Zürcher Beizer hat genug von No-Shows
Wer reserviert und nicht kommt, zahlt 50 Stutz pro Person

Im Lokal von Gastronom Mike Gut erscheinen regelmässig bis zu zehn Prozent der Gäste nicht. Der Betreiber will nun flächendeckend No-Show-Gebühren einführen.
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Im Zürcher Restaurant Razzia bleiben Gäste regelmässig trotz Reservierung fern.
Foto: Roman Schubert

Darum gehts

  • Zürcher Restaurants kämpfen zunehmend mit No-Shows, die Einnahmen gefährden
  • Restaurant Razzia fehlen regelmässig zehn Prozent der Gäste mit Reservationen
  • Valentinstag 2026: No-Show-Rate steigt auf 3,31 Prozent laut Lunchgate
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Das Restaurant ist ausgebucht, doch ein Teil der Gäste lässt sich nicht blicken: Sogenannte No-Shows sind in der Gastronomie ein Riesenärgernis. Und das Problem verschärft sich, wie der Zürcher Gastronom Mike Gut (58) sagt.

Gut betreibt das beliebte Restaurant Razzia im Quartier Seefeld. Vor drei Wochen folgte der Schock: «An einem Abend ist ein Drittel der Gäste mit Tischreservation nicht aufgetaucht», ärgert sich Gut. Ein Ausreisser nach oben, wie er sagt. «Doch die Unverbindlichkeit hat generell stark zugenommen.»

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Schadenbegrenzung mit No-Show-Gebühr

Im Restaurant Razzia mit seinen 110 Sitzplätzen bleiben immer wieder bis zu zehn Prozent der Gäste mit Reservation unentschuldigt fern – zuletzt am Valentinstag. «Diese zehn Prozent machen genau den Unterschied, ob ein Abend profitabel oder nur kostendeckend ist und wir vergebens gearbeitet haben», ordnet Gut ein.

Doch was tun? Einfach Tische zu überbuchen, sei riskant. «Die Zahl der No-Shows schwankt stark. Mit Überbuchungen kann man das nur teilweise auffangen, da wir sonst plötzlich zu wenig Tische haben und Gäste verärgern», sagt Gut.

Weitermachen wie bis anhin will der Gastronom aber auch nicht. «Wir haben bisher nur punktuell, beispielsweise ab gewissen Tischgrössen No-Show-Gebühren erhoben. Das werden wir künftig generell machen.» Das heisst: Neue Gäste hinterlegen bei Online-Reservationen im Tool von Lunchgate ihre Kreditkarte. Bleibt der Tisch leer, werden pro Person 50 Franken abgebucht. «Das kompensiert zwar nicht den Konsum, aber sorgt für eine Schadensbegrenzung.»

Widder verrechnet 200 Franken pro Gast

Gemäss Gut braucht es bei einer flächendeckenden Einführung einer No-Show-Gebühr Fingerspitzengefühl und die richtige Kommunikation. «Die Leute sollten aber wissen, dass eine Reservation verbindlich ist.» Treue Gäste will man damit nicht belästigen. Diese können wie bis anhin telefonisch reservieren, ohne eine Kreditkarte hinterlegen zu müssen.

Immer mehr Restaurants setzen auf eine No-Show-Gebühr. Im Zürcher Restaurant Gertrudhof wurde diese vor gut einem Jahr eingeführt. Weil die No-Shows bei ausländischen Gästen viel häufiger sind, muss seither bei einer ausländischen Vorwahl über Lunchgate automatisch die Kreditkarte hinzugefügt werden. Auch im Uto Kulm beträgt die Gebühr 50 Franken pro Person. Im Restaurant Widder werden für Gäste, die nicht aufkreuzen, 200 Franken verrechnet.

Gemäss einer Auswertung von Lunchgate lag die No-Show-Rate am diesjährigen Valentinstag bei 3,31 Prozent und damit fast ein Fünftel höher als im Vorjahr. Gemessen an der Zahl der Reservierungen war es der stärkste Tag im laufenden Jahr.

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