Darum gehts
- Ehemaliges Gefängnis in Laufen BL wird ab 2030 zur Herberge umgebaut
- Projekt kostet 3 Millionen Franken, bietet 16 Zimmer und Self-Check-in
- Gefängnisgitter werden für Pflanzen genutzt
Wo einst Kriminelle ihre Strafe absassen, checken bald Touristen ein: In Laufen BL kann man ab 2030 im ehemaligen Bezirksgefängnis übernachten – und zwar freiwillig, aber gegen Bezahlung. Denn die Burgergemeinde Laufen-Stadt baut das alte Gefängnis zu einer gemütlichen Herberge für das schmale Portemonnaie um. Drei Millionen Franken steckt sie in das spektakuläre Umbau-Projekt, wie die Burgergemeinde in einer Medienmitteilung bekanntgibt.
Die Idee kam von der Laufener Bevölkerung, nachdem der Gefängnisbetrieb 2014 endgültig eingestellt wurde. Ursprünglich hatten im Gefängnis zehn Häftlinge Platz. Künftig sollen mehr Gäste dort übernachten können: Die neue Herberge wird 16 Zimmer bieten, wie das lokale «WochenBlatt» zuerst berichtete.
Wer sich in der Herberge ein Zellen-Feeling wie im Gefängnis erhofft, wird aber enttäuscht. Burgerpräsidentin Kathrin Hecht stellt gegenüber Blick klar: «Die Gitter werden entfernt und die Fenster vergrössert. Auch die ehemaligen Zellen werden nach dem Umbau nicht mehr als solche erkennbar sein.» Der Gefängnis-Mief verschwindet also.
Holz statt Häfen-Atmosphäre
Die Pläne des Basler Architektenbüros Felippi Wyssen, das den Gestaltungswettbewerb gewonnen hat, sind ambitioniert: Ein Holz-Anbau aus lokalem Waldholz erweitert den Bau. Riesige Panoramafenster, eine moderne Eingangshalle und ein gemütlicher Gemeinschaftsraum bringen Helligkeit ins alte Gemäuer. Die alten Eisenstäbe landen nicht im Abfall. Sie dienen künftig als Kletterhilfe für Pflanzen und als Absturzsicherung.
Beim Betrieb soll so wenig Aufwand für die Gemeinde entstehen wie möglich: Mit Self-Check-in braucht man kaum Personal. Lokale Beizen müssen sich auch nicht sorgen, dass ihnen die Gemeinde Konkurrenz macht. In der Herberge gibt es bewusst kein Frühstück und kein eigenes Gastro-Angebot. Den Gästen soll aber die Möglichkeit geboten werden, selbst kochen zu können.
Brocki Alcatraz muss weg
Die Umbau-Pläne sind eine schlechte Nachricht für das Brocki Alcatraz. Dieses ist derzeit im ehemaligen Gefängnis eingemietet. Sofort ausziehen muss das Brocki aber nicht. «Es kann bis Baubeginn auch bleiben», so Burgerpräsidentin Hecht zu Blick.
Das Brocki wird von der Kirche betrieben. Es soll auch weiterhin den Namen beibehalten, wie Uta Scherer von der Kirchgemeinde Laufental Blick erklärt, auch wenn sie nicht mehr in dem alten Gefängnis bleiben kann. Wo das Brocki hinzieht, ist noch nicht fix. «Wir sind aktiv auf der Suche nach einer alternativen Bleibe für unsere Brocki», so Scherer. Offiziell wurden sie von der Burgergemeinde noch gar nicht informiert.