Strahlende Gesichter, glamouröse Outfits und ein gemeinsames Posen vor den Kameras: Das Gruppenfoto der acht besten Spielerinnen gehört vor den WTA-Finals zur festen Tradition. Doch in diesem Jahr in Indian Wells sucht man das Bild vergeblich. Stattdessen gibt es einen stillen, aber knallharten Boykott.
Die Ukrainerin Elina Switolina (32) weigert sich strikt, gemeinsam mit der Russin Mirra Andreeva (19) und der Belarussin Aryna Sabalenka (28) für dasselbe Bild zu posieren. Ihr Grund ist unmissverständlich: der anhaltende russische Angriffskrieg auf ihre Heimat. Die Spielerinnen-Organisation WTA reagiert pragmatisch auf die brisante Situation. Statt des gemeinsamen Fotos veröffentlicht der Verband kurzerhand Einzelporträts und verkauft die Notlösung offiziell als «neues Fotokonzept».
Kein Handschlag am Netz
Dass Switolina in dieser Hinsicht keine Kompromisse eingeht, ist auf der Tour längst bekannt. Seit Ausbruch des Krieges im Februar 2022 verweigert sie ihren Gegnerinnen aus Russland und Belarus nach dem Match konsequent den Handschlag am Netz. Es ist ihr persönliches Zeichen der Solidarität mit der Ukraine. Um Pfeifkonzerte unwissender Fans zu verhindern, machten Veranstalter wie zuletzt bei den Australian Open das Publikum sogar vorab per Durchsage darauf aufmerksam, dass der Handshake ausfallen wird. Die nächste emotionsgeladene Begegnung steht bereits an: Am Montag trifft Switolina zum Auftakt der Finals ausgerechnet auf die Russin Andreeva (22.10 Uhr).
Krieg und Ehe-Aus
Für die 32-Jährige ist das Turnier der vorläufige Höhepunkt von extrem aufwühlenden Wochen. Switolina trägt nicht nur auf dem Platz schwer an den Folgen des Krieges. Erst Mitte Oktober gab sie nach acht gemeinsamen Jahren und fünf Jahren Ehe die Trennung von Frankreichs Tennis-Star Gael Monfils (40) bekannt.
Dabei machte sie keinen Hehl daraus, wie sehr der Krieg ihre Psyche und letztlich auch ihre Beziehung zermürbt hat. «Jeder weiss, wie viel mir die Ukraine bedeutet. Was ihr nicht gesehen habt, waren die schlaflosen Nächte, die Zweifel und das Gefühl, mich langsam selbst zu verlieren», erklärte Switolina in einem Instagram-Post. Ihr Ex-Mann habe das miterlebt und ihre Hand nie losgelassen. «Aber manche Kämpfe finden tief in einem selbst statt, und keine noch so grosse Liebe eines anderen kann sie für einen gewinnen.»