Darum gehts
- Die Schweiz hat laut UBS-Report 2026 das weltweit höchste Durchschnittsvermögen
- Reiche werden schneller reicher, Medianvermögen der Schweizer sinkt deutlich
- Seit 1990 sinken Unternehmenssteuern, höhere Last auf Arbeitseinkommen
Die Schweiz ist erneut Spitzenreiterin: Schweizerinnen und Schweizer verfügten 2025 mit 910'382 Dollar (umgerechnet gut 736'000 Franken) wie schon im Vorjahr über das höchste Durchschnittsvermögen der Welt. Dies geht aus dem jährlichen Global Wealth Report der UBS hervor. Und es ist gewachsen: 2024 besass jeder Erwachsene in der Schweiz rund 561'000 Franken – also noch 175'000 Franken weniger.
Der Haken: Das Durchschnittsvermögen haben vor allem die Gutbetuchten nach oben gezogen. Viel relevanter für die breite Bevölkerung ist das sogenannte Median-Vermögen – also jener Betrag, bei dem genau die Hälfte darüber oder darunter liegt. Und dieses ist deutlich gefallen: von 182'248 Dollar 2024 auf 145'555 im letzten Jahr – ein Rückgang von 20 Prozent. Die Schweiz musste deshalb auch einen Platz im UBS-Ranking einbüssen. Da stellt sich die Frage: Profitieren nur die Reichen vom Wohlstand in unserem Land?
Der UBS-Ökonom James Mazeau findet nicht, dass man die Ergebnisse so interpretieren sollte: «Ich würde nicht sagen, dass die meisten Schweizer ärmer werden und nur die Reichen reicher», sagt er zu Blick. Aber: «Die Reichen steigern ihr Vermögen deutlich schneller als der Rest der Bevölkerung.» Mazeaus Aussage belegt auch die aktuellste «Bilanz»-Liste der «300 Reichsten der Schweiz». Sie bringen ein Gesamtvermögen von 851,5 Milliarden Franken auf die Waage – und stellen damit einen neuen Rekord auf. Was steckt hinter diesem Mega-Zuwachs? Eine Ökonomin und ein Ökonom ordnen für Blick ein.
Aktien sind der Schlüssel zum Erfolg
Einen Grund für die wachsende Vermögensungleichheit sehen Experten am Aktienmarkt. Ökonomin Therese Faessler sagt: «Wir leben im Mittelalter. Die Grundbesitzer des Mittelalters sind die Aktionäre von heute, und die Arbeitnehmer ohne Aktien sind die Leibeigenen.» Das heisst: Die Aktionäre profitieren mehr von der Produktivität der Arbeitnehmer als die Arbeitnehmer selbst.
Tiefe Steuern stützen Vermögen
In der Schweiz helfen tiefe Steuern, Vermögen zu stützen: «Die Steuern auf Unternehmensgewinne, Vermögen und Erbschaften in der Schweiz wurden seit den Neunzigerjahren sukzessive gesenkt», sagt Marius Brülhart, Wirtschaftsprofessor an der Universität Lausanne. «Die Steuern auf Einkommen und Konsum haben sich hingegen kaum verändert.» Das bedeutet, dass die Steuerlast für einen normalen Arbeitnehmer deutlich höher ausfällt als für Personen, die schon Vermögen oder Erbschaften besitzen.
«Wer Aktien besitzt, profitiert von der Inflation»
Die Teuerung ist für Aktionäre ein Vorteil, für Nicht-Investoren eine Last. So erklärt Faessler: «Wenn man Aktien besitzt, profitiert man von der Inflation, weil der Wert der Aktien steigt.» Auch seien teils die Erträge der börsenkotierten Firmen höher, sofern diese höhere Preise verlangen.
Auch den Hausbesitzern kommt die Teuerung zugute: «Immobilienbesitzer sind stark im Vorteil, denn sie können sich billig verschulden, aber profitieren voll von den Preissteigerungen», so Brülhart.
Was könnte gemacht werden?
Was wären mögliche Massnahmen, um die Ungleichheit zu bekämpfen? Brülhart ist von höheren Mehrwertsteuern und Lohnbeiträgen nicht überzeugt: «Solche Steuern belasten in erster Linie den Faktor Arbeit.» Was könnte Bundesbern also anders machen? «Eine gewisse Verschiebung der Steuerlast hin zum Faktor Kapital – also auf Gewinne, Vermögen und Erbschaften – wäre meines Erachtens besser vertretbar», sagt Brülhart.
Faessler sieht die Lösung darin, dass den Menschen in der Schweiz mehr finanzielle Bildung vermittelt wird: «Es ist einfach nicht fair, dass ihnen das nötige Wissen fehlt, um selbst Verantwortung zu übernehmen.»