Darum gehts
- Mathilde Gremaud und Anouk Andraska stürzen vor Big-Air-Final in Livigno
- Gremaud verletzt sich bei Nose-Butter-Trick, muss mit Schlitten abtransportiert werden
- Gremaud verpasst Chance auf 5. Olympiamedaille und Gleichstand mit Vreni Schneider
Es hätte ein geschichtsträchtiger Schweizer Abend werden können – doch bevor er richtig beginnt, ist er auch schon wieder vorbei. Swiss-Ski ist in Livigno gleich doppelt im Pech: Mathilde Gremaud (26) und Anouk Andraska (22) stürzen jeweils im Probedurchgang für den olympischen Big-Air-Final – und sind in der Folge nicht mehr imstande, bei der Medaillenentscheidung abzuheben.
Bitter ist das Forfait für beide: Für Andraska, die sich gerade noch für den Final qualifizieren konnte, weil es ihre erste Olympiateilnahme ist. Und natürlich für Top-Favoritin Gremaud, weil sie nach ihrem zweiten Edelmetall an diesen Winterspielen – und der fünften Olympiamedaille insgesamt griff. Hätte sie nach ihrem Slopestyle-Sieg vom letzten Montag im Big Air erneut Gold gewonnen, wäre sie mit Ski-Ikone Vreni Schneider (61) gleichgezogen, ihrerseits die erfolgreichste Schweizer Winter-Olympionikin aller Zeiten (dreimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze).
Coach hat schlimmen Flashback
Doch das bleibt in Livigno eine Spielerei: Gremaud muss nach ihrem Warm--Sturz gar mit dem Schlitten abtransportiert werden. Gemäss ersten Informationen handelt es sich um eine Hüftverletzung, die sich die Freiburgerin nach dem Versuch ihres Nose-Butter-Tricks zugezogen hat. Ihr Trainer Greg Tuscher war im ersten Moment geschockt, wie er sagt: «Ich hatte Angst um sie – denn so etwas kann auch schlimm ausgehen. Ich erinnerte mich direkt an den kürzlichen Sturz eines Norwegers in Steamboat (William Bostadlokken, d. Red.), der damit endete, dass der Junge von der Hüfte abwärts gelähmt war.»
Gleichzeitig gibt Tuscher im Falle von Gremaud aber auch Entwarnung: «Wir werden es hier im Spital von Livigno checken lassen, doch auf den ersten Blick scheint es nicht allzu schlimm zu sein. Und trotzdem war es zu viel, als dass sie im Final hätte antreten können.» Sprich: Es war noch heftiger als vor dem Slopestyle-Final, als Gremaud ebenfalls schon zu Boden ging.
Gremaud habe sich nach ihrem Sturz «zufrieden» gezeigt, dass es ihr den Umständen entsprechend gut gehe, so Tuscher, der «sehr enttäuscht für beide Athletinnen» ist.
Die medizinischen Untersuchungen ergeben, dass sich Andraska bei ihrem Sturz eine Mittelhandfraktur zugezogen hat. Gremaud erleidet eine starke Hüftprellung. Sie verbleibt zur Überwachung über Nacht im Spital.
Aufgrund der schwierigen Wetterverhältnisse wird der Frauen-Final am Montagabend erst um 21 Uhr durchgeführt. Gold geht an Megan Oldham (Kanada). Silber holt Eileen Gu (China). Bronze krallt sich Flora Tabanelli (Italien).
