Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die Schweizer Ski-Männer hatten im vergangenen Winter viel Grund zum Feiern. 17 Weltcupsiege hamsterten Marco Odermatt (28) und Co., dazu drei Kristallkugeln. Bei Olympia räumten sie vier der fünf Goldmedaillen ab. Einer durchkreuzte ihre Pläne allerdings immer wieder: Lucas Pinheiro Braathen (26, Br). «Ich schaue gern auf meine Erfolge zurück, aber auch auf die schwierigen Momente, die ich meistern musste. Daraus schöpfe ich Selbstvertrauen für das, was vor mir liegt», sagt er.
Am 25. Oktober in Sölden (Ö) geht das Duell zwischen Pinheiro Braathen und den Schweizern in die nächste Runde. Der in Norwegen geborene und aufgewachsene Brasilianer zählt nach der vergangenen Saison zu den Favoriten. Im Riesenslalom holte er die Kristallkugel und bei Olympia Gold. Nun will er seinen Brasilien-Joker erneut ausspielen.
«Ich war jeden Tag am Strand»
Dafür setzte Pinheiro Braathen auf Sonne statt Schnee. Monatelang lebte er im europäischen Sommer in Rio de Janeiro. «Ich war jeden Tag am Strand und bin viel gesurft», erzählt er. Auch auf dem Trampolin tobte er sich aus. Und natürlich durfte der Samba nicht fehlen. Vor allem aber arbeitete der 26-Jährige hart an seiner Kondition.
Schon im Sommer 2025 hatte er in der Küstenstadt trainiert. Diesmal optimierte er seine Vorbereitung. «Ich bin Teil des brasilianischen Olympiateams, das über eine hervorragende Anlage mit allem verfügt, was ich brauche.»
Schnell auf dem Schnee, schnell zurück in Rio
Auch privat passte alles: Mit seiner Freundin Isadora Cruz (28), einer brasilianischen Schauspielerin, fand er eine Wohnung ganz in der Nähe. «Sie liegt nur zehn Minuten von dem Studio entfernt, in dem Isadora arbeitet.» Sein Fazit: «Das Ganze fühlt sich an wie ein Geschenk des Universums.»
Rio war auch logistisch ein Glücksfall. Von dort aus reiste Pinheiro Braathen nach Argentinien und Chile, wo er auf Schnee trainierte. «Es gab Direktflüge, und ich musste während der gesamten Vorbereitung keine Zeitzonen wechseln.»
Konkrete Ziele für den kommenden Winter nennt er nicht. Stattdessen formuliert er einen Wunsch, der weit über den Sport hinausgeht: «Ich hoffe, dass ich Kinder und Jugendliche ermutigen kann, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie sollen tun, was für sie richtig ist, und nicht davon abhängig sein, was andere über sie denken.»