Darum gehts
- Simon Ammann (44) oder Felix Trunz (19) kämpfen um letztes Olympia-Ticket
- SRF-Experte Marco Grigoli würde das Talent anstelle des Altmeisters mitnehmen
- Die letzten Wochen würden für Trunz sprechen – und gegen Ammann
Egal, wie sich Cheftrainer Bine Norcic und sein Team entscheiden – Diskussionen sind programmiert. Zu viele Emotionen löst Skisprung-Legende Simon Ammann (44) bei den Menschen noch immer aus.
Mittlerweile hat sich der Kampf um das letzte Olympia-Ticket auf zwei Namen reduziert: Ammann oder Felix Trunz (19)? Während intern weiter beraten wird, hat Marco Grigoli (34) seine Wahl bereits getroffen.
«Das Rennen ist brutal eng», sagt der frühere Skispringer und heutige SRF-Experte. «Aber ich würde Felix mitnehmen. Simon muss deshalb leider zu Hause bleiben.» Für das Talent sprechen im Duell mit dem vierfachen Olympiasieger mehrere Faktoren.
Starkes Auf und Ab bei Ammann
Da wäre zum einen der Eindruck, den Trunz in den letzten Wochen gemacht hat. «Seine Formkurve zeigt klar nach oben. Das ist im Moment ein kleiner, aber entscheidender Vorteil.» Am vergangenen Wochenende sprang er im Weltcup als einziger Schweizer zweimal in die Punkteränge. Mit Rang 23 flog Trunz gar zu seinem bisher besten Resultat auf oberster Stufe.
Ammann klassierte sich in Sapporo nur einmal in den Top 30. «Seine Resultate sind für mich zu schwankend.» Phasen mit sehr starken Sprüngen würden sich zu oft mit Tagen abwechseln, an denen der Abstand zur Weltspitze etwas gar gross sei.
So dachte Grigoli beispielsweise nach dem starken Auftritt im zweitklassigen Continental Cup am vorletzten Wochenende, Ammann würde es packen. Doch dann folgte im Weltcup ein durchzogener Samstag mit Rang 41. «Das hat mich negativ überrascht. Ich glaubte, er zieht es jetzt durch.»
Ein zweiter wichtiger Faktor
Cheftrainer Bine Norcic kündigte vor dem Olympia-Showdown in Japan an, dass nur die Leistung im Hier und Jetzt zählt. «Deshalb hat sich Felix am letzten Wochenende in die Poleposition manövriert.»
Zudem betont Grigoli: «Olympische Selektionen dürfen keine Ehrungen für das sein, was einmal war. Die Verantwortlichen müssen an die Zukunft denken.» Hier greift der zweite Faktor, der für Trunz spricht: das Alter und sein Entwicklungspotenzial.
Erneuter Olympia-Showdown?
Die Routine von Ammann wiege diese Argumente aus Sicht von Grigoli nicht auf. Ginge es nach ihm, würde Ammann also nicht zum achten Mal an die Olympischen Spiele reisen. Ein solches Statement lässt sich Sylvain Freiholz nicht entlocken. «Die sind so nahe zusammen. Das ist wie wenn du dich als Vater für deine Tochter oder deinen Sohn entscheiden musst», erklärt er.
Der WM-Bronzegewinner von 1998 hat dafür eine spannende Idee. «Beide sollen nach Italien reisen und dort im Training gegeneinander antreten», erklärt er. So hätte man einen direkten Vergleich unter Olympia-Bedingungen.
Doch dieser Vorschlag ist nicht umsetzbar. Wie der Verband auf Blick-Anfrage erklärt, dürfen an den Olympischen Winterspielen selbst im Training nur die drei startberechtigten Athleten teilnehmen. Für Freiholz bleibt deshalb nur noch eine – nicht ganz ernst gemeinte – Möglichkeit: «Dann sollen sie Streichhölzer ziehen. Der mit dem kürzeren Stück bleibt zu Hause.»
Diese Aussage zeigt, wie schwierig es für Nordic und sein Trainerteam werden wird. Sie müssen sich nun intensive Gedanken darüber machen, wie es weitergeht. Eine Möglichkeit wäre, Ammann und Trunz an der Skiflug-WM nochmals direkt gegeneinander antreten zu lassen. Die definitive Olympia-Selektion wird am 26. Januar kommuniziert.