Darum gehts
Die Ausgangslage vor dem Olympia-Showdown in Asien scheint auf den ersten Blick klar. Killian Peier (30) ist der einzige der vier Schweizer Skispringer, der die Selektionskriterien noch nicht erfüllt hat. Er liegt im Rennen um den letzten der drei Startplätze leicht zurück.
Juri Kesseli (9 Weltcup-Punkte) und Felix Trunz (8) weisen weniger Zähler auf als Simon Ammann, der bei 18 Punkten steht. Vieles deutet deshalb darauf hin, dass der 44-Jährige aus der Poleposition in das entscheidende Wochenende startet. Darauf angesprochen schüttelt Cheftrainer Bine Norcic den Kopf.
Klare Ansage in Richtung Ammann
Der Slowene erklärt gegenüber Blick: «Niemand hat einen Vorsprung. Alle sind auf einem Niveau.» Dem Punkte-Argument von Ammann schenkt er nur wenig Aufmerksamkeit. «Das hat für mich kaum Bedeutung.» Für ihn zählt die Leistung im Hier und Jetzt.
Der formstärkste Springer wird an die Olympischen Spiele nach Italien reisen. Die guten Leistungen von Ammann zuletzt im zweitklassigen Continental Cup hat aber auch der Cheftrainer registriert. «Ich bin sehr zufrieden mit Simon. Die letzten Sprünge waren wirklich gut.»
Der vierfache Olympiasieger flog auf die Ränge 4 und 5. Norcic sieht aber weiterhin Verbesserungspotenzial. «An der Flugphase muss er noch arbeiten. Der erste Teil inklusive Absprung gefällt mir dafür immer besser.» Am Sonntagabend tauschten sich die beiden am Telefon aus. Ammann wirkte auf Norcic «ruhig und voller Vorfreude. Er ist bereit.»
WM-Held gibt weiter Rätsel auf
Hinter Ammann lauern drei Konkurrenten, die ihr Potenzial noch nicht voll ausschöpfen. Kesseli (20) bringt laut Experten hervorragende Anlagen mit, kann diese aber noch zu selten umsetzen. Trunz (19) überzeugt mehrheitlich im Training. «Felix springt dort regelmässig unter die Top 20», sagt der Cheftrainer. Im Wettkampf hapert es. Da holte Trunz in diesem Winter nur zweimal Punkte.
Rätselhaft bleibt die Saison von Peier. Der WM-Bonze-Gewinner von 2019 kämpft noch immer mit den Regeländerungen. «Er hat grosse Qualitäten. Deshalb traute ich ihm zu, dass er die Kriterien noch erfüllt.» Dafür braucht Peier einen Platz in den Top 25.
Intensives Programm
Ob das reicht, um die anderen drei hinter sich zu lassen? Möglich ist es bei diesem Skisprung-Krimi. Cheftrainer Norcic schaut sich diesen aus der Distanz an. Er weilt mit Teamleader Gregor Deschwanden (34) zu Trainingszwecken in seiner Heimat Slowenien.
Der Startschuss zum Olympia-Showdown fällt am Donnerstag. Da erhalten die Schweizer dank einem Deal mit Japan noch einmal die Gelegenheit, sich mit der Schanze vertraut zu machen. Am Freitag folgt die Qualifikation, am Wochenende die beiden Wettkämpfe. Dann zeigt sich, wer die Schicksalsschanze von Sapporo wirklich im Griff hat.