Darum gehts
- Thailands Tourismus leidet: Gästezahlen aus Europa und Nahost stark eingebrochen
- Flugpreise nach Kriegsausbruch auf 2800 Franken gestiegen, jetzt wieder niedriger
- 70 Prozent der Gasimporte und 80 Prozent der Ölimporte aus Nahost
Thailands Tourismusbranche schlägt Alarm! Bereits im letzten Jahr gab es einen deutlichen Rückgang der ausländischen Feriengäste. Und jetzt droht wegen des Iran-Kriegs ein Einbruch der Gäste aus Europa und dem Nahen Osten. Dabei werden diese Herkunftsregionen für das Land immer wichtiger: Mehr als jeder fünfte Gast in Thailand kommt aus Europa oder dem Nahen Osten. Und: Sie bleiben länger und lassen deutlich mehr Geld liegen als Feriengäste aus anderen Regionen.
Die Tourismusbehörde von Thailand hat deshalb reagiert – und ein Krisenzentrum eingerichtet. Intern wird dieses gemäss dem Onlineportal «Thailand Sun» martialisch als «War Room» bezeichnet. Ziel ist es, die Tourismusströme und die Entwicklung genau zu beobachten, um – wenn nötig – Massnahmen zu ergreifen. Dazu gehören Flugverbindungen, Treibstoffpreise, Flugkapazitäten und Buchungstrends.
Einbruch bei Gästen aus Europa und dem Nahen Osten
Der Iran-Krieg kommt zur Unzeit: Der letztjährige Rückgang der ausländischen Gäste um mehrere Millionen war für die Tourismusbranche ein Schock. Im asiatischen Raum ist die starke thailändische Landeswährung Baht zum Problem geworden. Im so wichtigen chinesischen Markt verzeichnet Thailand einen regelrechten Einbruch. Nun wächst die Sorge vor leeren Stränden und leeren Kassen.
Es zeigen sich bereits Risse: So ist die ausländische Gästezahl in den ersten drei Monaten erneut um mehrere Prozent gesunken. In den letzten vier Wochen brach der Tourismus aus Europa und dem Nahen Osten stark ein. Die Flugpreise stiegen vorübergehend auf das Dreifache. Ein Flug von Zürich nach Thailand und zurück kostete nach dem Kriegsausbruch zeitweise 2800 Franken. Aktuell haben sich die Preise wieder deutlich beruhigt. Doch die Unsicherheit bleibt gross – und der Tourismus ist für Thailands Wirtschaft eine zentrale Säule.
Hälfte der Fischerboote bleiben an Land
Das behördliche Krisenzentrum will deshalb die Abhängigkeit von Langstreckenmärkten reduzieren und den Fokus auf Nahmärkte legen. Ein heikles Unterfangen, da dieser Strategiewechsel gerade bei Hotels im gehobenen Segment zu Einbussen führen dürfte.
Der Iran-Krieg bedroht aber nicht nur die Tourismusbranche: Die hohen Spritpreise schmerzen neben den Autofahrern auch die vielen Fischer im Land. Rund die Hälfte von ihnen hat den Betrieb eingestellt, wie es in einem Beitrag der ARD heisst. Thailand gehört global zu den wichtigsten Lieferanten von Meeresfrüchten, jetzt aber steigen die Fischpreise stark. Eine einzige Bootflotte verbrauche über 30'000 Liter Sprit, erzählt ein Betroffener gegenüber der deutschen Fernsehanstalt. «Wie sollen wir da Gewinn machen?», fragt er.
Thailand ist wie viele asiatische Länder stark von Rohstoffen aus dem Nahen Osten abhängig: Sie machen fast 70 Prozent der Gasimporte und fast 80 Prozent der Ölimporte aus. Die Regierung hat deshalb die Spritmengen beim Tanken begrenzt. Zudem sollen die Klimaanlagen im Land trotz grosser Hitze gedrosselt werden. Wenn nun auch noch der Tourismus leidet, bekommt das Land weitere wirtschaftliche Probleme. Mit dem «War Room» will man da gegensteuern.