Mio. ab
  • Ryan Breslow entlässt gesamte HR-Abteilung wegen angeblich unnötiger Probleme
  • Unternehmenswertverlust von 97 %, radikale Sparmassnahmen eingeleitet
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Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Ryan Breslow (32) schwimmt gerne gegen den Strom. 2014 gründete der Studienabbrecher das Start-up Bolt Financial mit der Vision, Onlineshopping radikal zu revolutionieren. Ein einziger Klick sollte für den gesamten Bezahlvorgang reichen. Daneben sorgte der Jungunternehmer mit einer fortschrittlichen Firmenkultur für Schlagzeilen: Neben einer Viertagewoche gewährte er seinen Angestellten unbegrenzte bezahlte Ferientage. Seither ist die Euphorie jedoch verflogen. Aufgrund von Führungskrisen, Rechtsstreitigkeiten und unsicherem Geschäftsmodell ist der angenommene Wert seines Unternehmens in den letzten Jahren, je nach Schätzung, um bis zu 97 Prozent eingebrochen.

Und auch von der einstigen Firmenkultur ist heute nicht mehr viel übrig. Sowohl die Viertagewoche als auch die Ferienregelung hat der Jungunternehmer in der Zwischenzeit zurückgenommen. Statt langer Wochenenden und unbegrenzter Ferien gibt es jetzt bei Bolt eine knallharte Verschlankungskur. Besondere Aufmerksamkeit erlangte Breslow nun für seine Entscheidung, die gesamte Personalabteilung zu entlassen, wie «Fortune» berichtet hat.

«Probleme geschaffen statt gelöst»

«Wir hatten eine HR-Abteilung, die Probleme geschaffen hat, die eigentlich gar nicht existiert haben», teilte der Jungunternehmer auf einer Konferenz des US-Magazins Fortune zur Innovation in der Arbeitswelt aus. «Sobald wir sie entlassen hatten, waren die Probleme weg.» Um welche Probleme es sich konkret gehandelt hatte, erklärte er dabei nicht. Gleichzeitig betonte Breslow, dass er dies nicht allen Unternehmen empfehlen würde. «Wir sind ein Start-up, bei dem die Leute im Homeoffice arbeiten», erklärt er. «Deshalb haben wir die meisten Probleme, mit dem sich HR-Abteilungen normalerweise herumschlagen, gar nicht erst.»

In den sozialen Medien erhält der CEO für seine Entscheidung viel Widerspruch: «Die Probleme sind nicht verschwunden. Du hast nur die Leute gefeuert, die dich auf die Probleme hingewiesen haben», erwidert eine Nutzerin unter einem Post auf der Plattform Linkedin. Andere werfen ihm vor, dass es sich bei der ganzen Sache um eine PR-Aktion handle. Einige haben aber auch Verständnis für die Entscheidung. Gerade in den USA, aber auch in der Schweiz gibt es immer mehr Widerstand gegenüber den Personalabteilungen. Ihnen wird vorgeworfen, sich auf Nebenschauplätze wie Nachhaltigkeit oder ESG zu fokussieren, statt sich für die Mitarbeitenden einzusetzen.

Während die Personalabteilung bei Bolt nun also ganz weg ist, setzt Breslow auch im restlichen Unternehmen den Rotstift an. «Viele Leute hatten eine hohe Anspruchshaltung, ohne selbst hart zu arbeiten. Letztlich mussten wir sie entlassen, um produktiver zu werden». Auf diesem Weg hat das Unternehmen neu statt einem HR ein kleineres «People Operations»-Team, das sich auf die wichtigsten Aufgaben beschränkt.

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