1. August kein Feiertag für Tausende Zusteller
Pöstlerin hässig: «Wir fühlen uns ausgenutzt»

Zustellerin und Zusteller sind empört: Der 1. August wurde vielen nicht als freier Tag angerechnet, weil er dieses Jahr auf einen Samstag fiel. Sie fordern mit einem offenen Brief an den Post-Chef eine Lösung, denn der Samstag sei für sie ein normaler Arbeitstag.
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Pöstlerin Jeanine Dreier (Name geändert) ärgert sich über ihre Arbeitgeberin. Die Post hat Tausenden Zustellern den 1. August nicht als Feiertag gutgeschrieben.
Foto: Siggi Bucher

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Postzusteller beklagen fehlende Feiertagsanrechnung für 1. August 2026
  • Bis zu 6000 Mitarbeitende betroffen, 960 unterzeichnen offenen Brief an Post-Chef
  • Post verweist auf Gesamtarbeitsvertrag, ist aber zu Gesprächen bereit
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Mischa StünziRedaktor Wirtschaft

Seit zwei Jahren arbeitet Jeanine Dreier* als Zustellerin bei der Schweizerischen Post. Montag bis Samstag bringt sie Briefe und Pakete in Hunderte Haushalte im Raum Zürich. An vollen Tagen ist sie auch mal zehn Stunden unterwegs. Dreier mag ihren Job: «Ich bin an der frischen Luft und komme mit vielen Menschen in Kontakt.»

Doch seit Anfang August ärgert sich die 31-Jährige: «Ich fühle mich von der Post verarscht.» Grund dafür ist der 1. August. Eigentlich ein Feiertag. Aber Dreier ist nicht nach Feiern zumute. Zwar hatte sie am 1. August wie alle Zustellenden frei. Eine Zeitgutschrift gab es für den Tag aber nicht – weil der Tag auf einen Samstag fiel.

Samstag ist ein normaler Arbeitstag

In der Zustellung sei der Samstag aber ein Arbeitstag wie jeder andere auch, sagt Dreier, die in Wirklichkeit anders heisst. Aus Sorge vor Massnahmen ihres Arbeitgebers möchte sie ihren richtigen Namen nicht in den Medien lesen. «Anfang Jahr haben wir bei uns im Team zwar von der 6- auf eine 5-Tage-Woche umgestellt. Trotzdem arbeiten wir regelmässig am Samstag.» Sie selber arbeite im Schnitt jeden zweiten Samstag und habe dann unter der Woche ihren freien Tag, erklärt die Pöstlerin. «Und bei einem Personalengpass arbeiten wir eh sechs Tage die Woche. Irgendwer muss ja die Post verteilen.»

Als sie vor zwei Jahren zur Post wechselte, dachte Dreier: «Wow, super. Bei einem Staatsbetrieb kann man sich ganz auf seinen Arbeitgeber verlassen.» Vermutlich hätte sie die fehlenden Arbeitsstunden vom 1. August deshalb gar nicht bemerkt, wenn nicht Kolleginnen und Kollegen in einem Chat davon geschrieben hätten. Proaktiv informiert wurde nicht. «Für mich ist das ein Skandal. Wir fühlen uns ausgenutzt.» Am meisten ärgere sie, dass die Leute, die das entschieden haben, nie sechs Tage die Woche bei Wind und Wetter unterwegs seien.

«Es war wie ein Flächenbrand»

Dreier ist mit ihrer Wut nicht allein. Zwischen 3000 und 6000 Pöstlerinnen und Pöstler sind laut Gewerkschaft Syndicom betroffen. «Noch selten hatten wir so viele Anfragen zu einem Thema», sagt Dominik Dietrich (40), Co-Sektorleiter Logistik, zu Blick. «Es war wie ein Flächenbrand.»

Die Gewerkschaft nahm das Thema auf und wandte sich am Montag in einem offenen Brief an Post-Chef Pascal Grieder (49): «Sehr geehrter Herr Grieder, wir erwarten von Ihnen, dass Sie dieses Problem zur Chefsache machen und zeitnah für eine Lösung sorgen», heisst es im Schreiben. Die über 960 Unterzeichnenden fordern, dass die Post ihre aktuelle Regelung zur Anrechnung des 1. Augusts überprüft, die Arbeitszeit allen betroffenen Angestellten nachträglich gutschreibt und die Systeme so anpasst, dass sich dieser Fall nicht wiederholt.

«Dass in der Zustellung am Samstag gearbeitet wird, ist eine Tatsache. Nur weil das Zeiterfassungssystem die betrieblichen Realitäten nicht korrekt abbildet, werden Postangestellte faktisch benachteiligt», findet Dietrich. «Ein Bundesbetrieb, bei dem sich die Angestellten ihren rechtlich verbrieften Bundesfeiertag erkämpfen müssen? Das ist doch schlicht absurd.»

Post verweist auf den GAV

«Die Post hält sich an die im Gesamtarbeitsvertrag vereinbarten Regeln», hält der Staatsbetrieb dagegen. Die Post bestätigt die kritisierte Methode, mit der die Feiertage angerechnet werden: «Für alle Mitarbeitenden in der 5-Tage-Woche gelten Feiertage, die auf einen Samstag fallen, als bezogen, auch wenn sie regelmässig oder gelegentlich samstags arbeiten.» An diesen Tagen werden keine Arbeitsstunden angerechnet.

Eine Sprecherin erklärt, weshalb diese Lösung für die Betroffenen trotzdem fair ist: «Im Gegenzug profitieren diese Mitarbeitenden, wenn Feiertage auf Werktage fallen, an denen sie üblicherweise nicht arbeiten. In solchen Fällen wird der Feiertag gutgeschrieben.» Für den betreffenden Monat – im konkreten Fall den August – mache das einen Unterschied, über eine längere Zeitspanne würden sich die angerechneten Stunden aber ausgleichen. Das sei eine praktikable Regelung für alle Mitarbeitenden.

Post ist zu Gesprächen bereit

Trotzdem ist die Post zu Gesprächen bereit. «Wir nehmen die Rückmeldungen unserer Mitarbeitenden ernst. Die Post und ihre Sozialpartner haben vereinbart, das Anliegen zu prüfen und gemeinsam zu überlegen, ob es geeignetere Lösungen für diese Thematik gibt.»

Dreier meint zwar, die Hoffnung in ihrem Arbeitsumfeld sei gering, dass ihnen für den 1. August nachträglich noch Stunden gutgeschrieben werden. «Aber ich wäre trotzdem sehr enttäuscht von der Post.»

*Name geändert 

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