Bilanz-Ranking 2026
Das sind die zehn besten Stadthotels in Europa

«Irreplaceable places» – Häuser mit hohem Einmaligkeitsfaktor – haben dem austauschbaren globalen Hotelstandard den Rang abgelaufen.
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Auch das Hotel Cipriani in Venedig schafft es in die Top Ten.
Foto: PD

Darum gehts

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Claus Schweitzer
Bilanz

Platz 1 (Vorjahr: 2): Portrait Milano, Mailand

Mitten im ultra-noblen Modeviertel dämmerte das ehemalige erzbischöfliche Priesterseminar jahrzehntelang im Dornröschenschlaf – bis Leonardo Ferragamo, Spross der florentinischen Modedynastie, von einem Freund auf dieses verborgene Kleinod in einem verschachtelten Hinterhof-Labyrinth aufmerksam gemacht wurde. Er trat in Dialog mit der Kirche, überzeugte die Verantwortlichen von seiner Vision – und liess den historischen Gebäudekomplex aus dem 16. Jahrhundert wie einen Phönix aus der Asche auferstehen. Neun Jahre vergingen bis zur Eröffnung des «Portrait Milano» im Jahr 2023. Für die Ferragamos, die mit ihrer Marke Lungarno Collection bereits fünf Hotels in Rom und Florenz etabliert haben, war klar: Dieses Juwel sollte nicht länger einem auserwählten Kreis vorbehalten bleiben. Vielmehr sollte es sich wie ein Geschenk an die Bewohner und Besucher der lombardischen Metropole öffnen. «Über 500 Jahre lang hat kaum jemand diesen Ort gekannt – obwohl viele Mailänder täglich daran vorbeigingen», erklärt Leonardo Ferragamo. Zentrum der Anlage ist die Piazza del Portrait, ein quadratischer, von Arkaden gesäumter Innenhof mit 45 Metern Seitenlänge – der grösste Platz im gesamten Modeviertel. Eine neu geschaffene Passage verbindet den lebhaften Corso Venezia mit der pittoresken Via Sant’Andrea und erschliesst die Piazza erstmals für Fussgänger. Wer einen der beiden Eingänge passiert, fühlt sich augenblicklich in eine andere Welt versetzt – und dort auf Anhieb willkommen. Das Hotelteam besteht aus zugänglichen, lebensfrohen Ragazzi, ganz ohne Allüren. Unter den Arkaden finden sich das vergleichsweise erschwingliche Hotelrestaurant «10_11» mit solider norditalienischer Küche, das trendige Restaurant «Beefbar», zwei Bars sowie der ortsspezifische Concept Store «Antonia». Für Entspannung sorgt das Spa mit innovativen Anti-Aging-Behandlungen und einem mystisch anmutenden Pool unter antiken Gewölben – ideal, bevor man sich in der Cocktailbar «Rumore» einen perfekt gemixten Negroni gönnt. Die privaten Hotelbereiche beginnen ab dem ersten Obergeschoss. Dort führt ein verglaster Säulengang zu vielen der insgesamt 73 Zimmer – einige mit Blick in den Garten, andere auf stille Innenhöfe. Für das Interieur durchstöberte Innenarchitekt Michele Bönan Antiquitätengeschäfte und Flohmärkte auf der Suche nach Vintage-Stücken der 1950er- und 1960er-Jahre – darunter auch Skizzen von Mode- und Möbelentwürfen jener Epoche, einschliesslich Arbeiten von Salvatore Ferragamo, mit dem einst alles begann.

Wenn doch nur … dieses in neuen oder totalerneuerten Hotels offenbar unvermeidliche nächtliche LED-Inferno aus beleuchteten Schaltern und Standby-Lämpchen nicht wäre.

Platz 2 (Vorjahr: 5): Le Bristol, Paris

Manche Hotels verlieren mit der Zeit ihren Glanz – andere, wie das «Le Bristol», gewinnen stetig an Ausstrahlung. Das hat im Wesentlichen drei Gründe. Erstens verkörpert das 1925 eröffnete klassische Grand Hotel an der Rue du Faubourg Saint-Honoré zurückhaltenden Luxus in seiner schönsten Form. Im Gegensatz zum Hôtel Ritz Paris, zum Hôtel de Crillon oder zum «Le Meurice» versteht sich das Haus bewusst weniger repräsentativ. Seinen femininen Charme und die wohnliche Ambiance konnte es bis heute bewahren und sich damit von der oft eher maskulin geprägten Ästhetik vieler Pariser Mitbewerber abheben. Der bezaubernde Innenhof mit seinem Gartenrestaurant unterstreicht diese besondere Note und lässt für einen Moment vergessen, dass man sich im Herzen einer der geschäftigsten Metropolen Europas befindet. Der zweite Erfolgsfaktor ist die unaufgeregte Dynamik, welche die Verantwortlichen der Oetker Collection an den Tag legen, ohne dabei die 101-jährige DNA des Luxushauses zu verwässern. Stets gibt es etwas Neues oder Modernisiertes zu entdecken – sei es der Fitnessbereich, der Rooftop-Pool oder die «Suite Eden» mit eigener Dachterrasse und Sauna. 2024 übernahm Küchenchef Arnaud Faye die Leitung der drei Restaurants und verlieh insbesondere dem «Epicure» eine neue kulinarische Handschrift. Diese ist von einer raffinierten vegetarischen Philosophie geprägt – wer möchte, kann seine Gerichte jedoch mit Fisch oder Fleisch ergänzen. Die Neugier der Feinschmecker aus aller Welt ist ungebrochen: Trotz schwindelerregender Preise ist ohne frühzeitige Reservation kaum ein Tisch zu ergattern. Im Frühjahr 2026 wurden dem «Epicure» erneut drei «Michelin»-Sterne verliehen. Was das «Le Bristol» jedoch besonders auszeichnet, ist sein aussergewöhnlich aufmerksamer Service – eine gelebte Gastfreundschaft, die das Haus zum Strahlen bringt und massgeblich zum Plus von drei Rängen im aktuellen Ranking beigetragen hat. Viele der mehreren Hundert Mitarbeitenden sind seit Jahren hier tätig und längst Teil der Hotelfamilie. Dazu gehört auch die stolze Hauskatze Socrate, die mit ihrem skurrilen Charme selbst prominenten Gästen regelmässig die Schau stiehlt.

Wenn doch nur … die Preise für die einzelnen Dienstleistungen nicht so sehr an Abzocke grenzten: 52 Euro für Pasta mit Tomatensauce im Room-Service, 72 Euro für ein American Breakfast im Café Antonia, 320 Euro für eine 55-minütige Facial-Energie-Massage.

«Bilanz»-Ranking 2026: Die 300 besten Hotels in der Schweiz und Europa

Welche Hotels schaffen es an die Spitze der Schweiz und Europas? Das «Bilanz»-Ranking 2026 verrät, welche Hotels ganz oben stehen. Überraschend: Viele Sieger glänzen nicht mit Neubauten, sondern mit frischen Ideen. Hier geht es zur vollständigen Rangliste.

Welche Hotels schaffen es an die Spitze der Schweiz und Europas? Das «Bilanz»-Ranking 2026 verrät, welche Hotels ganz oben stehen. Überraschend: Viele Sieger glänzen nicht mit Neubauten, sondern mit frischen Ideen. Hier geht es zur vollständigen Rangliste.

Platz 3 (Vorjahr: neu): The Chancery Rosewood, London

London ist die Stadt mit den meisten Luxushotels der Welt, entsprechend mörderisch ist der Wettbewerb. Mit dem «The Chancery Rosewood», das aus der ehemaligen amerikanischen Botschaft entstanden ist, wurde die Messlatte nun erneut höher gelegt. Das modernistische Gebäude mit seiner klaren, geometrischen Formensprache und den grossen Fensterfronten wurde 1960 von Eero Saarinen entworfen und jüngst von David Chipperfield behutsam erweitert. Es liegt am Grosvenor Square, einem der elegantesten Plätze in Mayfair. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten sind zu Fuss erreichbar, die Oxford Street ist praktisch um die Ecke. Für die Gestaltung der Innenräume wurde passenderweise Joseph Dirand engagiert, einer der prägenden Stilbildner eines «stillen Luxus». Sämtliche 144 Zimmer sind Suiten, keine kleiner als 53 Quadratmeter, eingerichtet in warmen, gedeckten Tönen und mit natürlichen Materialien von hoher haptischer Qualität. Auf klassische Hotelästhetik wurde bewusst verzichtet – zugunsten eines wohnlich durchwirkten Mid-Century-Modernismus. Residential Living, wie es heute heisst. Zum Angebot gehören fünf Restaurants und Bars für jede Stimmungslage sowie ein Spa mit 25-Meter-Pool. Von der Eagle Bar im Dachgeschoss blickt man – ebenso wie die riesige vorgelagerte Adler-Skulptur (ein Relikt aus der Zeit von «Little America») – über Mayfair und auf den Hyde Park. Die Liebe zum Detail zeigt sich überall: in sorgfältig kuratierten Playlists, den Uniformen der Mitarbeitenden, im Blumenschmuck oder dem kostenlosen Chauffeurservice für Fahrten in der näheren Umgebung. Der eigentliche X-Faktor liegt hier jedoch in der Kunst: Rund 800 Werke britischer und amerikanischer Kunstschaffender verteilen sich über das gesamte Haus. Hinzu kommen einige grossformatige «commissioned works of art» in den öffentlichen Räumen – eigens für Lobby, Restaurants und Event-Zonen entworfene Auftragsarbeiten, die Bezüge zum traditionsreichen, teils von Massschneiderei geprägten Mayfair-Quartier oder zum diplomatischen Vorleben des Gebäudes herstellen. Im Eingangsbereich der Hauptlifte etwa hängt eine Werkserie, die Oscar Wilde mit originellen Collagen aus viktorianischen Schnittmustern würdigt – der Schriftsteller lebte einst selbst am Grosvenor Square.

Wenn doch nur … die interne Kommunikation im Hotelteam verlässlicher funktionieren würde. Oft scheint die linke Hand nicht zu wissen, was die rechte tut – mit der Folge von Service-Inkonsistenzen und organisatorischen Fehlern, die in einem Ultra-Luxushotel weit stärker ins Gewicht fallen als in weniger exklusiven Häusern.

Platz 4 (Vorjahr: 1): Hotel Vier Jahreszeiten, Hamburg

Der letztjährige Spitzenreiter muss sich in diesem Jahr mit dem vierten Rang begnügen, bleibt jedoch ein Leuchtturm urbaner Hospitality – mit konstanten Höchstwerten in puncto Servicequalität. Dieser Erfolg ist untrennbar mit der Persönlichkeit und der mitreissenden Art des Hoteldirektors verbunden. Ingo C. Peters, der seine Laufbahn als Page im «Vier Jahreszeiten» begann, führt das Haus nun seit 29 Jahren – mit einer Hingabe, als wäre es sein eigenes. An seiner Seite steht seine Frau Christiane: kreative Sparringspartnerin und passionierte Gestalterin. Rückhalt erhält Peters zudem von Eigentümer Kurt Dohle, der mit klugen Investitionen die Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung schafft – zuletzt etwa durch die gelungene Modernisierung des Grill-Restaurants. Für Peters ist jede Neuerung mehr als eine blosse Veränderung; sie fügt sich in ein grösseres Ganzes ein. Aus der stetigen Verfeinerung der Bühne erwächst die Aufgabe, sie mit Leben, Swing und Sinn zu füllen – getragen von einem Selbstverständnis, das die Tradition respektiert und zugleich den Blick nach vorne richtet. «Hotels, die es verstehen, die lokale Community ins Haus zu holen – sei es zum Kaffee, zur Geburtstagsfeier oder zum Geschäftsessen –, verankern sich im Alltag der Stadt», sagt er. Und genau das ist hier spürbar: in der Lobby, in den Restaurants, an der Bar. Hier trifft Hamburg auf die Welt. Ein Austausch, lebendig und belebend. Und eine Atmosphäre, wie sie nur an diesem Ort entstehen kann. Peters ist überzeugt: «Ein Hotel ist nur so gut wie seine Gäste.» Diese schätzen jenes Gefühl von Grosszügigkeit, das sich wie ein roter Faden durch das «Vier Jahreszeiten» zieht – von der Blumendekoration über den Pianisten in der Wohnhalle bis zu den internationalen Zeitungen beim Frühstück oder den hochwertigen Pflegeprodukten in den Bädern. Scheinbar kleine Dinge, die andernorts längst eingespart wurden – in der Annahme, niemand werde sie vermissen. Im «Vier Jahreszeiten» hingegen wird bei jedem Besuch deutlich: Wieder ist ein schönes Detail hinzugekommen, ein weiteres Puzzleteil ergänzt worden. Mit modernen Akzenten gelingt es, die historische DNA des Hauses in die Gegenwart zu übersetzen – beispielsweise durch die Transformation der Weinkellergewölbe unter dem Alsterspiegel in öffentlich zugängliche Räume oder die sinnenfreudige Gestaltung des gesamten Küchenbereichs. Dieser hat sich zum gefragten Veranstaltungsort entwickelt und eröffnet auch den Gästen des Gourmetrestaurants Haerlin (drei «Michelin»-Sterne) exklusive Einblicke hinter die Kulissen – sei es beim Aperitif oder bei einem Abend am Chef’s Table. «Solange ich Freude daran habe und relevant bleibe, mache ich weiter», sagt der 64-jährige Vollbluthotelier. «Ein Hotel kurzfristig erfolgreich zu führen, ist keine grosse Kunst. Wahre Meisterschaft zeigt sich erst auf lange Sicht – wie bei einem Fussballclub, der über Jahrzehnte hinweg in der obersten Liga spielt.»

Wenn doch nur … die leise Enttäuschung beim Bezug eines Zimmers «mit Gartenblick» nicht wäre – denn in Realität schaut man aus den rückwärtigen Zimmern in den Innenhof. Immerhin bieten diese mehr Ruhe als jene mit Alsterblick.

Platz 5 (Vorjahr: 6): Four Seasons Hotel Firenze, Florenz

Mit seiner prachtvollen Architektur und den original erhaltenen Fresken wird das Gebäude-Ensemble, das sich um einen weitläufigen Privatpark mit jahrhundertealten Bäumen, Skulpturen und Brunnen gruppiert, der Renaissancestadt mehr als gerecht. Der Geist einflussreicher Familien wie der Medici, die hier einst residierten, scheint bis heute spürbar. Dank des üppigen Grüns wähnt man sich beinahe auf einem toskanischen Landgut – mit dem Vorteil, dass berühmte Museen und charmante Trattorien nur wenige Gehminuten entfernt liegen. Für viele Branchenkenner zählt das 2008 eröffnete Four Seasons Hotel Firenze zu den schönsten Stadtoasen der Welt. Das Haus setzt auf Substanz statt Spektakel, auf Stil statt Trend – und ist ausgezeichnet geführt. «Ein gutes Hotel fliesst», sagt General Manager Max Musto, der mit grosser Leidenschaft dafür sorgt, dass diese urbane Zuflucht jene ungezwungene Eleganz ausstrahlt, die viele anspruchsvolle Reisende heute schätzen. Mehr noch: An der Rezeption, beim Concierge, an der Bar oder beim Frühstück wird man nie wie ein beliebiger Tourist behandelt. Als Gast fühlt man sich respektiert und in seiner Individualität wahrgenommen. Kehrt man nach ein oder zwei Jahren zurück, wird man so selbstverständlich freundlich begrüsst, als wäre man nur kurz für einen Besuch in den Uffizien aus dem Haus gegangen. Zuletzt wurde eine der wenigen Schwachstellen des Hotels beseitigt: Die Dépendance «Palazzo del Nero», in der 36 der insgesamt 115 Zimmer untergebracht sind (die Mehrheit befindet sich im separaten Hauptgebäude «Palazzo della Gherardesca»), wurde umfassend renoviert und beherbergt nun auch das Seafood-Restaurant «Onde» mit hübscher Terrasse sowie eine kleine Wermutbar. Beide Gebäudeteile blicken auf denselben Park, allerdings von gegenüberliegenden Seiten.

Wenn doch nur … nicht gar so viele amerikanische Gäste dem Charme dieses Hotels erlegen wären.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

Platz 6 (Vorjahr: 9): Cheval Blanc Paris, Paris

Kein Hotel, das in diesem Jahrhundert in Paris neu eröffnet wurde, hat bislang mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen als das «Cheval Blanc». 2021 ging es aus dem Art-déco-Gebäudekomplex des Warenhauses La Samaritaine an der Pont Neuf im 1. Arrondissement hervor. Die exklusive Hotelgruppe, die nur aussergewöhnliche Standorte in Betracht zieht und beim einen oder anderen Detail nicht auf den Kontostand des Mutterkonzerns LVMH achten muss, hat mit ihrer ersten urbanen Dependance etwas gänzlich Unverwechselbares geschaffen. Ein Hotel mit Charakter, grossem Inszenierungsvermögen und einem gewissen Hauch von Überheblichkeit im Service. Das Interieur, entworfen von Peter Marino, ist hochwertig und durchdacht. Die 72 grosszügigen Zimmer, allesamt in Weiss- und Beigetönen gehalten, öffnen sich durch bodentiefe Fensterfronten auf die Seine, Notre-Dame oder den Louvre. Ein besonderes Highlight ist das unterirdische «Dior Spa» mit seinem 30 Meter langen Pool. Die fünf oft stark frequentierten Restaurants bringen vibrierenden Pariser Glamour ins Haus. Ob das «Cheval Blanc Paris» tatsächlich das «Ritz des 21. Jahrhunderts» ist, wie gelegentlich behauptet wird, sei dahingestellt. Fest steht jedoch: In einem der anspruchsvollsten Hotelmärkte der Welt – mit rund hundert Fünf-Sterne-Häusern, darunter dreizehn mit zusätzlichem «Palace»-Status (den das «Cheval Blanc» soeben erhalten hat) – interpretiert das Haus Luxus mit frischem Selbstbewusstsein und weckt Neugier auf seine Schwesterbetriebe in Courchevel, Saint-Tropez, Saint-Barth, auf den Malediven und den Seychellen.

Wenn doch nur … die eigens für das Hotel kreierten Raumdüfte in der Lobby und den öffentlichen Bereichen nicht so aufdringlich wären …

Platz 7 (Vorjahr: 3): Hotel Cipriani, A Belmond Hotel, Venedig

Das «Cipriani» zählt zu den ikonischsten, charaktervollsten Hotels Europas. Weltweit gibt es nur wenige Häuser, die eine derartige Strahlkraft besitzen und zugleich so eng mit dem Lebensgefühl ihrer Destination verbunden sind. Dabei entstand das Hotel erst 1958 – auf dem Gelände einer stillgelegten Werft auf der damals wenig begehrten Giudecca-Insel. Der Vorteil, einst wie heute: Selbst in den heissen Sommermonaten weht hier stets eine angenehme Brise, und die weitläufige Anlage bietet Platz für Tennisplätze, einen veritablen Küchengarten und einen Salzwasserpool mit olympischen Ausmassen und Blick auf die Lagune. Die ineinander verschachtelten Gebäude beherbergen 95 Zimmer und drei Restaurants. Die hauseigenen Mahagoniboote bringen Gäste in rund sieben Minuten zum Markusplatz und jederzeit wieder zurück – eine Überfahrt, die besonders in den Abendstunden purer Magie gleichkommt. Zum Charme des «Cipriani» gehört, dass es sich seine Authentizität bewahrt hat – ein lebendiger, gelebter Ort mit jener feinen venezianischen Patina, die sich nicht künstlich herstellen lässt. Für die behutsame Modernisierung zeichnet Innenarchitekt Peter Marino verantwortlich; die Arbeiten erfolgen etappenweise während der Wintermonate, wenn das Hotel geschlossen ist. Trotz der heutigen Zugehörigkeit zum französischen Luxuskonzern LVMH ist das «Cipriani» bislang frei geblieben von aufgesetztem Bling oder austauschbarem Corporate-Flair. Stattdessen bietet es etwas Seltenes in einer zunehmend uniformen Welt: eine nostalgische Rückbesinnung auf unangestrengten Glamour und lässige Italianità, verbunden mit einem Service, der dank vieler langjähriger Mitarbeitender grossartig oldschool wirkt. Wer hier absteigt, wird im wahrsten Sinne des Wortes in eine andere Ära versetzt – in eine Zeit, in der Reisen noch entschleunigter war und kleine Aufmerksamkeiten ihren Wert hatten. Venedig lässt sich kaum schöner erleben. In dieser Stadtoase versteht man augenblicklich, was mit «La vita è bella» gemeint ist.

Wenn doch nur … alle Zimmer den gleichen Qualitätsanspruch erfüllen würden. Trotz fortlaufender Erneuerungen trifft man insbesondere in den unteren Kategorien und den Badezimmern noch auf einen veralteten Ausbaustandard.

Platz 8 (Vorjahr: 4): The Connaught, London

Für diskreten Luxus, der das Gefühl vermittelt, Mitglied eines britischen Privatclubs zu sein, gibt es nur wenige Orte, die mit dem «Connaught» mithalten können. Das elegante Hotel erzielt konstant Spitzenwerte in Bezug auf Auslastung und Zimmerpreise an der Themse und wird auch bei internationalen Auszeichnungen regelmässig geehrt. Eine besonders schöne Ecke des vornehmen Stadtteils Mayfair bildet die Kulisse des roten Backsteingebäudes von 1815. In der Empfangshalle, in der sich eine opulente Mahagonitreppe himmelwärts windet, glaubt man sich zunächst in die TV-Serie «Downton Abbey» versetzt, doch betritt man eine der drei Bars oder eines der 122 Zimmer, wird schnell klar, dass längst ein moderner Esprit Einzug gehalten hat. Das Hotel bietet ein kleines Spa mit Hallenbad sowie verschiedene Restaurants unter der kulinarischen Obhut von Hélène Darroze (drei «Michelin»-Sterne) und Jean-Georges Vongerichten. Ein Highlight ist der Afternoon Tea im Wintergarten – mit Blick auf die beeindruckende Brunneninstallation des japanischen Architekten Tadao Ando vor dem Eingang, die alle paar Minuten sanften Wasserdampf verströmt. Trotz aller Erneuerungen und Managementwechsel der letzten Jahre bleibt das Grundgefühl des «Connaught» unverändert: Es ist, als betrete man eine Zeitkapsel, die alle Widrigkeiten der Gegenwart vergessen lässt.

Wenn doch nur … auf die ohnehin saftige Gesamtrechnung nicht noch eine Service Charge von 5 Prozent draufgeschlagen würde, die man beim Auschecken zwar «optional» wieder abwählen kann, doch ist dieses London-typische Vorgehen alles andere als elegant.

Platz 9 (Vorjahr: 7): La Réserve Paris, Paris

Rund 1600 Hotels gibt es in Paris, darunter dreizehn mit dem prestigeträchtigen «Palace»-Status – einer französischen Auszeichnung für Häuser, die den klassischen Fünf-Sterne-Standard übertreffen. Das kleinste unter ihnen ist das «La Réserve», eine einstige Stadtresidenz aus dem 19. Jahrhundert, die sich harmonisch in die Umgebung des achten Arrondissements einfügt. Von aussen kaum als Hotel zu erkennen, sticht lediglich das feuerwehrrote Eingangsportal hervor. Die öffentlichen Räume, gestaltet von Innenarchitekt Jacques Garcia (auch verantwortlich für das Design des Schwesterhotels in Genf), präsentieren sich als kunstvoll inszenierte Abfolge historisierender Salons, die eine Atmosphäre elitärer Intimität schaffen. Das «La Réserve Paris» ist ein Gegenentwurf zur Grand-Hotel-Logik: ideal für Gäste, die das Gefühl eines exquisiten zweiten Zuhauses suchen und sich um ihr Geld eher keine Sorgen machen müssen. Das Hotel umfasst 25 Suiten und 15 Zimmer, von denen auch diejenigen der unteren Kategorien mit Charme überzeugen, sowie einen kleinen Wellnessbereich mit 16-Meter-Pool im Untergeschoss. Das Gourmetlokal «Le Gabriel» von Küchenchef Jérôme Banctel ist mit drei «Michelin»-Sternen ausgezeichnet, während das ganztägig geöffnete Zweitrestaurant «La Pagode de Cos» mit seinem hübschen Innenhof eine entspannte Alternative bietet – der Name bezieht sich auf den Zweitwein des Bordeaux-Weinguts Château Cos d’Estournel, das ebenfalls zum Genuss-Imperium von Hotelbesitzer Michel Reybier gehört.

Wenn doch nur … die Weine etwas moderater kalkuliert wären. Eine Flasche Rotwein im zweistelligen Euro-Bereich muss man mit der Lupe suchen, und selbst die Preise der offenen Weine lassen einen fast vom Stuhl kippen.

Platz 10 (8): Raffles London at the OWO, London

Die Verwandlung ikonischer historischer Gebäude in spektakuläre Unterkünfte ist längst ein bewährtes Erfolgskonzept der Luxushotellerie. So ist Londons ehemaliges Kriegsministerium («Old War Office»), das Winston Churchill im Zweiten Weltkrieg als Kommandozentrale diente und später auch in zahlreichen James-Bond-Filmen als Kulisse erschien, im Herbst 2023 als glanzvoller Zuwachs der Raffles-Hotelgruppe auferstanden. Seitdem ist das Wahrzeichen von Whitehall im Regierungsviertel öffentlich zugänglich und hat sich mit 120 Zimmern, neun Restaurants, drei Bars (darunter die stylische «Spy Bar» mit einem an der Wand montierten Aston Martin DB5 und einer grossen Auswahl an Martini-Cocktails), dem Guerlain Spa sowie einem 20-Meter-Pool rasch als Hotspot an der Themse etabliert. Auf Onlineplattformen beschreiben manche Gäste den Service als «uneven» (unbeständig) oder «over-eager but inexperienced» (übermotiviert, aber noch unerfahren), und die labyrinthische Gebäudestruktur mit langen Wegen über extrabreite Korridore (die einst dafür ausgelegt waren, dass Regierungsboten mit Fahrrädern passieren konnten), monumentalen Treppenhäusern und mehreren Aufzügen zwischen alten und neuen Gebäudeteilen kann gewöhnungsbedürftig sein. Doch genau diese Mischung aus grossem Gestus, opulenter Neugestaltung und gewissen Ecken und Kanten macht den besonderen Reiz des Hauses aus. Das «Raffles London at the OWO» ist trotz kleiner Schwächen ein Ausnahmehotel – ein Ort, der mehr erzählt, als er erklärt.

Wenn doch nur … ein Ort in diesem Hotel zu finden wäre, an dem man einfach sitzen, lesen und entspannen könnte, ohne zwangsläufig etwas konsumieren zu müssen. Zwar gibt es einen «Drawing Room», doch entpuppt sich dieser weniger als Salon zum gemütlichen Verweilen denn als weiteres Restaurant.

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