Darum gehts
- Modegeschäft Bellino Moda leidet unter No-Shows
- Bellino Moda verlangt 150 Franken Gebühr bei unentschuldigtem Fehlen
- Kunde taucht nicht auf und straft Geschäft für Gebühr mit 1-Sterne-Bewertung ab
Man kennt es aus der Gastro-Branche: Das Restaurant ist ausgebucht, die Tische sind gedeckt – doch ein Teil der Gäste taucht nicht auf! Sogenannte No-Shows sind für viele Schweizer Beizen und Restaurants zum Problem geworden. Die Geistergäste blockieren Tische, den Wirtinnen und Wirten fehlen plötzlich Umsätze. Darum führen immer mehr Restaurants No-Show-Gebühren ein.
Unter der Unverbindlichkeit vieler Gäste leiden jedoch auch andere Dienstleister. Samuel Bellino (31), Inhaber des Modegeschäfts Bellino Moda, geht derzeit mit einem Video viral, weil er sich über einen No-Show ärgert. «Ein Kunde ist nicht aufgetaucht und hat mir wegen der Gebühr eine 1-Sterne-Rezension gegeben», sagt er beim Besuch von Blick in seinem Laden in Wohlen AG. Bellino verlangt bei unentschuldigtem Fernbleiben 150 Franken, wie es in seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen steht.
«Sehr enttäuschende Erfahrung»
Der besagte Kunde berichtet in seiner 1-Sterne-Bewertung auf Google von einer «sehr enttäuschenden Erfahrung.» Er habe einen Tippfehler bei der E-Mail-Adresse gemacht und deshalb keine Terminbestätigung erhalten. Der Grossteil der Google-Bewerter gibt dem Modeladen ein Top-Rating.
Nach einem Austausch über Whatsapp, in dem sich der Kunde entschuldigt habe, stellt er in Aussicht, einen neuen Termin zu buchen.
Rein rechtlich spielt eine falsch eingegebene E-Mail-Adresse keine Rolle, die AGB gelten trotzdem. Doch hätte Bellino ein Auge zudrücken können? «Jeder ist selbst dafür verantwortlich, dass er die Sachen richtig schreibt. Wenn jemand vor dem Termin anruft, sind wir sehr kulant», sagt der Unternehmer. In diesem Fall blieb er aber hart: «Ich habe zwei Monate gewartet und dann erfahren, dass er sich den Anzug andernorts gekauft hat. Deshalb habe ich dann die Rechnung verschickt.»
«Hätte sonst jemand vorbeikommen können»
Bellino verkauft Anzüge für Männer und Frauen und betreibt Standorte in Wohlen, Worb BE und Monthey VS. Der Laden hat ein spezielles Konzept: Kunden machen einen Termin aus und werden vor Ort beim Anzugkauf beraten. Pro Kunde werden 45 Minuten eingerechnet. In dieser Zeit werden Anzug und Hemd passgenau abgesteckt, damit die Schneiderin ihn massschneidern kann. Die Läden öffnen nur auf Terminbuchung – unter der Woche am Abend oder am Samstag. «Das hält die Personalkosten tief. An dem Samstag waren wir von 9 bis 17 Uhr ausgebucht. Hätte der Kunde abgesagt, hätte sonst jemand vorbeikommen können», sagt der Unternehmer.
Bellino arbeitet Vollzeit bei einer Versicherung, wo ein Anzug auf der Arbeit dazugehört. 2023 kam bei Bellino die Idee auf, eigene Anzüge herzustellen. Er konzipiert die Designs und die Anzüge werden in einer Fabrik in Florenz (I) hergestellt und dann in die Schweiz geliefert.
«Bis anhin haben alle bezahlt»
Mit seinem Video zum No-Show löst er in den sozialen Medien kontroverse Reaktionen aus: Viele finden Bellinos Vorgehen gerechtfertigt, andere zu hart. Ein paar Leute schreiben, dass er auf eine E-Mail-Verifizierung setzen sollte. Sprich: Die Adresse müsste für eine Reservierung doppelt eingegeben werden.
«Die Leute mit den kritischen Kommentaren führen selbst wohl kein Unternehmen», sagt Bellino. Mit dem Konzept auf Termin könne er die Kosten tief halten und die Konkurrenz mit hoher Qualität bei den Preisen ausstechen. Ohne No-Show-Gebühr wäre das Geschäft jedoch schwierig. Termine buchen und nicht erscheinen ist heute gang und gäbe. «Von zehn Terminen tauchen etwa zwei Kunden nicht auf», so Bellino. Ohne Busse wären es höchstwahrscheinlich mehr. «Bis anhin haben alle bezahlt.»