Darum gehts
- Simon Ammann verpasst seine achten Olympischen Spiele
- Felix Trunz überzeugte mit besseren Resultaten und steigender Formkurve
- Für Ammann geht es am kommenden Wochenende im Weltcup weiter
Es ist eine schwer verdauliche Nachricht, die Simon Ammann (44) am Sonntagabend erhielt. Der Toggenburger verpasst nach grossem Kampf seine achten Olympischen Spiele. An seiner Stelle darf Felix Trunz (19) nach Italien reisen. Ammann will über sein bitteres Olympia-Aus nicht reden.
Dafür geben seine Chefs Auskunft. Skisprung-Boss Joel Bieri (36) erklärt auf Blick-Nachfrage: «Die letzten Resultate sprachen für Felix. Seine Formkurve zeigt nach oben.»
Beim Weltcupspringen in Sapporo flog er, im Gegensatz zu Ammann, zweimal in die Punkte. Auch an der Vierschanzentournee schaffte es Trunz unter die Top 30. Etwas, das Ammann nicht gelang.
Ein unangenehmes Telefonat
Das Olympia-Rennen schien aber bis zuletzt brutal eng zu sein. Doch letztlich waren sich die Verantwortlichen einig. «Es gab keine grossen Diskussionen. Trunz bringt viel Potenzial für die Zukunft mit. Das spielte natürlich auch hinein.» Die Verantwortlichen entschieden sich für die Jugend und gegen die Erfahrung.
So muss Ammann erstmals seit 1998 Olympische Winterspiele von zu Hause aus mitverfolgen. Bieri überbrachte dem vierfachen Olympiasieger die schlechte Nachricht am Sonntagabend telefonisch. Ein schwieriger Moment. «Natürlich war Simon enttäuscht. Aber er hat das wie ein Champion akzeptiert.»
Als der Chef de Mission, Ralph Stöckli, von Blick auf Ammann angesprochen wurde, meinte dieser an einer Pressekonferenz: «Simon bleibt eine Legende.» Auch wenn er den Rekord von acht Olympia-Teilnahmen nicht einstellen konnte.
Ammann ist nahe dran
Zuspruch erhält Ammann von Cheftrainer Bine Norcic (44). Dieser glaubt weiterhin an ihn. Die beiden haben sich bereits über die unmittelbare Zukunft unterhalten. Am Wochenende geht der Toggenburger wieder im Weltcup an den Start. «Es fehlt bei ihm nicht viel. Noch einige Sprünge, und dann traue ich Simon wieder sehr gute Resultate zu.»
Sowohl Bieri als auch Norcic betonen zudem, dass Ammann keinem Jungen einen Platz weggenommen hätte. Es gilt, wie in jedem Sportverband, das Leistungsprinzip. «Simon ist für mich nicht alt. Ich hoffe, er kämpft noch lange weiter», sagt Norcic.
Ob Ammann über diese Saison hinaus dem Skisprung-Sport erhalten bleibt, ist ungewiss. Nun muss er zuerst diese Olympia-Ohrfeige verdauen. Nachdem der ganze Druck abgefallen ist, segelt Ammann dann vielleicht auch wieder ein paar Meter weiter.