Darum gehts
- Luxusvilla im Berner Botschaftsquartier seit April 2025 unverkauft, Preis halbiert
- Grundstücksfläche von 3438 auf 1738 Quadratmeter reduziert
- Ehemaliges Zuhause von Baulegende Bruno Marazzi
Ein solches Prunkstück kommt selten auf den Markt. Bereits im April 2025 war eine luxuriöse Stadtvilla zum Verkauf ausgeschrieben – mitten im beliebten Berner Botschaftsquartier. Das für neue Besitzer besonders Spannende an der Nobelimmobilie mit Baujahr 1950: Auf einem Teil der Grundstücksfläche hätte ein weiteres Gebäude erbaut werden können, wie es in den damaligen Annoncen hiess. Die zuständigen Makler der Thomas Graf AG verlangten 15 Millionen Franken.
Doch wie sich herausstellt, ist die historische Liegenschaft ein Ladenhüter. Zugeschlagen hat bisher niemand. Fast eineinhalb Jahre später ist die Stadtvilla immer noch zu haben – und ist jetzt erneut ausgeschrieben. Der Immobilienvermarkter hat allerdings gewechselt. Neu ist die Berner Agentur des Luxusmaklers Switzerland Sotheby's International Realty zuständig. Er verpasst der Berner Stadtvilla gleich einmal ein ordentliches Rabattschild: Neu kostet die Villa nur noch 7 Millionen Franken, wie aus der Verkaufsdokumentation hervorgeht. Interessierte müssen also weniger als die Hälfte hinblättern.
Grundstücksfläche kleiner
Im Vergleich zur vorherigen Ausschreibung haben sich allerdings grundlegende Dinge verändert. Neu umfasst das mit der Villa zum Verkauf stehende Grundstück nur noch 1738 Quadratmeter – und nicht mehr 3438 Quadratmeter wie im Frühling 2025. Das Inserat weist zudem nicht auf eine zusätzliche Baumöglichkeit auf dem Areal hin. Ist die Immobilie deshalb so viel billiger? Die neue Maklerfirma hat auf eine Blick-Anfrage nicht reagiert. Damit bleibt auch unklar, welche Teile des Grundstücks nun nicht mehr zum Verkauf stehen.
Für Immobilienexperte Donato Scognamiglio (56) kommt die deutliche Preisanpassung nicht überraschend: «Im Luxussegment kommt es immer wieder vor, dass sich die Bewertung einer Villa massiv vom Verkaufspreis unterscheidet.» Denn es gebe kaum Vergleichsobjekte. «Aber 15 Millionen sind weit ausserhalb des Berner Marktes», so der Branchenkenner gegenüber Blick. Heisst: Der bisherige Preis war deutlich zu hoch.
Ein Maklerwechsel gehört laut Scognamiglio zum Geschäft. «Es ist wie beim Heiraten. Am Anfang werden grosse Versprechen gemacht. Doch dann läuft es nicht wie geplant, der Preis muss angepasst werden, der Eigentümer ist enttäuscht – und am Ende kommts zur Trennung», sagt er zu Blick.
Die Ausstattung
Was aber weiterhin gilt: Die Villa bietet einiges an Luxus. Auf zwei Etagen verteilt, finden sich 7,5 Zimmer. Im Untergeschoss liegen Weinkeller, eine «exklusive Gentlemen's Bar» mit Billardtisch, Sauna und ein beheizter Innenpool. Das Wohnhaus liegt inmitten einer idyllischen Parkanlage mit einem Teich und Bach. Die Immobilie wurde 2013 zum letzten Mal renoviert.
Noch interessanter ist das Luxusanwesen wegen seines früheren Besitzers. Laut Blick-Recherchen war die Villa einst das Zuhause von Bruno Marazzi (†78). Die Berner Bauunternehmerlegende verstarb im Dezember 2024 nach kurzer schwerer Krankheit.
Als Bauunternehmer zu einem der reichsten Berner
1971 übernahm Marazzi das elterliche Bauunternehmen. Ein Jahr später gründete er mit seiner Frau die Marazzi Generalunternehmung AG in Bern. Diese entwickelte sich zu einer der führenden Generalunternehmungen der Schweiz. Der Emmentaler schaffte es sogar auf die Liste der 300 reichsten Schweizerinnen und Schweizer der «Bilanz» und wurde zu einem der reichsten Berner. Noch vor zwei Jahren wurde sein Vermögen auf 325 Millionen Franken geschätzt.
Auch Fussballfans dürfte der Name Bruno Marazzi ein Begriff sein. Er wurde unter anderem dank des Baus der beiden Fussballstadien Wankdorf in Bern und St.-Jakob-Park in Basel bekannt. Bei beiden lokalen Klubs, den Young Boys und dem FC Basel, engagierte sich der erfolgreiche Unternehmer in den 90er-Jahren als Mäzen und Besitzer.