«Ging mir an die Substanz»
Basel-Turnierboss über Wawrinka-Abschied, Rekord und Sorgen

Djokovic-Mania, Wawrinka-Abschied und eine Rekord-Kulisse: Die Swiss Indoors blicken auf das erfolgreichste Turnier seit Jahren zurück – doch es war auch so teuer wie noch nie.
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Turnier-Präsident Roger Brennwald hat für Stan Wawrinka eine grosse Zeremonie auf die Beine gestellt.
Foto: Nico Ilic/freshfocus

Darum gehts

  • Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald zieht Bilanz
  • «Turnier der Rekorde» in Basel – wegen Fans, aber auch Kosten
  • Wawrinka-Zeremonie war grosser Mehraufwand
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Marco PescioReporter Sport

Der Blick nach Wien lässt an diesem Wochenende so manchen Schweizer Tennisfan zunächst einmal leer schlucken. Beim Konkurrenz-Turnier der Swiss Indoors geht aus dem hochattraktiven Halbfinalfeld von Carlos Alcaraz (23) über Daniil Medwedew (30) und Alexander Zverev (29) bis hin zu Alex De Minaur (27) am Ende Ersterer als Sieger hervor. Der Superstar hat geliefert. In Basel hingegen sind sämtliche Aushängeschilder früh gescheitert, mit Taylor Fritz (29) verabschiedete sich am Samstag im Halbfinal der letzte Topstar.

Vor der Auslosung hätte die Finalaffiche in der St. Jakobshalle im besten Fall Ben Shelton (24) gegen Novak Djokovic (39) geheissen. Doch am Ende wurde es das Duell zwischen Valentin Vacherot (27) und Jiri Lehecka (24), von dem auch Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald (80) zugibt, dass es «natürlich kein Traumfinal» sei.

«Ist mir an die Substanz gegangen»

Basel steht in Sachen Star-Auflauf seit Jahren im Schatten von Wien – und doch verzeichnet der grösste Sportevent der Schweiz eine äusserst positive Bilanz. Die Zuschauerzahlen sind so gut wie noch nie seit der Ära Roger Federer (45). 67’600 Fans pilgerten über die gesamte Wettbewerbsdauer ins Joggeli. Das sind sogar mehr als im Jahr 2022, als die Hallenkapazität noch bei 8600 Zuschauern pro Tag lag. Mittlerweile ist diese nach feuerpolizeilichen Massnahmen auf 8100 verringert worden. Brennwald sagt, das Turnier sei schon vor Beginn «praktisch ausverkauft» gewesen, die «1000 bis 2000» restlichen Tickets seien dann im Verlaufe der Woche im Nu weggewesen. Vor allem dank Djokovic.

Und auch, weil Stan Wawrinka (41) seinen Profi-Abschied in Basel feierte. Das wiederum habe für das Turnier eine enorme Herausforderung dargestellt, sagt Brennwald: «Die Ehrung von Stan auf die Beine zu stellen, hat mir die letzte Energie geraubt, die ich noch hatte. Das ist mir an die Substanz gegangen, doch es erfüllt mich auch mit Stolz, dass er Basel ausgewählt hat.»

Scherz in Richtung von Sensationsmann Kym

Dass Brennwald von einem «Turnier der Rekorde» spricht, hängt auch mit enormen Investitionen zusammen: «Es ist die teuerste und aufwändigste Ausgabe, die wir je hatten.» Der Gründer des ATP-500-Events spricht von einem Budget von rund 19 Millionen Franken und davon, dass er im Vorfeld erstmals überhaupt zwölf Spieler verpflichtete.

Das Problem: Keiner aus diesem Dutzend schaffte es am Ende ins Endspiel, was Brennwald zum Scherz veranlasst: «Nächstes Jahr schreiben wir in die Verträge, dass mindestens der Halbfinal erreicht werden muss. Sonst unterschreiben wir nicht.» Und dann legt er auch noch einen nicht ernst gemeinten Seitenhieb gegen den Schweizer Überraschungsviertelfinalisten Jérôme Kym (23) nach: «Er schiesst mir einfach den Shelton raus. Ich weiss nicht, ob er nächstes Jahr noch eine Wildcard kriegt.»

Er weiss, dass Wien mit – geschätzt fünf bis sechs Millionen Franken – weniger Budget auskommt, erklärt sich den Unterschied aber mit dem «Hochpreisland Schweiz». Und er schlägt mit Blick auf die nächsten Jahre Alarm: «Wir müssen nun einmal zur Ruhe kommen. Wir können nicht immer nur aufstocken, wir müssen jetzt sparen. Aber ich bin auch zuversichtlich, dass wir dies schaffen.» Er sagt dies mit der Erfahrung von 55 Turnieren ohne ans Aufhören zu denken. Aber wohl nicht ganz ohne Bauchweh.

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