Darum gehts
Die Pfnüselküste tritt aus dem Schatten der Goldküste. Zumindest was die Quadratmeterpreise angeht, steht das linke Zürichseeufer dem rechten in nichts nach. Die teuersten Immobilien stehen jetzt nicht mehr in Küsnacht, Zollikon oder Herrliberg an der Goldküste – eigentlich seit Jahrzehnten die teuersten und luxuriösesten Adressen am Zürichsee.
Stattdessen überziehen Immobilienentwickler Kilchberg, Rüschlikon und Thalwil mit Luxusbauten, die das rechte Zürichseeufer bleich aussehen lassen. Der Bauboom schlägt sich inzwischen deutlich in den Verkaufszahlen der Seegemeinden nieder: 60 Prozent und damit fast zwei Drittel sämtlicher Eigenheimtransaktionen waren im zweiten Quartal 2026 demnach auf Neubauten zurückzuführen. Das zeigen neue Zahlen von Wüest Partner, die der Immobilienverkäufer Engel & Völkers für die Gemeinden am linken Zürichseeufer analysiert hat – also von Kilchberg bis Horgen.
Die Zahlen sind ein absoluter Rekordwert für die Pfnüselküste! Zum Vergleich: Vor drei Jahren machten Neubauten in Seegemeinden wie Kilchberg, Thalwil, Rüschlikon und Horgen noch rund 25 Prozent der Transaktionen aus. «Damit nimmt die Platinküste innerhalb des Kantons Zürich eine absolute Sonderstellung ein», sagt Niki Thomet (49), der als Managing Partner seit sieben Jahren für Engel & Völkers Luxusimmobilien in dieser Region vermittelt.
Eine Ausnahmeerscheinung
«In keiner anderen Region innerhalb des Kantons Zürich ist der Anteil von Neubauwohnungen so hoch.» In allen anderen Regionen im Kanton Zürich liege der Anteil an Neubauten zwischen 30 und maximal 50 Prozent bei Eigenheimtransaktionen. Getrieben wird der Bauboom von Expats. Viele davon stammen aus Deutschland.
Sorgen die laufend zunehmenden Hitzewellen dafür, dass das rechte Zürichseeufer nicht mehr ganz so goldig erscheint wie bisher? Die erhöhte Sonneneinstrahlung kann durch den Klimawandel vom Vor- zum Nachteil werden. Allerdings lässt sich der Einfluss von Hitze auf die Immobilienpreise bisher nicht nachweisen.
Entscheidend ist laut Engel & Völkers, dass das linke Seeufer sowohl durch den ÖV als auch über die Autobahn gut erschlossen sei. Es gibt gute Verbindungen nach Zürich, Zug und Schwyz. Das sind alles Standorte, an denen hochqualifizierte Expats in der Regel arbeiten.
Klar ist: Auch der hohe Anteil an Neubauten treibt die Preise an der Pfnüselküste nach oben. Denn die Quadratmeterpreise von Neubauten liegen deutlich über jenen von Altbauten. Laut dem Immo-Vermittler haben sie durchschnittlich einen Aufschlag von 5000 Franken pro Quadratmeter. Im Schnitt lagen die Quadratmeterpreise für Neubauten in Kilchberg im zweiten Quartal bei 26'000 Franken, in Thalwil bei 24'500, in Rüschlikon bei 24'000 und in Horgen bei 18'000 Franken.
Doch es geht noch teurer! Das Neubauprojekt Lake Ville in Thalwil toppt alles, was in den Zürcher Seegemeinden je aus dem Boden gestampft wurde. In der Überbauung befindet sich die aktuell teuerste Wohnung der Region: 5,5 Zimmer und 186 Quadratmeter Wohnfläche für 6,28 Millionen Franken – das macht 33'000 Franken pro Quadratmeter. Die Attikawohnung wurde vor kurzem verkauft.
Goldgrube Altbauten
Es seien grundsätzlich die Neubauten, die die Preise nach oben treiben, sagt Thomet. «Eigenheimbesitzer von älteren Liegenschaften müssen einsehen, dass sie nicht die gleichen Preise erzielen können, wie sie für Neubauwohnungen bezahlt werden.»
Mit einer Ausnahme – dann nämlich, wenn der Garten zur Goldgrube wird. Je nach Bauzone, zulässiger Grundstücks- und Geschossfläche und anderen Dienstbarkeiten kann auch eine alte, verwahrloste Villa Millionenpotenzial haben. Thomet: «Bei Einfamilienhäusern und Villen gewinnt neben dem bestehenden Wohnwert zunehmend das Potenzial einer Liegenschaft an Bedeutung.»