Darum gehts
- 69,6 Prozent arbeiten in Ferien, laut Indeed-Umfrage mit 500 Personen
- 16 Prozent finden neuen Job während oder direkt nach Ferien
- 43 Prozent wurden kontaktiert, 31 Prozent wegen Wirtschaftslage erreichbar
Ferien dienen der Erholung. Eigentlich. Doch für viele Schweizerinnen und Schweizer bleibt der Job selbst am Strand oder in den Bergen ein ständiger Begleiter. Weil die Chefin immer wieder anruft und nervt. Oder weil sie auch während der Ferien ständig die Geschäftsmails checken und beantworten. Gesund ist das nicht, das wissen wir alle. Und doch leben nur die wenigsten nach der Maxime «Ferien sind Ferien» – und spielen tiefenentspannt mit den Kindern am Strand oder legen einfach mal die Füsse hoch.
Eine neue Umfrage der Jobplattform Indeed zeigt jetzt: Fast sieben von zehn Erwerbstätigen arbeiten auch während ihrer freien Tage oder beantworten berufliche Nachrichten. Konkret geben 69,6 Prozent der 500 befragten Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, in den Ferien zumindest gelegentlich erreichbar zu sein. Nur knapp jeder Dritte schafft es, komplett abzuschalten.
In den Ferien zum Vorstellungsgespräch
Noch erstaunlicher: Für viele ist die Arbeit während der Ferien in Gedanken ständig präsent – es rattert im Kopf! Fast 40 Prozent hinterfragen während oder unmittelbar nach den Ferien ihre Arbeitssituation stärker als im normalen Alltag. Rund jeder Zehnte denkt sogar deutlich intensiver über seine berufliche Zukunft nach. Und ziehen gar einen Jobwechsel in Betracht.
Dabei bleibt es oft nicht bei Gedankenspielen. Von denjenigen, die über Veränderungen nachdenken, recherchieren 46 Prozent bereits nach neuen Stellen, heisst es in der Indeed-Studie. Jeder Vierte bringt seine Bewerbungsunterlagen auf den neusten Stand. Fast jeder Fünfte verschickt sogar Bewerbungen oder führt erste Vorstellungsgespräche. Gar 16 Prozent haben während oder kurz nach den Ferien bereits einen neuen Job gefunden.
Angst vor Jobabbau vermiest die Ferien
Warum aber arbeiten so viele überhaupt in den Ferien? Spannend: Oft steckt gar kein direkter Druck des Arbeitgebers dahinter. 43 Prozent der Befragten wurden tatsächlich kontaktiert. Noch häufiger aber fühlen sich die Mitarbeitenden verpflichtet, erreichbar zu sein – etwa wegen fehlender Stellvertretungen, Erwartungen der Vorgesetzten oder weil sie den Kolleginnen und Kollegen gegenüber ein schlechtes Gewissen haben. Und: Fast jeder Fünfte arbeitet freiwillig vom Liegestuhl aus. Weil ihm die Arbeit grundsätzlich Freude macht.
Auch die unsichere Wirtschaftslage spielt eine Rolle. 31 Prozent sagen, sie seien wegen Stellenabbau, Konjunktursorgen und dem Aufkommen von KI heute häufiger erreichbar als früher. Der Preis dafür ist hoch: Nur etwas mehr als jeder zweite Befragte nimmt die Erholung nach den Ferien wirklich wahr. 42 Prozent kommen nur teilweise ausgeruht zurück, fast vier Prozent überhaupt nicht.
«Das ist ein Warnsignal», sagt Karriereexpertin Stefanie Bickert von Indeed. Erholung und Mitarbeiterbindung würden eng miteinander zusammenhängen. «Funktionierende Vertretungsregelungen und eine Unternehmenskultur, die Erreichbarkeit in den Ferien nicht stillschweigend voraussetzt, sind Ausdruck guter Führung», sagt sie. «Sie sind aber auch die Basis für langfristige Leistungsfähigkeit. Nur wer erholt aus den Ferien zurückkehrt, ist konzentriert bei der Arbeit, engagiert und kreativ.» Also: Füsse hoch!